Betriebssystem | definitionen und abgrenzung

Definitionen und Abgrenzung

Ein Betriebssystem übernimmt zwei wesentliche Aufgaben, die im Grunde in keinem direkten Zusammenhang zueinander stehen[2]:

  • Die eine Aufgabe besteht darin, dem Anwendungsprogrammierer saubere Abstraktionen der Betriebsmittel zur Verfügung zu stellen (anstelle der unschönen Hardware). Das Betriebssystem bietet somit eine leichter verständliche und besser handhabbare Schnittstelle zur eigentlichen Maschine an und „versteckt“ die Komplexität der darunterliegenden Maschine: „Der Ansprechpartner für den Programmierer ist also nicht mehr die wirkliche Maschine, sondern eine virtuelle Maschine (Betriebssystem), welche wesentlich einfacher zu verstehen und zu programmieren ist.“[3] Das Betriebssystem erzeugt abstrakte Objekte, um die Komplexität beherrschbar zu machen. Ein Beispiel für eine solche Abstraktion ist die Datei. Diese kann beispielsweise in Form eines Digitalfoto, einer gespeicherten E-Mail-Nachricht oder einer Website vorliegen. Es ist auf jeden Fall einfacher, sich damit zu beschäftigen, als mit den Details von Festplattenspeichern.[4]
  • Die andere Aufgabe besteht darin, die Hardwareressourcen zu verwalten: „Ein Betriebssystem muss eine geordnete und kontrollierte Zuteilung von Prozessoren, Speichereinheiten und Peripheriegeräten unter den verschiedenen Programmen, welche darum konkurrieren, sicherstellen.“[3] Das Betriebssystem ordnet und kontrolliert die Allokation der Prozessoren, Speicher und Ein-/Ausgabegeräte und überwacht, welches Programm gerade welches Betriebsmittel nutzt. Liegen beispielsweise mehrere Aufträge für einen Drucker vor, so muss festgelegt werden, wie diese abgearbeitet werden. Auf einem modernen Betriebssystem können dadurch auch mehrere Programme gleichzeitig ausgeführt werden. Benutzen mehrere Anwender einen Computer oder ein Netzwerk, dann gewinnen Maßnahmen zur Verwaltung und zum Schutz von Speicher, Ein-/Ausgabegeräten und anderen Betriebsmitteln noch an Bedeutung. Die Benutzer würden sich sonst gegenseitig stören.[5]

Die Gesamtheit aller Programme und Dateien, die sämtliche Abläufe bei Betrieb eines Rechners steuern, wird Systemsoftware genannt. Dazu gehören Betriebssysteme, aber auch systemnahe Software wie Compiler, Interpreter und Editoren. Anwendungssoftware wie beispielsweise Browser oder Buchhaltungssoftware benutzen die Systemsoftware für einen ordnungsgemäßen Ablauf.[6] In der Literatur wird der Begriff „Betriebssystem“ innerhalb der Systemsoftware unterschiedlich breit interpretiert.

In der DIN-Sammlung 44300 (veraltet, ersetzt durch ISO/IEC 2382:2015 siehe: Liste der DIN-Normen/DIN 1–49999 unter DIN 44300) geht die Definition von seiner Aufgabe und Stellung in einer Programmhierarchie aus:

„Das Betriebssystem wird gebildet durch die Programme eines digitalen Rechensystems, die zusammen mit den Eigenschaften der Rechenanlage die Grundlage der möglichen Betriebsarten des digitalen Rechensystems bilden und insbesondere die Ausführung von Programmen steuern und überwachen.“

DIN 44300[7]

Für Andrew S. Tanenbaum beschränkt sich der Begriff Betriebssystem im Wesentlichen auf den Kernel: „Editoren, Compiler, Assembler, Binder und Kommandointerpreter sind definitiv nicht Teil des Betriebssystems, auch wenn sie bedeutsam und nützlich sind.“[8] Viele Lehrbücher folgen dieser engeren Sichtweise. Andere Autoren zählen unter anderem auch eine Kommandosprache zum Betriebssystem: „Außer die Hardware zu verwalten [...], bieten moderne Betriebssysteme zahlreiche Dienste an, etwa zur Verständigung der Prozesse untereinander, Datei- und Verzeichnissysteme, Datenübertragung über Netzwerke und eine Befehlssprache.“[9] Eine noch weitere Fassung des Begriffes, die beispielsweise auch Editoren und Compiler umfasst, geht zum Teil auf ältere Werke des deutschen Sprachraums zurück, lässt sich aber auch in aktueller Literatur noch finden. So zählen die Autoren des Informatik-Dudens auch Übersetzungsprogramme und Dienstprogramme zu den wesentlichen Komponenten eines Betriebssystems.[10] In jüngerer Zeit kann der GNU/Linux-Namensstreit als Beispiel für die Abgrenzungsprobleme angesehen werden.

Ungeachtet dessen, wie weit oder wie eng man den Begriff „Betriebssystem“ fasst, enthalten die Installationsmedien für Betriebssysteme für gewöhnlich zusätzliche Dienst- und Anwendungsprogramme.

In anderen Sprachen
Acèh: OS
Alemannisch: Betriebssystem
العربية: نظام تشغيل
azərbaycanca: Əməliyyat sistemi
žemaitėška: Uoperacėnė sėstema
беларуская (тарашкевіца)‎: Апэрацыйная сыстэма
Mìng-dĕ̤ng-ngṳ̄: Chŏ̤-cáuk hiê-tūng
Esperanto: Operaciumo
客家語/Hak-kâ-ngî: Chok-ngia̍p hì-thúng
hornjoserbsce: Dźěłowy system
Bahasa Indonesia: Sistem operasi
Interlingue: Operativ systema
íslenska: Stýrikerfi
Qaraqalpaqsha: Operatsion sistema
Taqbaylit: Anagraw n wammud
한국어: 운영 체제
Ripoarisch: Bedriefsystem
Lëtzebuergesch: Betribssystem
Lingua Franca Nova: Sistem de opera
македонски: Оперативен систем
Bahasa Melayu: Sistem pengendalian
Plattdüütsch: Bedriefssystem
नेपाल भाषा: अपरेटिङ सिस्टम
Nederlands: Besturingssysteem
norsk nynorsk: Operativsystem
Pälzisch: Betriebssystem
português: Sistema operativo
русиньскый: Операчна сістема
davvisámegiella: Operatiivavuogádat
srpskohrvatski / српскохрватски: Operativni sistem
Simple English: Operating system
slovenčina: Operačný systém
slovenščina: Operacijski sistem
Soomaaliga: Operating system
српски / srpski: Оперативни систем
Basa Sunda: Sistim Operasi
татарча/tatarça: Операцион система
oʻzbekcha/ўзбекча: Ishlatuv tizimi
Tiếng Việt: Hệ điều hành
吴语: 操作系统
中文: 操作系统
Bân-lâm-gú: Chok-gia̍p hē-thóng
粵語: 作業系統