Orchester | Öffentlich finanzierte orchester in deutschland

Öffentlich finanzierte Orchester in Deutschland

Geschichte

Das älteste ununterbrochen bestehende deutsche Orchester ist das Orchester des Staatstheaters Kassel, gegründet im Jahr 1502.

Bis Anfang der 1930er Jahre war die Tätigkeit eines deutschen Orchestermusikers hinsichtlich der Ausbildung und der existenziellen Absicherung uneinheitlich geregelt. Einige Musiker kamen von der Stadtpfeiferei, andere hatten eine Musikschule, einige auch eine Musikhochschule besucht. Die existentielle Absicherung wurde 1938 mit dem jetzt eingeführten Tarifvertrag geregelt. Der Begriff des Kulturorchesters wurde mit diesem Tarifvertrag zu einem kulturpolitischen Terminus.[7] Der Begriff, die Struktur und die beabsichtigte künstlerische Ausrichtung dieses öffentlich finanzierten Klangkörpers wurde von dem damaligen Präsidenten der Reichsmusikkammer, Peter Raabe, geprägt. Eng verknüpft mit diesem Begriff war die strikte Trennung des Musiklebens in einen Bereich der „ernsten Konzertunternehmungen“ (Peter Raabe 1928) und einen Bereich der sonstigen europäischen und außereuropäischen Konzertveranstaltungen.[8] Die angebliche Ernsthaftigkeit der klassischen (deutschen) Musik wurde als Begründung für deren Förderungswürdigkeit angegeben, denn Raabe nahm seine „Rolle als Vermittler und Verteidiger des deutschen Kulturguts sehr ernst.“[9] Diese von Raabe durchgesetzte Auffassung vom besonderen Wert der „ernsten Musik“ spiegelte sich auch im musikalischen Urheberrecht wider, das ebenfalls von dem Präsidenten der Reichsmusikkammer zentral verantwortet wurde. Deshalb entsprach es beispielsweise diesem Kulturbegriff, die Verpflichtung eines Jazzorchesters bei einer kommunalen Einrichtung zu verhindern, denn Raabe wollte mit dem Begriff des Kulturorchesters einen Gegenbegriff zur „Unkultur“ des Jazz schaffen.[10] Wiewohl gelegentlich Big Bands im Rahmen von pädagogischen Einrichtungen gegründet wurden, gibt es in Deutschland bis heute eine kulturpolitische Bevorzugung von Streichern gegenüber den Jazzsaxophonisten, unabhängig von der jeweiligen künstlerischen Qualifikation. Auch die Beibehaltung des NS-Begriffs Kulturorchester bis zur heutigen Zeit muss als höchst unglücklich bezeichnet werden.[11] Raabes Philosophie, der sinfonischen Musik müsse bei der Förderung des kommunalen Musiklebens eine Priorität eingeräumt werden, ist bis heute nicht nennenswert infrage gestellt worden.[12] Die Orchester wurden in Deutschland in tariflicher Hinsicht nach einem hierarchischen Prinzip unterschiedlich gewertet, die auch die Größe des Klangkörpers beinhaltete. Im Zusammenhang mit der historischen Aufführungspraxis ist die in diesem Tarifsystem verankerte Philosophie, Größe und Qualität miteinander zu verbinden, fraglich geworden. Zunächst gab es die drei Einstufungsgruppen A-, B- und C- Orchester. Später wurden sieben verschiedene Tarifgruppen unterschieden.

Aktuelle Situation

Die professionelle öffentlich finanzierte Kulturorchesterlandschaft Deutschlands mit gegenwärtig 133 Kulturorchestern mit 9922 Planstellen[13] gliedert sich in vier Gruppen:

  • 84 Theaterorchester, die überwiegend die Sparten Oper, Operette, Musical der Stadt- und Staatstheater bedienen. Das Spektrum reicht von den großen, international renommierten Opernhäusern in Berlin, Hamburg, Dresden, Frankfurt, Stuttgart oder München bis hin zu den kleinen Bühnen in Lüneburg, Annaberg, Coburg oder Hildesheim.
  • 30 Konzertorchester, die ausschließlich oder überwiegend im Konzertsaal arbeiten oder mit einer eigenständigen Konzerttradition auch im Opernhaus tätig sind. Einige gehören zu den führenden Ensembles weltweit. Ein renommiertes Expertenpanel wählte folgende deutsche Orchester in die Internationalen Top Ten: die Berliner Philharmoniker, das Gewandhausorchester Leipzig, die Staatskapelle Berlin und die Sächsische Staatskapelle Dresden.
  • 12 Rundfunk- bzw. Radiosinfonieorchester sowie vier Bigbands der ARD-Anstalten und der Rundfunkorchester und -Chöre GmbH (Berlin), die ebenfalls Konzertorchester sind und einen Schwerpunkt in Musikaufnahmen haben. Sie pflegen besonders die zeitgenössische Musik in Deutschland mit zahlreichen Auftragskompositionen und Uraufführungen. Ensembles wie die Symphonieorchester des Bayerischen, Norddeutschen oder Westdeutschen Rundfunks genießen hohes internationales Ansehen.[14]
  • Sieben Kammerorchester, die mit öffentlichen Mitteln finanziert werden und die in der Regel ohne eigene Bläserbesetzung als reine Streichorchester ganzjährig arbeiten, wie z. B. das Stuttgarter Kammerorchester, das Württembergische Kammerorchester Heilbronn oder das Münchener Kammerorchester.

Kleine Sinfonieorchester gibt es schon in einer Besetzung ab ca. 30 Mitgliedern, wobei teilweise einige Bläser nur einfach besetzt sind. Mittlere bis große Orchester haben in der Regel zwischen 66 und über 100 Mitglieder. Das größte deutsche Orchester ist das Gewandhausorchester Leipzig mit 185 Planstellen; es spielt allerdings auch in drei Formationen: als Konzertorchester im Leipziger Gewandhaus, als Opernorchester in der Oper Leipzig und als Kantatenorchester in der Leipziger Thomaskirche, der langjährigen Wirkungsstätte von Johann Sebastian Bach. Das mit derzeit 159 Planstellen zweitgrößte Orchester ist die Sächsische Staatskapelle Dresden. Die Anzahl der Planstellen ist nicht zwangsläufig identisch mit der Anzahl der dort beschäftigten Musiker, denn durch die Einrichtung von halben Stellen wurde das ursprüngliche Konzept erweitert. Viele Kulturorchester verpflichten zur Erweiterung ihrer Besetzung Mitglieder anderer Kulturorchester, die in ihren jeweiligen Nachbarstädten dann jeweils nebenberuflich tätig sind.

Die Deutsche Orchestervereinigung e. V. (DOV) ist eine einflussreiche kulturpolitische Institution, die schwerpunktmäßig als bundesweite Interessenvertretung der Kulturorchestermusiker tätig ist. Außerdem setzt sich die DOV dafür ein, die finanziellen Bedingungen für die Nebenbeschäftigung von Kulturorchestermusikern als Lehrbeauftragte an Musikhochschulen zu verbessern.[15]

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