Friedrich II. (HRR) | phase der universalen herrschaft (1220–1238)

Phase der universalen Herrschaft (1220–1238)

Kaiserkrönung 1220

Friedrich sicherte im Februar 1220 zu, auf das Königreich Sizilien für seinen Sohn Heinrich zu verzichten und bis zu dessen Volljährigkeit einen dem Papst genehmen Regenten einzusetzen.[27] Im September 1220 war Friedrich nach achtjähriger Abwesenheit wieder in Italien. Am 22. November wurden Friedrich und seine Gemahlin Konstanze von Papst Honorius III. in der Peterskirche zu Kaiser und Kaiserin gekrönt. Es blieb für 92 Jahre die letzte Kaiserkrönung in Rom. Bei der Kaiserkrönung erneuerte Friedrich seinen Schwur, einen Kreuzzug durchzuführen. Im August des kommenden Jahres versprach er, zum Kreuzzug aufzubrechen.

Sicherung und Stabilisierung der Königsherrschaft auf Sizilien

Das beeindruckendste Bauwerk Friedrichs ist Castel del Monte. Es liegt mitten in der Landschaft Apulien und ist über weite Entfernung sichtbar.

Nach acht Jahren Abwesenheit kehrte Friedrich im Dezember 1220 nach Sizilien zurück. Am 20. Dezember 1220 hielt er in Capua einen Hoftag ab und erließ eine kleine Sammlung von 20 Gesetzen für das Königreich Sizilien, die als Assisen von Capua bekannt wurden. Ein Schwerpunkt der Assisen war das Thema „Über die Zerstörung neuer Bauten“ (De novis edificiis deruendis). Während Friedrichs Unmündigkeit und Abwesenheit hatte der sizilische Adel zahlreiche Festungen gebaut oder übernommen. Alle seit 1189 ohne königliche Einwilligung errichteten Burgen sollten nun eingezogen oder zerstört werden. Den Baronen untersagte Friedrich außerdem den Bau neuer Kastelle. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Assisen war ein absolutes Fehdeverbot für alle Untertanen. Es wurde somit die eigenmächtige Rache bei Unrecht verboten und vorgeschrieben, dass Recht vor dem Hofgericht oder den vom König in den Provinzen eingesetzten Gerichten gesucht werden sollte. Wenig später wurden die Assisen von Messina erlassen, in denen Gotteslästerung und Würfelspiel untersagt wurden. Juden und Prostituierte hatten sich außerdem durch besondere Kleidung zu kennzeichnen. 1224 erließ Friedrich – nicht auf Veranlassung des Papstes, sondern vermutlich auf Bitten der oberitalienischen Bischöfe – ein Ketzeredikt. Häretiker sollten mit dem Scheiterhaufen oder zur Abschreckung mit dem Verlust ihrer Zunge bestraft werden. Mit diesem Gesetz beabsichtigte Friedrich seine Herrschaft weiter durchzusetzen, es wurde aber auch die Autorität der oberitalienischen Bischöfe gegenüber den Stadtbewohnern gestärkt.[28]

Für die Umsetzung der Assisen war eine leistungsstarke Verwaltung notwendig. Für deren Aufbau wurde auch eine neue einheitliche Silberwährung (Denare) eingeführt, welche die Einbindung Süditaliens in den europäischen Wirtschaftsraum ermöglichte.[29] Unter Friedrichs Herrschaft wurde das Königreich Sizilien in Provinzen mit klar umrissenen Grenzen eingeteilt. Dies war in Europa eine bis zu diesem Zeitpunkt unbekannte Neuerung.[30] Friedrichs Provinzeinteilung blieb bis zur Einigung Italiens 1860 in Kraft.[31] Im Sommer 1224 gründete Friedrich eine Universität in Neapel. Es war die erste von einem Kaiser gegründete und von kirchlichem Einfluss unabhängige Universität in Europa.[32] Die Universitätsgründung sollte den Nachwuchs an kaisertreuen Fachleuten, vor allem an Juristen, im Königreich Sizilien gewährleisten und dies unabhängig vom stauferfeindlichen Bologna oder anderen oberitalienischen Rechtsschulen. Friedrichs sizilische Untertanen sollten künftig nur noch an dieser Universität studieren.

Zur Herrschaftsstabilisierung gehörte auch Friedrichs Kampf gegen die Muslime auf Sizilien. Diese lebten dort seit dem 9. Jahrhundert, doch hatte sich die Bevölkerungsstruktur seit Roger II. zum Vorteil des lateinisch-christlichen Bevölkerungsanteiles und zu Lasten der Muslime verändert; die Muslime hatten sich in den mittleren Westen der Insel in schwer zugängliche Höhlenburgen zurückgezogen. Durch Raubzüge einiger aufständischer Muslime entstanden Unruhen und Ausfälle an königlichen Einkünften. Daher ging Friedrich 1222 militärisch gegen sie vor. Die Muslime leisteten bis zum Frühjahr 1225 erheblichen Widerstand und Friedrich musste mehrmals zur Finanzierung des Krieges von seinen Untertanen eine Sarazenensteuer einfordern.[33] Zwischen 1224 und 1245 wurden Tausende sizilische Muslime in das über 800 Kilometer entfernte apulische Lucera deportiert, wo sie ungestört ihre Religion ausüben konnten. Friedrich gestand ihnen das Recht zur Religionsausübung, eine eigene Rechtsprechung und Selbstverwaltung zu. Die Muslime arrangierten sich mit der Situation, wurden treue Anhänger des Kaisers und dienten ihm als Soldaten und Hofpersonal. Mit Friedrichs Herrschaft endeten 1246 die arabische Besiedlung Siziliens und das Zusammenleben der christlichen und muslimischen Kulturen auf der Insel. Den Kampf gegen die Muslime nutzte Friedrich auch, um sich der Hochadligen zu entledigen, deren Gefolgschaft unsicher war. Die Grafen, die dem Kampf gegen die Muslime nachlässig nachgingen, wurden verhaftet und ihre Güter eingezogen.

Friedrich hielt sich ab 1220 überwiegend in Apulien und Kampanien auf. Bislang war Palermo Residenz der Könige von Sizilien gewesen, doch unter Friedrich wurde Foggia zum bevorzugten Aufenthaltsort. Von 1221 bis zu seinem Tod sind vierzig Aufenthalte dort belegt.[34] In Foggia begann Friedrich 1223 eine Palastanlage zu errichten, die 1225 fertiggestellt wurde. Von dieser Residenz sind heute nur noch ein Portal und eine Inschrift erhalten. Palermo besuchte Friedrich nach der Kaiserkrönung nur noch selten.[35]

