Strukturalismus | segmentierung als methode

Segmentierung als Methode

Der Strukturalismus beruht auf der Grundannahme, dass Phänomene nicht isoliert auftreten, sondern in Verbindung mit anderen Phänomenen stehen. Nicht die Dinge selbst werden deshalb betrachtet, sondern die Relationen zwischen den Dingen. Die zu untersuchenden Phänomene sind in der Regel sehr komplex. Deshalb müssen zunächst bestimmte ihrer Erscheinungen ausgeschlossen und Teilaspekte isoliert betrachtet werden. Durch ihre Erklärung soll die Einsicht in komplexere Zusammenhänge vorangetrieben werden. Der Bereich des Beobachtbaren wird deshalb eingeteilt in strukturell beschreibbare und strukturell nicht beschreibbare Sachverhalte. Die beschreibbaren Phänomene werden segmentiert. Zwischen den Segmenten wird ein Zusammenhang rekonstruiert:

„Der strukturale Mensch nimmt das Gegebene, zerlegt es, setzt es wieder zusammen; das ist scheinbar wenig (und veranlaßt manche Leute zu der Behauptung, die strukturalistische Arbeit sei ‚unbedeutend, uninteressant, unnütz‘ usw.). Und doch ist dieses Wenige, von einem anderen Standpunkt aus gesehen, entscheidend; denn zwischen den beiden Objekten, oder zwischen den beiden Momenten strukturalistischer Tätigkeit, bildet sich etwas Neues, und dieses Neue ist nichts Geringeres als das allgemeine Intelligible: das Simulacrum, das ist der dem Objekt hinzugefügte Intellekt, und dieser Zusatz hat insofern einen anthropologischen Wert, als er der Mensch selbst ist, seine Geschichte, seine Situation, seine Freiheit und der Widerstand, den die Natur seinem Geist entgegensetzt. [...] Die Struktur ist in Wahrheit also nur ein Simulacrum (Abbild, Schattenbild) des Objekts, aber ein gezieltes, ‚interessiertes‘ Simulacrum, da das imitierte Objekt etwas zum Vorschein bringt, das im natürlichen Objekt unsichtbar oder, wenn man lieber will, unverständlich blieb. [...] Schöpfung oder Reflexion sind hier nicht originalgetreuer ‚Abdruck‘ der Welt, sondern wirkliche Erzeugung einer Welt, die der ersten ähnelt, sie aber nicht kopieren, sondern verständlich machen will. [...] Nicht durch die Natur des kopierten Objekts wird eine Kunst definiert (ein hartnäckiges Vorurteil jedes Realismus), sondern durch das, was der Mensch, indem er es rekonstruiert, hinzufügt: die Technik ist das Wesen jeder Schöpfung. [...] Das Objekt wird neu zusammengesetzt, um Funktionen in Erscheinung treten zu lassen, und das ist, wenn man so sagen darf, der Weg, der das Werk hervorbringt; aus diesem Grund sollte man nicht von strukturalistischen Werken sprechen, sondern von strukturalistischer Tätigkeit.“

Roland Barthes: Die strukturalistische Tätigkeit[13]

Dabei ist unter Umständen eine den Segmenten zugrunde liegende weitere, abstraktere Beschreibungsebene anzusetzen, auf der wieder eine Segmentierung ihrer Einheiten möglich ist. In allen Fällen wird versucht, die analysierten Phänomene mit einer Art „Gitternetz“ zu erfassen (synchronische und diachronische Anordnung ihrer Symbole), in dem jedes Element durch die Merkmale, Korrelationen und Oppositionen bestimmt ist, die sich aus dem Verhältnis der Elemente untereinander ableiten lassen. Das einzelne Element darf nicht in sich, sondern muss in seiner Funktion in der Gesamtheit des synchronischen Systems verstanden werden. Die Dinge werden also in einem strukturierten und kohärenten System dargestellt. Die Kenntnis der synchronischen Beziehungen gehen den Beobachtungen des diachronischen Prozesses voraus. Es genügt dabei nicht, systemimmanent die Evolution der Funktionen einzelner Strukturen zu betrachten. Um Veränderungen zu verstehen, müssen die Beziehungen eines Systems auch zu allen anderen Systemen menschlicher Aktivität in den Blick kommen.

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