Friedrich II. (HRR) | kampf mit den päpsten und den oberitalienischen städten (1239–1250)

Kampf mit den Päpsten und den oberitalienischen Städten (1239–1250)

Die Abbildung zeigt die Darstellung der Seeschlacht bei der Insel Montecristo 1241. Der Kaiser, der an der Schlacht nicht teilnahm, wird links mit einem mit Kronreif versehenen Eisenhut abgebildet. Giovanni Villani, Chronica, 14. Jahrhundert, Biblioteca Apostolica Vaticana, Rom Cod. Chigi LVIII 296, fol. 76r.
Die Exkommunikation Friedrichs II. in Lyon 1245 durch Papst Innozenz IV. Giovanni Villani, Nuova Cronica, 14. Jahrhundert, Biblioteca Apostolica Vaticana, Rom Cod. Chigi LVIII 296, fol. 78v.
Das älteste Grabdenkmal im Mainzer Dom ist dem Mainzer Erzbischof Siegfried III. von Eppstein gewidmet. Der Mainzer Erzbischof ist von den zwei Gegenkönigen Heinrich Raspe und Wilhelm von Holland umgeben, an deren Erhebung er maßgeblichen Anteil hatte.
Die Abbildung von Giovanni Villani zeigt den Einfall der bewaffneten Parmesen 1248 in die Holzstadt Vittoria. Giovanni Villani, Nuova Cronica, 14. Jahrhundert, Biblioteca Apostolica Vaticana, Rom Cod. Chigi L VIII 296, fol. 81r.
Sarkophag Friedrichs II. in der Kathedrale von Palermo, im Hintergrund der Sarkophag seines Großvaters Roger II.
Nach Giovanni Villani wurde Friedrich II. von seinem Sohn Manfred mit einem Kissen erstickt. Friedrichs schneller Tod verhinderte auch ein Bekenntnis seiner Sünden. Nach mittelalterlicher Vorstellung galt ein plötzlicher Tod als großes Unglück, während bei einem gut vorbereiteten Tod der Sterbende ein gottgefälliges Leben geführt hatte. Giovanni Villani, Nuova Cronica, 14. Jahrhundert, Biblioteca Apostolica Vaticana, Rom Cod. Chigi L VIII 296, fol. 84r.
Heiliges Römisches Reich zur Zeit Kaiser Friedrichs II. um 1250

Erneute Exkommunikation 1239, Mongolengefahr und Seeschlacht von Montecristo 1241

Gegenüber dem lombardischen Städtebund waren die Handlungsspielräume des Herrschers stark eingeschränkt, da er zur Wahrung und Verteidigung des honor imperii („Ehre des Reiches“) verpflichtet war. Die Verpflichtung zum Erfolg und zur Vermeidung eines Ansehensverlusts entfesselte aber auch eine Spirale der Gewalt und löste damit eine nicht mehr zu beherrschende Herrschaftskrise in Oberitalien aus.[122] Der Konflikt mit dem Lombardenbund stand in engem Zusammenhang mit dem 1239 beginnenden Kampf mit dem Papsttum. Dieser brach aus, als Friedrichs Sohn Enzio 1238 Adelasia, die Erbin zweier der vier Kleinkönigreiche (Judikate) des Königreichs Sardinien, heiratete. Enzio nahm die beiden Judikate von Friedrich zu Lehen und nannte sich fortan König von Sardinien. Der Papst sah dadurch seine Herrschaftsrechte auf der Insel beeinträchtigt, die er aus der Konstantinischen Schenkung herleitete. Er schloss Ende 1238 ein Bündnis mit den führenden Städten der Liga sowie mit Genua und Venedig zur Vertreibung des Staufers aus dem Königreich Sizilien.

Am 20. März 1239 wurde Friedrich erneut von Gregor exkommuniziert. Die Exkommunikation sollte bis zu seinem Tod bestehen bleiben. Am selben Tag starb Hermann von Salza, der bislang immer im Konflikt zwischen Papst und Kaiser erfolgreich vermitteln konnte. Mit der vermutlich von Kardinal Rainer von Viterbo, einem Erzfeind des Kaisers, verfassten Enzyklika vom 1. Juli 1239 setzte die Verteufelung Friedrichs ein. In apokalyptischem Ton wurde Friedrich als Ketzer und Vorläufer des endzeitlichen Antichristen bezeichnet. Das Dokument war an alle Könige, Fürsten und Bischöfe der Christenheit gerichtet.[123] Dem Papst gelang es zunächst jedoch nur, Herzog Otto von Bayern und König Wenzel von Böhmen für sich zu gewinnen. Dafür hatte Gregor in Norditalien mehr Erfolg mit seiner Propaganda gegen den Kaiser.[124] Als Reaktion auf den sich verschärfenden Konflikt mit dem Papst begann Friedrich seine Christusähnlichkeit zu betonen. In einem Brief vom August 1239 verglich er seine Geburtsstadt Jesi mit Bethlehem.[125] Nikolaus von Bari hatte in einer Lobrede die Familie des Kaisers als Endzeitkaisergeschlecht dargestellt, Friedrich selbst als „neuen David“ bezeichnet und dessen Kaisertum in die Nähe eines „messianischen Kaisertums“ gerückt.[126] Parteigänger des Kaisers prangerten die Verweltlichung des Papsttums an oder stellten den Papst selbst als Antichrist dar.[127]