Seine Herrschaft ließ Friedrich durch zahlreiche Bauwerke vergegenwärtigen und sichern. Nach neueren Forschungen sind im sizilischen Reich von dem Jahr der Kaiserkrönung 1220 bis zum Tod des Staufers 1250 287 Bauwerke ausgebaut oder neu errichtet worden.[36] Insbesondere in den 1230er Jahren wurden zahlreiche Bauten errichtet. Von 1232 bis 1242 wurde das Castello di Augusta und von 1234 bis 1240 das Castello Maniace in Syrakus erbaut. Die rege Bautätigkeit im Südwesten Siziliens könnte im Zusammenhang mit der Errichtung einer zweiten Residenz Friedrichs stehen.[37] Als faszinierendstes Bauwerk Friedrichs gilt das Castel del Monte, welches seine Bezeichnung jedoch erst 200 Jahre danach erhielt.[38] Es handelt sich um einen südwestlich von Andria auf einem Hügel errichteten achteckigen Kastellbau mit achteckigen Türmen, der nach 1240 erbaut worden sein muss. Unklar bleibt die Nutzung des Kastells. Vielfach sind Funktionen als Jagdschloss, Wehrbau, Repräsentationsbau oder Lieblingssitz des Kaisers erwogen worden. Für das Castel del Monte ist allerdings kein Aufenthalt Friedrichs nachgewiesen und auch für die anderen Nutzungsmöglichkeiten wurden zahlreiche Gegenargumente aufgeführt.[39] Möglicherweise knüpfte Friedrich mit der Achteckform des Kastells bewusst an die Aachener Marienkirche an.[40]

Die größte friderizianische Gründung außerhalb Siziliens ist die Burg von Prato. Sie befand sich an einer wichtigen Nord-Süd-Verbindung der Toskana über den Apennin und diente vor allem der Herrschaftsrepräsentation.[41] Zwischen 1234 und 1239 ließ Friedrich am Volturno das Brückentor von Capua errichten, das als Eingangspforte allen Reisenden bei der ersten größeren Stadt im Königreich Sizilien deutlich machte, wer in diesem die Macht innehatte. Das Brückentor gilt als eines der eindrucksvollsten Zeugnisse der mittelalterlichen Herrschaftsrepräsentation.[42] Friedrich ließ zwar Hunderte Kastelle bauen, jedoch mit der 1232 gegründeten Kathedrale von Altamura in Apulien nur eine Kirche gründen.[43]

Auseinandersetzungen mit den Kommunen

In Cremona berief Friedrich zu Ostern 1226 seinen ersten Hoftag in der Lombardei ein.[44] Die kaiserfreundliche Stadt war aber zugleich Hauptrivalin Mailands. Die Mailänder befürchteten daher Benachteiligungen bei der kaiserlichen Rechtsprechung auf dem Hoftag in Cremona und schürten die Angst vor einer übermächtigen Herrschaft des Staufers. Am 6. März 1226 erneuerte Mailand mit Bologna, Brescia, Mantua, Padua, Vicenza und Treviso den lombardischen Städtebund; Piacenza, Verona, Alessandria und Faenza schlossen sich dem Bündnis wenig später an. Verona blockierte die Alpenpässe und unterband dadurch den Zuzug von Friedrichs Sohn Heinrich und der Fürsten aus dem nördlichen Reichsteil nach Cremona. Die Städte verlangten, dass Friedrich für seinen Aufenthalt in der Lombardei auf die Ausübung seiner Rechtsprechung verzichte und nicht mehr als 1200 Pferde mitführe. Die Angst vor einem parteiisch richtenden Herrscher bestand bei den Kommunen bereits seit Friedrich Barbarossa.[45] Mailand erwartete bei Streitigkeiten mit Städten, die mit Friedrich II. verbündet waren, vor einem kaiserlichen Gericht keine gerechte Entscheidung.

Die Ausübung der Gerichtsbarkeit hatte für die Anerkennung und Repräsentation von Herrschaft hohe Bedeutung. Eine Ablehnung des Gerichtes missachtete daher den kaiserlichen Herrschaftsanspruch und verletzte den honor imperii et imperatoris.[46] Diese Ereignisse waren Ausgangspunkt für jahrzehntelange Konflikte. Die Bundesstädte verloren die kaiserliche Huld und wurden als Reichsfeinde geächtet. Friedrich erklärte den Konstanzer Frieden von 1183 für ungültig.

Ab 1226 bestimmte das päpstliche Schiedsverfahren Friedrichs Konflikt mit dem Bund. Der erste Schiedsspruch vom 5. Januar 1227 sah vor, dass der Bund als Entschädigung für die Beleidigung des Kaisers für den bevorstehenden Kreuzzug 400 Ritter stellen sollte. Dafür sollten die Lombarden wieder in die kaiserliche Huld aufgenommen werden. Für Friedrich hingegen war es unabdingbar, dass für die Wiederaufnahme in seine Huld durch symbolische Unterordnung Gehorsam und Unterordnung als Genugtuungsleistung sichtbar demonstriert wurden.[47] Nur durch das Ritual der deditio konnte dem Anspruch des Kaisers auf Wiederherstellung des verletzten honor imperii Genüge getan werden. Um den bevorstehenden Kreuzzug nicht durch einen Konflikt zu gefährden, stellte der Kaiser diese Forderung jedoch zurück.

Kreuzzug 1228/29

Friedrich II. (links) mit Sultan al-Kamil. Der Kaiser schließt mit dem Sultan den Vertrag von Jaffa ab. Giovanni Villani, Nuova Cronica, 14. Jahrhundert, Biblioteca Apostolica Vaticana, Rom Cod. Chigi LVIII 296, fol. 75r.
Hauptartikel: Kreuzzug Friedrichs II.

Die Neuordnung seines Königreiches hatte für Friedrich Priorität. Gleichzeitig erlitt die Kreuzzugsbegeisterung durch die Niederlage der Kreuzfahrer vor Damiette im Spätsommer 1221 einen erheblichen Rückschlag. Mehrfach verschob Friedrich den Aufbruch zum versprochenen Kreuzzug. Im März 1223 vereinbarten Kaiser und Papst bei einem Treffen den Aufbruch zum Kreuzzug auf Juni 1225. Zudem verpflichtete sich Friedrich, mit Isabella von Brienne die Erbin des Königreichs Jerusalem zu ehelichen, nachdem Friedrichs erste Frau Konstanze 1222 verstorben war. Durch die Hochzeit mit Isabella führte er von 1225 bis zu seinem Tod den Titel „König von Jerusalem“.[48] Nach dem Tod von Papst Honorius III. wurde am 19. März 1227 Kardinalbischof Hugolinus von Ostia als Gregor IX. zum Papst gewählt. Er zeigte sich gegenüber Friedrich weniger kompromissbereit als sein Vorgänger. Friedrich hatte sich im Juli 1225 durch den Vertrag von San Germano verpflichtet, spätestens im August 1227 aufzubrechen und die gesamte Finanzierung des Kreuzzugsunternehmens zu übernehmen. Für den Fall der Nichterfüllung dieser Verpflichtungen war im Vertrag die Exkommunikation des Kaisers vorgesehen. Den für August 1227 beschworenen Aufbruch zum Kreuzzug musste Friedrich jedoch wegen einer schweren Seuche erneut verschieben: Er stach zwar noch in See, ging aber zwei Tage später in Otranto wieder an Land. Viele starben an der Seuche, darunter auch der Landgraf Ludwig IV. von Thüringen; der Kaiser selbst erkrankte. Am 29. September 1227 verfiel Friedrich durch Papst Gregor IX., der die kaiserlichen Rechtfertigungen nicht anerkannte, wegen des gebrochenen Kreuzzugsversprechens der Exkommunikation.

