Schlacht von Covadonga | verlauf

Verlauf

Über den Verlauf des Kampfes gehen die Angaben der muslimischen und der christlichen Quellen weit auseinander, und auch in der modernen Forschung ist fast alles außer dem Schlachtort umstritten. Auch die Datierung ist nicht mit Sicherheit geklärt. Der prominente spanische Historiker Claudio Sánchez-Albornoz ist in einer gründlichen Untersuchung zum Ergebnis gekommen, dass die Schlacht 722 stattfand.[6] Diese Auffassung hat sich zunächst durchgesetzt, aber neuerdings treten einige Forscher für Frühdatierung (718) ein.[7] Als sicher kann nur gelten, dass bei Covadonga ein Versuch muslimischer Truppen, Pelayos Streitmacht zu vernichten, scheiterte.

Die Hauptquellen für die Ereignisse sind eine Chronik, die König Alfons III. von Asturien (866–910) verfassen ließ, und die ebenfalls am Hof dieses Herrschers entstandene, im Jahr 883 vollendete Crónica Albeldense. Ungewiss ist, ob es – wie in der Chronik Alfons' III. berichtet wird – vor der Schlacht zu Verhandlungen kam, wobei die Muslime durch einen Bischof namens Oppa, den sie mitgebracht hatten, den Asturern vorteilhafte Friedensbedingungen anboten. Demnach hätte Pelayo unter muslimischer Herrschaft nicht nur seinen Besitz behalten, sondern auch eine gewisse vertraglich gesicherte politische Eigenständigkeit bewahren können.[8] Der Chronik zufolge lehnte Pelayo dieses Angebot ab, und darauf begann die Schlacht, in der angeblich 124.000 muslimische Soldaten ums Leben kamen, darunter der kommandierende Feldherr namens Alqama; auf der anschließenden Flucht sollen weitere 63.000 umgekommen sein. Dadurch wurde nach dieser Darstellung die Lage des Gouverneurs Munuza, der nicht an der Schlacht teilgenommen hatte, unhaltbar; er musste seine Residenz in Gijón aufgeben und wurde auf der Flucht getötet. Danach soll kein einziger Muslim nördlich der Pässe des Kantabrischen Gebirges am Leben geblieben sein.[9]

Die (ebenfalls nicht zeitgenössischen) muslimischen Quellen hingegen stellen die Kampfhandlung als unbedeutendes Gefecht dar. Ihnen zufolge wurde eine Schar von 300 christlichen Rebellen eingekreist und fast völlig aufgerieben. Schließlich seien Pelayo nur 30 ausgehungerte Kämpfer geblieben. Diese habe man entkommen lassen, da zu ihrer Vernichtung in dem schwierigen Gelände ein unverhältnismäßiger Aufwand erforderlich gewesen wäre.[10]

Beide Darstellungen sind offensichtlich weit von der historischen Realität entfernt.[11] In der christlichen Geschichtsschreibung wurde Covadonga aus der Perspektive späterer Jahrhunderte mythisch überhöht, in der muslimischen bagatellisiert. Die asturische Schilderung ist vom „Neogotismus“ geprägt, der Sichtweise des asturischen Königshauses, das seine Herrschaft als Fortsetzung bzw. Wiedererrichtung des Westgotenreichs betrachtete und damit legitimierte. Die maßlos übertriebenen Verlustzahlen der Feinde sollten den christlichen Sieg als Wunder, als Ergebnis göttlicher Hilfe erweisen. Die muslimische Darstellung ist ebenfalls unglaubwürdig, denn wenn man ihren Angaben folgt, ist es unbegreiflich, dass Pelayo nach dem Kampf sein asturisches Reich von der Hauptstadt Cangas de Onís aus konsolidieren konnte, ohne dass die Muslime ihn daran zu hindern vermochten.

Festzuhalten ist, dass ein Kampf stattgefunden hat und dass es sich offenbar um einen militärischen Erfolg der Rebellen handelte, dessen Ausmaß und Bedeutung jedoch mangels zuverlässiger Quellen nicht genauer bestimmt werden kann. Anscheinend unterschätzten die Muslime die Tragweite von Pelayos Aufstand und versäumten es daher, ihn nach der Schlappe von Covadonga energisch zu unterdrücken. Die Berichte beider Seiten gehen davon aus, dass die muslimische Streitmacht bei Covadonga zahlenmäßig überlegen war. Die Asturer hingegen hatten den Vorteil einer besseren Kenntnis des für den Angreifer schwierigen Geländes.

Die Höhle von Covadonga
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