Der Konflikt zwischen Kaiser und Papst verhinderte auch ein gemeinsames Vorgehen gegen die Mongolengefahr. Batu, ein Enkel des Mongolenherrschers Dschingis Khan, hatte im Osten am 9. April 1241 bei Liegnitz (westlich von Breslau) und zwei Tage später bei Mohi zwei Erfolge gegen christliche Ritterheere aus der Region verbucht. Der Mongolensturm in Osteuropa löste intensive Endzeiterwartungen aus. Friedrich lehnte ein Eingreifen dort ab, angesichts seiner schlechten Erfahrungen beim Kreuzzug machte er einen Frieden mit dem Papst zur Voraussetzung. Nur der plötzliche Tod des Großkhans Ögödei verhinderte einen weiteren Vorstoß der Mongolen nach Europa.[128]

Am 9. August 1240 berief Gregor ein allgemeines Konzil für Ostern 1241 nach Rom ein. Die Versammlung sollte die Absetzung des Kaisers beschließen. Die Anreise der Konzilsteilnehmer sollte Genua gewährleisten. Mit Hilfe Pisas, der Konkurrentin Genuas, gelang es Friedrich, die Anreise der Konzilsteilnehmer mit einer Seeblockade zu verhindern. Bei der Insel Montecristo kam es deshalb zu einer Seeschlacht. Genua erlitt am 3. Mai 1241 gegen die mit Friedrich verbündete Flotte Pisas eine vernichtende Niederlage. Von 27 Genueser Schiffen konnten nur zwei entkommen. Mehr als hundert Prälaten wurden gefangen genommen und in Süditalien eingekerkert. Als Folge dieser Maßnahme erreichte die Verteufelung des Kaisers durch die päpstliche Propaganda ihren Höhepunkt.[129]

Am 22. August 1241 verstarb Gregor IX., was Hoffnung auf einen Ausgleich weckte. Kurz nach Gregors Tod distanzierten sich im Herbst 1241 der Erzbischof Siegfried von Mainz und der Erzbischof Konrad von Köln vom Kaiser. Sie nutzten seine Exkommunikation zum Ausbau ihrer Territorien. Gregors Nachfolger wurde nach dem kurzen Pontifikat von Coelestin IV. und längerer Sedisvakanz am 25. Juni 1243 Papst Innozenz IV. Der neue Papst wollte den Lombardenbund in die Verhandlungen mit einbeziehen und erwartete, dass Friedrich sich bei seinem Konflikt mit den Kommunen dem Papst als Schiedsrichter unterwerfe. Doch das gegenseitige Misstrauen verhinderte eine Beendigung des Konfliktes.

Friedrichs Absetzung 1245, Gegenkönige und Schlacht von Parma 1248

Ende 1244 berief Innozenz IV. für den 24. Juni 1245 ein Konzil nach Lyon ein. Am 17. Juli 1245 wurde Friedrich auf diesem Konzil auf Betreiben des Papstes abgesetzt. Zum Konzil waren etwa 150 Bischöfe vor allem aus Spanien, Frankreich und England erschienen. Die Absetzungsbulle, die eine umfassende Zusammenstellung der Kritikpunkte gegen Friedrich bietet, kursierte in den Folgemonaten in ganz Europa und fand Eingang in die Geschichtsschreibung.[130] Kardinal Rainer von Viterbo rief in Schreiben, die in Deutschland und England in Umlauf gebracht wurden, zum Kreuzzug gegen Friedrich auf, weil dieser ein „Sohn und Schüler Satans“, „Herold des Teufels“ und Vorläufer des Antichristen sei.[131] Extrem kurialistische Kreise betonten den päpstlichen Hoheitsanspruch auch über die weltliche Gewalt explizit in ihren Pamphleten.[132] Der französische König Ludwig IX., der gute Beziehungen zu Kaiser und Papst unterhielt, versuchte vergeblich zu vermitteln.[133] Am 22. Mai 1246 war im nordalpinen Reichsteil Heinrich Raspe von einigen wenigen geistlichen Fürsten unter Führung der Erzbischöfe von Köln und Mainz zum König gegen Kaiser Friedrich II. und dessen Sohn Konrad IV. gewählt worden; von den weltlichen Fürsten hatte sich aber keiner beteiligt. Am 5. August 1246 gelang es Raspe in der Schlacht von Frankfurt ein Heer Konrads IV. zu schlagen. Eine Belagerung der Stadt Ulm blieb allerdings vergeblich. Erkrankt musste sich der Gegenkönig nach Thüringen zurückziehen, wo er am 16. Februar 1247 auf der Wartburg starb. Nach Raspes Tod wurde am 3. Oktober 1247 Wilhelm von Holland von einem kleinen Kreis zum Gegenkönig gegen Friedrich II. gewählt. Die meisten Fürsten hielten jedoch zu Friedrich, so dass sich der neue König nach Holland zurückziehen musste.