Friedrich brach von Brindisi aus am 28. Juni 1228 mit 40 Schiffen zum Kreuzzug auf, ohne zuvor die Aussöhnung mit dem Papst gesucht zu haben. Bislang war es nicht vorgekommen, dass ein Herrscher trotz Exkommunikation in das Heilige Land aufbrach.[49] Friedrich hoffte durch einen Erfolg im Heiligen Land auch die Aufhebung des Kirchenbanns zu erreichen.[50] Die größten Kreuzfahrerkontingente zur Unterstützung Friedrichs stammten aus dem mitteldeutschen Raum (Hessen, Meißen, Thüringen) und aus den staufischen Hausmachtgebieten im Südwesten des Reiches (Schwaben, Elsaß und Burgund).[51] Seine Streitmacht umfasste etwa 1.000 Ritter und ungefähr 10.000 Streiter zu Fuß.[52]

Nach einem sechswöchigen Zwischenaufenthalt auf Zypern, wo die Lehnsoberhoheit des Reiches bekräftigt wurde, erreichte Friedrich am 7. September 1228 Akkon. Der Konflikt mit dem Papst hatte sein Kreuzfahrerheer gespalten. Templer und Johanniter verweigerten dem exkommunizierten Herrscher die Gefolgschaft. Auf der anderen Seite versuchte Sultan al-Kamil einen Kampf zu vermeiden, da ihm ein Krieg mit seinen Brüdern drohte. Die aufkommenden Gerüchte über den Einfall päpstlicher Truppen in das Königreich Sizilien setzten Friedrich unter zunehmenden Erfolgsdruck. Auf dem Verhandlungsweg gelang nach fünf Monaten mit dem Vertrag von Jaffa am 11. Februar 1229 eine Einigung mit dem Sultan. Ein zehnjähriger Waffenstillstand wurde geschlossen. Der Sultan trat mit Jerusalem, Bethlehem und Nazareth die wichtigsten Ziele der christlichen Pilger sowie einige weitere kleinere Orte an Friedrich ab. Allerdings blieb mit der Al-Aqsa-Moschee die Gründungsstätte des Templerordens bei den Arabern. Ebenfalls blieben der Tempelplatz mit dem Felsendom und die Dörfer in der Umgebung Jerusalems in muslimischer Hand. Friedrich demonstrierte seinen Herrschaftsanspruch, indem er sich am 18. März 1229 mit Krone und königlichen Gewändern in der Grabeskirche präsentierte. Im Gegensatz zur Annahme früherer Historiker verzichtete Friedrich als Exkommunizierter auf eine Selbstkrönung.[53] Am Krönungstag verschickte Friedrich ein Rundschreiben an den Papst, die Könige von England und Frankreich, an seinen Sohn Heinrich sowie an die Großen des Reiches, in dem er seinen Erfolg darlegte. Der Papst hob die Exkommunikation jedoch trotz Erfüllung des Kreuzzugsgelübdes nicht auf.

Neuordnung des Königreichs Sizilien

Die Augustalis Friedrichs II.
Bei der Belagerung der Stadt Faenza 1240 hatte Friedrich für die Bezahlung der Kriegsdienste keine Münzen mehr zur Verfügung. Stattdessen wurden mit dem Antlitz des Kaisers geprägte Lederstücke ausgegeben. Sie hatten den Wert von jeweils einer Augustale. Giovanni Villani, Nuova Cronica, 14. Jahrhundert, Biblioteca Apostolica Vaticana, Rom Cod. Chigi LVIII 296, fol. 77r.

Während Friedrichs Abwesenheit besetzten im Auftrag des Papstes Söldner große Teile des Königreichs Sizilien. Einige Städte nutzen Friedrichs Exkommunikation und Abwesenheit, um sich von seiner Herrschaft loszusagen und sich dem Papst zu unterstellen. Friedrich verließ das Heilige Land mit sieben Galeeren und landete am 10. Juni 1229 in Brindisi. Die päpstlichen Truppen wurden schnell zurückgeschlagen. Als Abschreckungsmaßnahme ließ Friedrich Sora (nördlich von Montecassino) und San Severo (bei Foggia) vollständig zerstören. Foggia, Troia, Casalnuovo, Larino und Civitate mussten Geiseln stellen und ihre Befestigungen niederreißen.[54]

Angesichts der Schwächung seiner Herrschaft auf Sizilien griff Friedrich durch Reform- und Gesetzgebungsmaßnahmen in die Strukturen des Königreiches ein. Im August 1231 wurden als grundlegendes Gesetzeswerk die Konstitutionen von Melfi verkündet, die oft auch lateinisch als Constitutiones Regni Siciliae und seit dem 19. Jahrhundert auch als Liber Augustalis („Buch des Kaisers“) bezeichnet werden.[55] Die Konstitutionen von Melfi gliedern sich in 219 Einzelgesetze in drei Büchern und sind die erste weltliche Rechtskodifikation des Mittelalters.[56] Mit Ausnahme einzelner Bestimmungen blieben die Gesetze bis in die Zeit Napoleons geltendes Recht auf Sizilien und in Unteritalien.[57] Die Aufgaben und Rechte, die die Konstitutionen von Melfi für die Amtsträger in den Provinzen festlegten, entsprachen aber nur selten den in der Realität ausgeübten Tätigkeiten. Selbst oberste Provinzbeamte hatten sich um die Musiker für den kaiserlichen Hof oder arbeitsscheue Dienerinnen zu kümmern.[58] Ebenfalls im Jahr 1231 wurden die Augustalen (Goldmünzen) geprägt. Goldmünzen galten nicht nur als Mittel der Thesaurierung und des Fernhandels, sondern dienten auch der Herrschaftsrepräsentation. Auf der Vorderseite wird Friedrich mit Lorbeerkranz abgebildet und auf der Rückseite erscheinen ein Adler und der Namenszug + FRID-RICVS. Ungefähr eine Million Goldmünzen wurden zwischen 1231 und 1250 in Umlauf gebracht.[59]

Aussöhnung mit dem Papst

Bei den seit November 1229 beginnenden Friedensverhandlungen zwischen Kaiser und Papst spielte der künftige Status Gaetas eine wesentliche Rolle. Gregor IX. hatte der papstfreundlichen Stadt während Friedrichs Abwesenheit auf dem Kreuzzug versprochen, dass sie künftig keiner anderen Herrschaft und Macht unterworfen sein werde. Dadurch wurde aber auch Friedrichs Machtanspruch in seinem sizilischen Erbreich ignoriert und durch die Ermordung des kaiserlichen Boten nochmals herausgefordert.[60] Im Frieden von San Germano am 28. August 1230 wurde maßgeblich durch die Vermittlungsbemühungen des Deutschordens-Hochmeisters Hermann von Salza der Konflikt mit dem Papst beigelegt. Am 2. September empfing der Papst Friedrich in seinem Elternhaus in Anagni. Durch ein gemeinsames Mahl als Akt demonstrativer Vertraulichkeit wurde die Aussöhnung öffentlich gemacht.[61] Die Gaeta-Frage war zu diesem Zeitpunkt zu Gunsten des Kaisers wohl bereits geklärt. Durch Herauszögern und lange ausbleibende Lösungen wollte Friedrich aber den Papst öffentlich desavouieren; erst im Juni 1233 willigte er in eine Lösung ein.[62]

