Marie von Hessen-Darmstadt | leben

Leben

Herkunft, Familie und Jugend

Marie von Hessen und bei Rhein

Marie war offiziell das jüngste der fünf Kinder des Großherzogs Ludwig II. von Hessen und bei Rhein (1777–1848) aus dessen Ehe mit Prinzessin Wilhelmine von Baden (1788–1836), Tochter des Erbprinzen Karl Ludwig von Baden.

Die Eltern hatten sich über die Jahre einander entfremdet und lebten teilweise monatelang getrennt unter der Wahrung einer äußerlich intakten Familie. Die Geburt der beiden jüngsten Kinder, Alexander und Marie, brachte sie einander wieder näher, obwohl die Vaterschaft des Großherzogs bei den letzten beiden Kindern Wilhelmines in Zweifel gezogen wurde. Der biologische Vater dieser Kinder Wilhelmines war vermutlich August Ludwig von Senarclens-Grancy, mit dem sie zeitweise zusammenlebte.

Die Erziehung der jungen Prinzessin gab die Großherzogin nicht in die Hände von Gouvernanten, sondern stellte selbst die Pläne für die Erziehung und Bildung zusammen. Auf die Vermittlung von Literatur- und Geschichtskenntnissen wurde besonderen Wert gelegt. Die Vorliebe der Mutter für die französische Kultur und Literatur prägte den Unterricht der kleinen Marie. Wilhelmine starb, als Marie elf Jahre alt war. Die weitere Erziehung übernahm die Hofdame Marianne Gransi, die dem Erziehungsplan der Mutter folgte.

Zarin

Zar Alexander II. und Zarin Marija Alexandrowna, Lithographie von Eduard Kaiser
Zarin Marija Alexandrowna

Im Jahr 1838 lernte der künftige Zar von Russland Alexander II. die junge Prinzessin von Hessen kennen und entschied sich für eine Ehe mit ihr, obwohl er sich des Makels ihrer Geburt durchaus bewusst war. Die Ehe wurde am 16. Apriljul./ 28. April 1841greg. in St. Petersburg geschlossen. Marie konvertierte vor der Hochzeit zum russisch-orthodoxen Glauben und wurde fortan Marija Alexandrowna genannt. Nach dem Tod des Zaren Nikolaus I. folgte ihr Mann ihm auf den Thron, und Marija Alexandrowna wurde Zarin von Russland.

Obwohl Alexander seine Frau stets respektvoll behandelte, hatte er zahlreiche Geliebte und uneheliche Kinder. Marie reagierte darauf mit häufigen Erkrankungen. Auf ihr Betreiben und in Zusammenarbeit mit Großherzogin Alice von Hessen arrangierte sie gegen den Widerstand der Königin Victoria die Ehe ihrer einzigen Tochter Maria mit Herzog Alfred von Edinburgh.

Ein besonders enges Verhältnis hatte Marie stets zu ihrem Bruder Alexander, mit dem sie auch einen umfangreichen Briefwechsel teils politischen Inhalts geführt hat. Durch ihre häufigen Aufenthalte im hessischen Schloss Heiligenberg bei ihrem Bruder resultieren auch die späteren Ehen des Großfürsten Sergei mit Prinzessin Elisabeth und auch die Verbindung von Maries Enkel Nikolaus mit Prinzessin Alix.

Krankheit und Tod

Im Jahr 1863 erkrankte die Zarin an Tuberkulose und hoffte mit Hilfe von Kuraufenthalten Linderung zu erlangen. Im Sommer 1864 begab sie sich nach Bad Kissingen, wo die erste persönliche Begegnung mit Ludwig II. von Bayern stattfand. Es folgte ein weiterer Besuch Ludwigs in Bad Schwalbach, wo sich die Zarin zu einer Nachkur aufhielt. Daraus resultierte ein Briefwechsel der beiden Monarchen, der ein Jahr lang andauerte. Wegen einer Verschlechterung ihrer Krankheit und eventueller Verdächtigungen von Seiten des Kaiserhofes brach der Kontakt aber wieder ab.

Die eheliche Untreue ihres Mannes und der frühe Tod ihres ältesten Sohnes schmerzten sie sehr. Die sehr geschwächte Zarin erlag am 3. Juni 1880 ihrem Leiden und wurde mit allen Ehren in der Familiengruft der Peter-und-Paul-Kathedrale beigesetzt.

In anderen Sprachen
română: Maria de Hessa
srpskohrvatski / српскохрватски: Marija Aleksandrovna