Im März 1246 scheiterte ein Mordanschlag auf Kaiser Friedrich. Die Beteiligten wurden hingerichtet. Nach der Verschwörung hoher süditalienischer Beamter besetzte Friedrich wichtige Stellen in Italien mit seinen unehelichen Söhnen Enzio, Friedrich von Antiochia und Richard von Chieti sowie seinen Schwiegersöhnen Ezzelino da Romano, Thomas von Aquino und Richard von Caserta. Dies war auch eine Wiederaufnahme der traditionellen dynastischen Politik seines Großvaters Roger II.[134] 1247 erfuhr der Kaiser, dass seine Gegner in Parma die Stadtherrschaft übernommen hatten und die kaiserliche Besatzung niedergemacht worden war. Friedrich hatte kaum Aussicht, die Stadt zu erobern und war nicht in der Lage, sie vollständig zu umschließen. Er versuchte, Parma durch Belagerung eines kleinen Teiles der Stadt und Verwüstung des Umlandes zum Einlenken zu bewegen. Im Herbst ließ er die hölzerne Lagerstadt Victoria (Sieg) vor den Mauern Parmas errichten, um auf den Winter vorbereitet zu sein. Am 18. Februar 1248 erlitten Friedrichs Truppen aber eine vernichtende Niederlage; die Parmesen zerstörten die Lagerstadt und eroberten den gesamten kaiserlichen Besitz, darunter das kostbare „Buch über Vögel und Hunde“, eine Krone, seine Siegel und seine gesamte Bibliothek. Der Kaiser befand sich zu diesem Zeitpunkt auf der Falkenjagd. Es war seine schwerste Niederlage gegen eine einzelne oberitalienische Kommune. Daraufhin traten Ravenna und viele Städte der Romagna auf die päpstliche Seite. Einen weiteren Rückschlag musste Friedrich 1249 hinnehmen: Sein langjähriger Vertrauter und Vorsteher der Kanzlei Petrus de Vinea wurde wegen Hochverrats und Bestechlichkeit verhaftet. Friedrich ließ Petrus in der toskanischen Burg San Miniato al Tedesco einkerkern und dann blenden.

Tod

Im Dezember 1250 verstarb der Staufer überraschend, vielleicht an Typhus, Paratyphus oder Blutvergiftung. Seine letzten Stunden werden von der Geschichtsschreibung unterschiedlich geschildert. Ihm feindlich gesinnte Geschichtsschreiber zeichneten ein Bild, das den Vorstellungen von einem typischen Ketzertod entsprach: Er soll vergiftet worden oder erstickt sein oder nach schweren Durchfällen und mit Schaum vor dem Mund einen qualvollen Tod gefunden haben. Seine Leiche soll so gestunken haben, dass sie nicht nach Palermo überführt werden konnte.[135] Damit sollte klargemacht werden, dass es sich um einen gottlosen Menschen handelte, ebenso wie es nach mittelalterlicher Vorstellung selbstverständlich war, dass der Leichnam eines heiligmäßigen Menschen angenehm duftete. Nach anderen Berichten hat der Kaiser seine Sünden bereut; darauf habe ihm Erzbischof Berard von Palermo die Absolution erteilt, bevor er als einfacher Zisterzienser gekleidet verstorben sei.[136] Zuvor hatte der Kaiser jedenfalls testamentarisch sorgfältig letzte Regelungen getroffen; so sollte unter anderem sein Sohn Konrad die Krone Siziliens erben.[137]

Am 25. Februar 1251 wurde Friedrich in der Kathedrale von Palermo in einem Sarkophag aus Porphyr unter einem von sechs Porphyrsäulen getragenen Baldachin beigesetzt. 1257 brachte die Doppelwahl mit Alfons X. von Kastilien und Richard von Cornwall dem Reich zwei Könige, das sogenannte Interregnum. Diese Zeit endete erst mit der Wahl des römisch-deutschen Königs Rudolf von Habsburg im Jahr 1273. Nord- und Mittelitalien übernahmen regionale Machthaber. Sizilien wurde für die kommenden Jahrhunderte von landfremden Dynastien beherrscht.

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