Konfrontation mit dem Lombardenbund

Die zweite Phase der Auseinandersetzung mit dem Lombardenbund begann mit der kaiserlichen Ankündigung, am 1. November 1231 in Ravenna einen Hoftag abzuhalten. Daraufhin sperrte der Lombardenbund erneut die Alpenpässe und verhinderte dadurch den Zuzug der deutschen Fürsten zum Kaiser. Am 14. Januar 1232 erneuerte Friedrich den Bann über die Liga. Es wurde daraufhin ein zweites päpstliches Schiedsverfahren eingeleitet. Friedrich erwartete die demonstrative Anerkennung seiner Herrschaft durch Unterwerfung, oder der Bund sollte sich einem förmlichen Gerichtsverfahren vor dem Kaiser als Richter stellen. Dem stand aber die seit Friedrichs Großvater Friedrich „Barbarossa“ notorische Parteilichkeit des kaiserlichen Gerichts entgegen. Sie bildete eine erhebliche Strukturschwäche in der Herrschaftsausübung südlich der Alpen gegenüber den untereinander verfeindeten Kommunen.[63] Das Schiedsverfahren des Papstes war mehr auf Ausgleich und Gleichbehandlung der Parteien ausgelegt. Der zweite Schiedsspruch fiel mit der Bereitstellung von 500 Rittern nicht viel anders aus als der erste. Friedrich klagte daraufhin, der Schiedsspruch habe ihm für die erlittenen Beleidigungen keine angemessene satisfactio (Genugtuung) verschafft.[64] Die verletzte Ehre von Kaiser und Reich konnte nur durch symbolische Unterwerfung in größtmöglicher Öffentlichkeit wiederhergestellt werden.[65]

Konflikt mit Friedrichs Sohn König Heinrich (VII.)

Das Handeln von Friedrichs Sohn Heinrich im nordalpinen Reich war ganz auf die Wahrung des königlichen honor (Ehre) ausgerichtet.[66] Friedrich hingegen wollte seine patria potestas, die väterliche Gewalt über den Sohn, wahren und erwartete unbedingten Gehorsam.[67] Seine Herrschaft im Reich nördlich der Alpen konnte Friedrich gegen seinen damaligen Rivalen Otto IV. nur mit Unterstützung der Fürsten durchsetzen und ihnen hatte er auch das Kaisertum zu verdanken. Er musste also mit den Großen den Konsens für seine Handlungen suchen. Für Heinrich wurde zwar eine eigene Kanzlei eingerichtet und ein eigenes Siegel geschaffen, jedoch konnte dieser seine Königsherrschaft im Reich nördlich der Alpen nicht unabhängig von seinem Vater gestalten. Die Fürsten wandten sich bei Konflikten mit Heinrich direkt an Friedrich. Vom Süden aus mischte sich Friedrich wiederholt in Angelegenheiten des Reiches nördlich der Alpen ein und missachtete dadurch den königlichen honor seines Sohnes. Heinrich wurde in seinem eigenen Königreich von seinem Vater zu einem bloßen Befehlsempfänger herabgesetzt. Diese Problematik führte zum Konflikt zwischen Vater und Sohn und zur Absetzung Heinrichs.

Das Statutum in favorem principum (Würzburger Ausfertigung)

Im April 1232 trafen Heinrich und Friedrich auf einem Hoftag im oberitalienischen Cividale del Friuli erstmals nach zwölf Jahren wieder zusammen.[68] Einen Monat später bestätigte Friedrich auf einem Hoftag in Cividale den Fürsten das als Statutum in favorem principum (Statut zu Gunsten der Fürsten) bekannte große Privileg. Das Statutum in favorem principum war mit dem Privileg Confoederatio cum principibus ecclesiasticis vergleichbar: Beide Privilegien bekräftigten den Fürsten zahlreiche Vorrechte, die sie bereits vorher besessen hatten.[69] Heinrich musste nach einigen kontroversen Entscheidungen, die die Fürsten im Reich benachteiligt hatten, einen Eid schwören, künftig den väterlichen Befehlen Gehorsam zu leisten. Die anwesenden Großen schworen ihrerseits, dass sie künftig ihre Treubindung an Heinrich als gelöst erachten würden, sobald ihnen Friedrich einen Eidbruch seines Sohnes anzeige.[70]

Heinrich geriet schon bald durch seine Anhänger in regionale Konflikte mit dem Markgrafen Hermann V. von Baden, einem Getreuen Friedrichs II. Hermann unterbreitete im November 1234 am Hof des Kaisers in Süditalien seine Klagen über die Benachteiligungen durch Heinrich, woraufhin Friedrich schriftlich die Handlungen seines Sohnes widerrief. Diese Widerrufsbriefe brachten Heinrich einen erheblichen Verlust an Ansehen und Würde in der Öffentlichkeit, sodass er seine traditionellen Aufgaben als Herrscher kaum noch ausüben konnte. Heinrich meinte den königlichen honor gegenüber seinem Vater verteidigen zu müssen.[71] Er bemühte sich daher um Anhänger und Verbündete, die seine Position gegenüber Friedrich verbessern sollten. Zu diesem Zweck ging er ein Bündnis mit den lombardischen Kommunen ein. Dieser Schritt wird vielfach von Historikern als Hochverrat angesehen.[72] Als Fürsprecher schickte Heinrich die Kirchenmänner Siegfried von Mainz und Ekbert von Bamberg zu Friedrich. Sie sollten Heinrichs Sichtweise und die Bereitschaft des Königs, sich dem Kaiser zu unterwerfen, darlegen. In dieser Situation brach ein Konflikt zwischen Heinrich und Worms aus. Die Stadt verweigerte Heinrich den Einlass und die Huldigung und erwies ihm dadurch nicht den ihm gebührenden königlichen honor. Heinrich belagerte die Stadt vergeblich. Den Wormser Bürgern gelang es dagegen, Friedrich eine Verletzung des honor imperii durch seinen Sohn aufzuzeigen.[73]

Aufenthalt im nordalpinen Reichsteil (1235–1237)

Sturz König Heinrichs und Friedrichs dritte Heirat

Heirat Kaiser Friedrich II. mit Isabella von England. (Darstellung aus der Chronica Maiora des Matthew Paris, um 1250, London, British Library, MS Royal 14 C VII, fol. 123v)

Friedrich brach im April 1235 von Süditalien in den nordalpinen Reichsteil auf. Sein Konflikt mit seinem Sohn und der Aufstand der Römer zwangen Kaiser und Papst 1234 zu engerer Zusammenarbeit. Auf Betreiben Gregors war Heinrich VII. vom Erzbischof von Salzburg exkommuniziert worden. Außerdem rief der Papst zur Unterstützung Friedrichs auf und erklärte die einst Heinrich geleisteten Treueide für ungültig.[74] An der Beilegung des Konfliktes war der Hochmeister des Deutschen Ordens, Hermann von Salza, maßgeblich beteiligt. Er bewog den Sohn dazu, sich dem Vater zu unterwerfen. Heinrich erschien im Juli 1235 in der Königspfalz Wimpfen (nördlich von Heilbronn) und verzichtete als Zeichen seiner Unterordnung auf jede öffentliche Demonstration seines königlichen Ranges. Heinrich erwartete von der Unterwerfung nicht nur die kaiserliche Gnade wiederzuerlangen, sondern auch seinen königlichen honor (Ehre) zu wahren. In Wimpfen bemühte sich Heinrich vergeblich um die Huld Friedrichs. Friedrich ließ seinen Sohn vielmehr nach Worms kommen, also in die Stadt, die Heinrich kurz zuvor den härtesten Widerstand geleistet hatte. Heinrich erschien im Juli in Worms vor seinem Vater und unterwarf sich ihm in Anwesenheit der versammelten Großen, um seine gratia (Gnade) wiederzugewinnen. Friedrich ließ ihn lange ausgestreckt in demütigender Haltung auf dem Boden liegen. Erst auf Fürsprache der Fürsten durfte sich Heinrich erheben. Nach dem Unterwerfungsritual (deditio) erhielt er jedoch keine Gnade, sondern verlor Amt und Würden. In den kommenden sieben Jahren wurde er in verschiedenen süditalienischen Kerkern untergebracht, im Februar 1242 starb er als Gefangener. Nach einer netzwerktheoretischen Analyse von Robert Gramsch (2013) hat Friedrich II. nicht aus Rücksicht auf die Fürsten und zur Wiederherstellung der Ordnung im Reich seinen Sohn abgesetzt und bis zum Lebensende einkerkern lassen, sondern er wollte die gesamte Herrschaftsgewalt auf sich vereinen. Heinrich sei nicht am Dissens der Fürsten gescheitert, vielmehr habe er eine erfolgreiche Balancepolitik zwischen den einzelnen Reichsfürsten und fürstlichen Gruppierungen praktiziert.[75]

Heinrich war als römisch-deutscher König mit den nördlich der Alpen herrschenden Traditionen des Konfliktverhaltens aufgewachsen; Friedrichs harte, unbeugsame Haltung hingegen entsprach der Mentalität im normannischen Königreich. Im Reich nördlich der Alpen wurden seit der Ottonenzeit Streitigkeiten mit rituellen Unterwerfungen gütlich beigelegt.[76] Im Königreich Sizilien ging es weniger um Ausgleich mit den Adligen, sondern der Herrscher musste unnachgiebig seinen uneingeschränkten Machtanspruch durchsetzen. Nach dieser Sichtweise führte nur erbarmungslose Härte zu Frieden und Stabilität.[77] Die kaiserliche Strenge versuchte Matthäus Paris damit zu rechtfertigen, dass der Sohn in dieser Situation die Ermordung des Vaters geplant habe.[78]

Ebenfalls in Worms fand einige Tage nach Unterwerfung des Sohnes am 15. Juli Friedrichs Hochzeit mit Isabella, der Schwester des englischen Königs Heinrich III., statt. Seine zweite Frau Isabella von Brienne war 1228 verstorben. An den prächtigen Hochzeitsfeierlichkeiten in Worms nahmen vier Könige, elf Herzöge und dreißig Grafen und Markgrafen teil.[79]

Mainzer Hoftag 1235

Kaiser Friedrich II. im Text des Mainzer Reichslandfriedens. Ausschnitt aus der Dresdner Bilderhandschrift des Sachsenspiegels, um 1350, Dresden, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek, Mscr. Dresd. M. 32, fol. 1r.

Unmittelbar nach den Ereignissen in Worms fand im August 1235 ein prächtiger Hoftag in Mainz statt. Dort beschlossen Friedrich und die Fürsten einen Landfrieden, der die in den letzten Jahren gestörte Ordnung wiederherstellen sollte. Der Mainzer Landfriede wurde zum ersten Mal überhaupt in deutscher Sprache bekannt gemacht.[80] Er brachte einen Ausbau der Gerichtsstrukturen und eine Neustrukturierung des Hofgerichts nach sizilischem Vorbild. An der Spitze des neuen Hofgerichts stand ein Hofrichter von freiem Stand. Erstmals wurden durch den Mainzer Landfrieden im römisch-deutschen Reich Hofrichter eingesetzt. Diese Neuerung war insofern bedeutsam, als dem Herrscher bislang die höchste Gerichtsbarkeit alleine zukam. Der Hofrichter hatte jedoch noch keinen festen Standort, sondern musste sich am Reisekönigtum des Herrschers orientieren.[81] Die Wirkung des neuen Reichshofgerichts blieb zunächst bescheiden, doch wurde diese Institution von Rudolf von Habsburg wieder aufgegriffen.[82]

In Mainz wurde auch der seit der Absetzung Heinrichs des Löwen im Jahr 1180 schwelende Streit zwischen den Staufern und Welfen bereinigt. Bereits Friedrichs eheliche Verbindung mit Isabella aus dem englischen Königshaus, das den Welfen nahestand, hatte den Ausgleich vorbereitet. Otto das Kind, Enkel Heinrichs des Löwen, wurde in Mainz zum Herzog von Braunschweig und Lüneburg erhoben. Der Welfe musste sich mit gebeugtem Knie vor dem Kaiser erniedrigen und sein Eigengut übereignen, bevor er von Friedrich zum Reichsfürsten erhoben wurde.[83] Auf dem Mainzer Hoftag beklagte sich Friedrich auch über die Verletzungen des honor imperii durch den Lombardenbund. Die Fürsten waren durch die von den Lombarden seit langer Zeit begangenen Beleidigungen gegen das Reich so erregt, dass sie aus eigenem Antrieb zur Rache und zur Wiederherstellung der Autorität des Reichs eine Heerfahrt gegen den Lombardenbund beschlossen.[84]

Auftreten in Marburg und Konsequenzen aus dem Fuldaer Judenmord 1236

Am 1. Mai 1236 erschien Friedrich in grauer Tunika und barfuß in Marburg am Grab Elisabeths von Thüringen und beteiligte sich an der feierlichen Erhebung ihrer Gebeine. Gregor IX. hatte Elisabeth ein Jahr zuvor in Perugia heiliggesprochen. Solche öffentlichen symbolischen Handlungen sollten Anforderungen und Verpflichtungen des Herrschers verdeutlichen. Mit der Barfüßigkeit und durch sein Büßergewand demonstrierte Friedrich seine Bereitschaft zur humiliatio (Selbsterniedrigung). Als Beleg für die persönliche Frömmigkeit des Herrschers können solche symbolischen Handlungen jedoch kaum dienen.[85]

Im Herbst 1235 erneuerte Friedrich eine Urkunde von März 1226 für den Deutschen Orden (die sogenannte Goldbulle von Rimini). Damit bestätigte er dem Orden die Herrschaft über das Kulmer Land. Der Hochmeister des Ordens und seine Nachfolger wurden durch Landesherrschaft und Gerichtsbarkeit den Reichsfürsten gleichgestellt.[86]

Während seines Aufenthaltes nördlich der Alpen wurde Friedrich in seiner elsässischen Pfalz in Hagenau auch mit dem Fuldaer Ritualmordvorwurf von 1235 konfrontiert. Seit dem 13. Jahrhundert kamen in Europa zunehmend Ritualmordlegenden auf. Juden wurde vorgeworfen, christliche Kinder zu töten und deren Blut für rituelle Zwecke zu nutzen. Die Bürger aus Fulda brachten dem Kaiser einige Kinderleichen mit nach Hagenau und forderten weitere Strafmaßnahmen gegen die Juden. Als Reaktion hatten die Fuldaer Bürger bereits in einem Pogrom 30 Juden ermordet. Eine Beratung mit den versammelten Großen brachte kein Ergebnis. Friedrich bat daraufhin aus England, Frankreich und Spanien zum Christentum konvertierte jüdische Gelehrte an seinen Hof zu entsenden. Diese Expertenkommission entkräftete die gegen die Juden erhobenen Vorwürfe. Mit Zustimmung der Fürsten wurden die Juden in einer auf dem Hoftag zu Augsburg vom Juli 1236 erlassenen Urkunde freigesprochen. Sie wurden als „Knechte unserer Kammer“ (servi camere nostri) bezeichnet und mussten für den kaiserlichen Schutz zahlen.[87]

Königswahl Konrads IV. und Sieg von Cortenuova 1237

Die Abbildung Giovanni Villanis zeigt die Erbeutung des Mailander Carroccios nach der Schlacht von Cortenuova 1237. Giovanni Villani, Nuova Cronica, 14. Jahrhundert, Biblioteca Apostolica Vaticana, Rom, Codex Chigi LVIII 296, fol. 76v.

Im Februar 1237 wurde in Wien Konrad, Friedrichs Sohn aus der Ehe mit Isabella von Brienne, zum König gewählt. Eine Krönung Konrads in Aachen unterblieb aber nach Friedrichs Erfahrungen mit Heinrich (VII.). Der Aufenthalt in Österreich stand auch im Zusammenhang mit dem Konflikt um Herzog Friedrich II. von Österreich (den Streitbaren). Friedrich hatte zuvor mehrere Beschwerden gegen Herzog Friedrich entgegengenommen. Der Herzog erschien jedoch weder auf dem Hoftag in Augsburg im Oktober 1235 noch auf dem Hoftag in Hagenau im Januar 1236 zu Verhandlungen über die gegen ihn vorgebrachten Beschwerden. Der Ladungsungehorsam war eine Verletzung des honor imperii. Herzog Friedrich wurde im Juli 1236 auf dem Augsburger Hoftag durch Fürstenurteil geächtet. Im Konflikt mit dem Herzog wurde der Staufer offenbar „zum Getriebenen der Fürsten“. 1236 musste Friedrich den Reichsfürsten für ihre Unterstützung schriftlich zusichern, dass er nur mit ihrem Konsens Frieden oder Übereinkunft (concordia) mit dem Babenberger schließen werde. Die Selbstbindung des Herrschers macht das Ausmaß seiner Abhängigkeit von der Zustimmung wichtiger Reichsfürsten deutlich.[88] 1240 kam es zum Ausgleich. Bis zu seinem Tod 1246 blieb der Herzog einer der treuesten Anhänger des Kaisers.[89]

Im August 1237 sammelte sich in Augsburg das Heer zum Aufbruch nach Italien. Im September verließ Kaiser Friedrich den nördlichen Reichsteil für immer. Sein neunjähriger Sohn Konrad blieb als gewählter König zurück. Wegen Konrads Unmündigkeit unterstützten ihn der Mainzer Erzbischof Siegfried III., der thüringische Landgraf Heinrich Raspe und der Böhmenkönig Wenzel I. Am 27. und 28. November 1237 erlitt Mailand erhebliche Verluste in der Schlacht von Cortenuova (südöstlich von Bergamo). Außerdem verlor Mailand seinen Fahnenwagen (Carroccio), das wichtigste Herrschaftszeichen der Kommune. Der Fahnenwagen wurde bei einem Triumphzug durch Cremona und nach Rom geführt. Eine Einigung mit Mailand scheiterte an der kaiserlichen Forderung nach bedingungsloser Unterwerfung und an der Parteilichkeit des kaiserlichen Gerichtes. Mailand hatte sich bereits 1162 bedingungslos Friedrich „Barbarossa“ unterworfen und war daraufhin von den kaiserfreundlichen Städten Pavia und Cremona zerstört worden. Diese Städte hatten den Kaiser in erheblichem Ausmaß unterstützt, daher musste „Barbarossa“ bei den Friedensbedingungen Rücksicht auf die Erwartungen seiner Verbündeten und Getreuen nehmen.[90] Die Erinnerung an die Zerstörung 1162 war durch Reliefs an Mailands Stadttoren und durch die kommunale Geschichtsschreibung präsent. Wegen des Misstrauens gegenüber dem Unterwerfungsritual (deditio) und fehlenden persönlichen Bindungen zwischen den Konfliktparteien konnte kein Vertrauen durch symbolische Gesten erreicht werden. Die Einigung zwischen Mailand und Friedrich II. musste daher scheitern.[91] Mailand schätzte den Schaden durch weiteren Widerstand geringer ein als den durch eine Unterwerfung. Der Stadt verblieben die Verbündeten Bologna, Brescia, Faenza und Piacenza. Es gelang Friedrich im Herbst 1238 nicht, den Widerstand des Lombardenbundes in Brescia zu brechen. Im Oktober zog sich Friedrichs Heer nach Cremona zurück.

Ezzelino da Romano, einem Parteigänger Friedrichs, gelang es hingegen Vicenza und Verona zu erobern. Zudem fiel Pietro Tiepolo, ein Sohn des venezianischen Dogen Jacopo Tiepolo, in der Schlacht von Cortenuova als Podestà von Mailand in die Gefangenschaft des Kaisers. Venedig verhielt sich nun neutral. 1242 heiratete der Doge Valdrada, eine Tochter Tankreds von Sizilien.[92]

Kultur, Wissenschaft und Falknerei am Hof Friedrichs

König Konradin, der Enkel Friedrichs II., lässt bei der Beizjagd mit seinem Freund Friedrich, Markgraf von Baden, einen Falken steigen. Codex Manesse, Heidelberg, Universitätsbibliothek, Codex Pal. Germ. 848, fol. 7r.

Seit dem 12. Jahrhundert entwickelte sich der Hof zu einer zentralen Institution königlicher und fürstlicher Herrschaft. Zum festen Hofpersonal gehörten etwa 200 Personen.[93] Der Erzbischof von Palermo, Berard von Castagna, der Hochmeister des Deutschen Ordens Hermann von Salza und der später gestürzte Kanzler Petrus de Vinea hielten sich als enge Vertraute über Jahre in der Umgebung des kaiserlichen Hofes auf und standen Friedrich bei seinen politischen Entscheidungen beratend zur Seite.[94]

Der wichtigste Bestandteil des Hofes war die Kanzlei, die für die Ausstellung der Urkunden zuständig war. Aus der Herrschaftszeit Friedrichs sind etwa 2700 Urkunden bekannt.[95] Die Kanzlei wurde als „Sprachrohr kaiserlichen Willens“ aufgefasst, da die dort verfassten Texte die Selbststilisierung des Kaisers widerspiegelten.[96] Die Kanzleitätigkeit verdeutlicht die gemeinsame Regierung von König und Fürsten. In den Einleitungen (Arengen) der Urkunden Friedrichs wird auf den gegenseitigen Nutzen gemeinsamer Entscheidungen von König und Fürsten verwiesen.[97] Für wesentliche politische Entscheidungen versammelte Friedrich auf Hoftagen die wichtigsten geistlichen und weltlichen Großen. Die Hoftage galten im 12. und 13. Jahrhundert als „bedeutendste politische Verdichtungspunkte“ im Reich.[98] Sie repräsentierten nicht nur das Reich in seiner Gesamtheit, sondern machten auch die Rangordnung der jeweiligen Fürsten deutlich.

Der Hof war nicht nur politischer, sondern auch kultureller Anlaufpunkt. Am Hof Friedrichs sammelten sich christliche, muslimische und jüdische Gelehrte. Aus diesen Gründen wurde sein Hof in der Mediävistik als „Drehscheibe des Kulturtransfers“ bezeichnet.[99] Der wichtigste wissenschaftliche Berater und Übersetzer für arabische philosophische Texte war am Hof der Schotte Michael Scotus. Sein Liber Introductorius (Buch der Einführung) gehört zu den bedeutendsten Werken, die am Hof Friedrichs entstanden. Das Interesse des Kaisers galt auch der Mathematik. Diskussionen über mathematische Probleme führten am Hof der Mathematiker Johannes von Palermo und der Hofarzt Theodor von Antiochia. Auch der bedeutende Mathematiker Leonardo da Pisa kam mit Friedrich zusammen; im Juli 1226 diskutierte er mit ihm über Probleme der Arithmetik.[100] Am Hof Friedrichs versammelte sich auch ein Kreis von Dichtern. Neben Friedrich selbst und seinen Söhnen Manfred, Enzio und Friedrich von Antiochia gehörten Jakob von Morra, Arrigo Testa, Jakob Mostacci, Giacomo da Lentini, Guido delle Colonne, Rainald von Aquino und Petrus de Vinea der so genannten Sizilischen Dichterschule an. Von den 320 am Hof entstandenen und noch erhaltenen Gedichten sind mehr als die Hälfte anonym überliefert.[101] In diesem Umfeld entstanden nicht nur neue Gedichte, sondern auch durch Giacomo da Lentini das aus vierzehn elfsilbigen Versen bestehende Sonett als völlig neue lyrische Form.[102] Friedrichs Interesse für Medizin und die Naturwissenschaften schlug sich auch in der Realität nieder. Der Kaiser erließ Gesetze gegen Luft- und Wasserverschmutzungen sowie eine Approbationsordnung für Ärzte und Apotheker.[103]

Seine bevorzugte Freizeitbeschäftigung war die Falkenjagd. Wohl kein anderer mittelalterlicher Herrscher hat sich so sehr für die Jagd mit Falken begeistert wie Friedrich II.[104] Zeitweise standen bis zu 50 Falkner in Friedrichs Diensten.[105] Die Jagd mit abgerichteten Falken oder Habichten war aber nicht nur höfisches Statussymbol oder bloßer Zeitvertreib, sondern für Friedrich eine Wissenschaft. Er ließ dazu die Literatur zur Vogelkunde herbeischaffen. Die arabische Jagdliteratur ließ er ins Lateinische übersetzen. Zahlreiche muslimische Falkner aus Ägypten und Arabien zog der Kaiser an seinen Hof. Angeregt durch den Kontakt mit Sarazenen führte Friedrich die Falkenhaube in die abendländische Falknerei ein und entwickelte sie weiter. Eine weitere Innovation lag in der Verwendung von Geparden für die Beizjagd.[106]

Unter Friedrich II. erreichte die didaktische Jagdliteratur einen Höhepunkt. In seinem letzten Lebensjahrzehnt verfasste der Kaiser sein Buch De arte venandi cum avibus („Über die Kunst mit Vögeln zu jagen“).[107] Das Falkenbuch beschreibt verschiedene Ansätze bei Fang und Zähmung von Falken. Außerdem schildert es Experimente, die wissenschaftliche Fragen klären sollten. Einem Falken wurden die Augen zugenäht, um herauszufinden, ob diese Raubvögel Fleisch mit dem Geruchssinn oder optisch wahrnehmen. Ein anderer Versuch sollte klären, ob Straußeneier durch die Kraft der Sonne ausgebrütet werden können. Über einhundert Vogelarten werden beschrieben, einige davon zum ersten Mal. Das Werk ist eine äußerst wichtige Quelle für die Zoologie im 13. Jahrhundert.[108] Bei Friedrichs Tod war das Buch noch nicht fertiggestellt. Sein Sohn Manfred war ebenfalls ein begeisterter Falkner und setzte die Arbeit fort. Bereits im 13. und 15. Jahrhundert erfuhr das Werk (Teil)-Übersetzungen ins Französische. Ein weiteres wichtiges Buch über die Falkenjagd ist der sogenannte Moamin. Beim Moamin handelt es sich um zwei arabische Falknereitraktate aus dem 8. und 9. Jahrhundert. Friedrich gab die Übersetzung aus dem Arabischen ins Lateinische 1240 seinem Arzt Theodor von Antiochia in Auftrag und nahm selbst umfangreiche Ergänzungen vor, so dass von einem zweiten Falkenbuch des Kaisers gesprochen wird.[109]

Neben dem multikulturellen Personal seines Gefolges sorgten auch die exotischen Tiere für Staunen bei seinem Besuch im Reich nördlich der Alpen. Nach Umfang und Vielfalt von Tierarten war Friedrichs Menagerie bis dahin in Europa einzigartig.[110] Die Zurschaustellung von Tieren auf Reisen war hingegen keine Innovation Friedrichs, sondern hatte mit Thomas Becket oder vielleicht auch Heinrich I. von England historische Vorläufer.[111]

Friedrichs Wissbegierde verursachte zahlreiche falsche Gerüchte über Experimente an Menschen: Neugeborene habe er isoliert, um die Ursprache herauszufinden (nach Salimbene von Parma). Zwei Menschen habe er eine Mahlzeit einnehmen lassen, dann den einen auf die Jagd und den anderen zum Schlafen geschickt und schließlich beide umbringen und ihre Bäuche aufschneiden lassen, um herauszufinden, wer besser verdaut habe. Einen zum Tode Verurteilten habe er in einem Weinfass sterben lassen, um zu sehen, ob bei dessen Ableben die Seele entweiche. Diese Geschichten sollten jedoch nicht Friedrichs Wissbegierde unterstreichen, sondern ihn als Ketzer entlarven.[112]

Frauen und Kinder

Die Hochzeit Friedrichs II. mit Isabella von Brienne. Rechts neben der Braut steht Johann von Brienne, König von Jerusalem. Giovanni Villani, Nuova Cronica, 14. Jahrhundert, Rom, Biblioteca Apostolica Vaticana, Codex Chigi LVIII 296, fol. 74r.

Friedrich hatte mit mindestens 13 Frauen wenigstens 20 Kinder.[113] Einige Nachrichten über Affären des Kaisers dürften aber der päpstlichen Propaganda geschuldet sein, die ihn als Wüstling und daher für die Herrschaft ungeeignet darstellte.[114] Friedrichs erste Ehe mit Konstanze von Aragón vermittelte Papst Innozenz III. Die Ehe wurde im August 1209 in Palermo in Anwesenheit beider Brautleute geschlossen. Konstanze war in erster Ehe mit dem 1204 verstorbenen König Emmerich von Ungarn verheiratet gewesen. Aus der Verbindung mit Friedrich ging als einziges Kind 1211 Heinrich (VII.) hervor. Nach Friedrichs Aufbruch 1212 in das Reich nördlich der Alpen blieb seine Frau in Palermo und übte die Regentschaft für den einjährigen Sohn Heinrich aus. Nach vierjähriger räumlicher Trennung holte Friedrich 1216 Konstanze und Heinrich in den nordalpinen Reichsteil. Dort verbrachte sie die überwiegende Zeit wohl im elsässischen Hagenau.[115] 1220 wurde sie zur Kaiserin gekrönt. Am 23. Juni 1222 starb Konstanze nach dreizehn Ehejahren in Catania. Die hohe Wertschätzung für seine erste Frau zeigt ihre prunkvolle Grablege im Dom zu Palermo. Bei Friedrichs künftigen Ehefrauen ging deren Herrschaftsteilhabe deutlich zurück. Auch Mitkrönungen fanden nicht statt.[116]

Neben seiner Ehe mit Konstanze hatte Friedrich mehrere Affären. Etwa zur Zeit von Heinrichs Geburt zeugte er mit einer sizilischen Adligen einen weiteren Sohn mit Namen Friedrich von Pettorano, der später ein Kastell in den Abruzzen erhielt. Aus einem Verhältnis mit einer um 1194 oder 1195 geborenen schwäbischen Adligen Adelheid, einer Tochter Konrads von Urslingen, des Herzogs von Spoleto, gingen zwei Kinder hervor, der um 1215 oder 1216 geborene Enzio (Heinrich) und die zwischen 1216 und 1218 geborene Katharina. Enzio wurde mit Adelesia von Sardinien verheiratet. Er geriet 1249 in Gefangenschaft und starb 1272 als Gefangener der Stadt Bologna. Nach dem Tod Konstanzes heiratete der mittlerweile dreißigjährige Kaiser mit der knapp vierzehn Jahre alten Isabella von Brienne die Thronfolgerin des Königreiches Jerusalem. Die Ehe wurde wohl von Papst Honorius III. angeregt und vom Deutschordensmeister Hermann von Salza vermittelt. Die Verbindung sollte Friedrichs Kreuzzugsgelübde festigen. Die Trauung erfolgte am 9. November 1225 im Dom Santa Maria del Casale zu Brindisi. Eine 1226 geborene Tochter verstarb früh. Nach nur zweieinhalb Jahren starb Isabella 1228 an den Folgen der Geburt des gemeinsamen Sohnes Konrad IV., der später römisch-deutscher König wurde.

In den 1220er Jahren hatte Friedrich mehrere uneheliche Kinder gezeugt. Einer Beziehung mit einer sizilischen Adligen entstammte der Sohn Friedrich von Antiochia. Unbekannt sind die Mütter der Kinder Richard, Salvaza, Margarete und vielleicht noch weiterer; genannt werden auch ein Sohn Gerhard und eine Tochter namens Blanchefleur.[117] Wohl in der zweiten Hälfte der 1220er Jahre ging Friedrich ein Verhältnis mit Bianca Lancia ein, die aus einer piemontesischen Markgrafenfamilie stammte. Mit ihr hatte er drei Kinder. Das älteste war die um 1230 geborene Tochter Konstanze, die um 1241 den byzantinischen Kaiser Johannes Vatatzes heiratete. 1232 kam der Sohn Manfred zur Welt. Er trat 1254 die Nachfolge als König von Sizilien an. Das dritte Kind war wohl Violante, die um 1233 geboren wurde. Sie wurde mit dem Grafen Richard von Caserta vermählt.

Die dritte eheliche Verbindung ging der mittlerweile vierzigjährige Friedrich 1235 in Worms mit der einundzwanzigjährigen Isabella von Plantagenet ein. Sie war die Schwester König Heinrichs III. von England und Tochter des verstorbenen englischen Königs Johann Ohneland. Isabella brachte zahlreiche Reichtümer in die Ehe ein. Die Mitgift belief sich auf die enorme Summe von etwa sieben Tonnen Silber.[118] Nach der Hochzeit verschwand Isabella aus der Öffentlichkeit. Matthäus Paris behauptet, Friedrich habe „die Kaiserin mehreren maurischen Eunuchen und ähnlichen alten Ungetümen zur Obhut“ gegeben.[119] Mit Isabella hatte Friedrich etwa Ende 1236 eine Tochter namens Margarete und einen Sohn, den im Februar 1238 geborenen Heinrich (auch Carlotto oder Zarlotto genannt). Isabella verstarb möglicherweise an einer Fehlgeburt am 1. Dezember 1241 nach sechsjähriger Ehe in Foggia. Das Mitte der 1240er Jahre geplante Heiratsprojekt mit Gertrud von Österreich, mit dem sich der Kaiser die Unterstützung eines wichtigen Fürsten sichern wollte, scheiterte wohl an Friedrichs Exkommunikation.[120] Ebenso blieb der Plan einer Ehe mit Jutta von Sachsen unausgeführt. Diese eheliche Verbindung hätte Friedrichs Stellung im Norden des Reiches erheblich gestärkt. Im Jahr 1245 oder vielleicht erst 1248 heiratete Friedrich seine langjährige Geliebte Bianca Lancia, um die Anzahl seiner legitimen Nachkommen und möglichen Nachfolger zu erhöhen.[121]

In anderen Sprachen
Alemannisch: Friedrich II. (HRR)
Nederlands: Keizer Frederik II
Piemontèis: Federich II
srpskohrvatski / српскохрватски: Fridrik II., car Svetog rimskog carstva
Seeltersk: Freerk II. (HRR)
oʻzbekcha/ўзбекча: Fridrix II Shtaufen
Bân-lâm-gú: Friedrich 2-sè