Sinon

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Asteroiden siehe (3391) Sinon.
Sinon wird als Gefangener vor Priamos geführt,
in Vergil's Aeneis, Miniatur des Vergilius Romanus
( Biblioteca Varicana, Anfang 5. Jh.)

Sinon ( griech. Σíνων, mögliche Kurzform für Sinopos, Gefährte von Odysseus) ist in der griechischen Mythologie ein griechischer Held und Kundschafter während des trojanischen Krieges. Er ist der Sohn des Aisimos (Aesimus), dem Onkel Odysseus' mütterlicherseits ( Antikleia, damit Vetter Odysseus'), Enkel des berühmten Schwindlers Autolykos und der Amphithea. [1]

Einsicht

In dem antiken Konflikt spielte Sinon eine Schlüsselrolle bei der Eroberung Trojas. Nachdem der trojanische Krieg bereits zehn Jahre militärisch erfolglos geführt wurde, erkannten die Achaier, dass Troja eher durch eine List als durch Gewalt genommen werden könnte. Mit dieser Einsicht ersannen laut Homer die Achaier, laut Quintus von Smyrna ersann nach Weissagung des Sehers Kalchas allein Odysseus die List, um dennoch Troja zu erobern: Der beste Baumeister der Achaier, Epeios, solle ein hölzernes Pferd entwerfen, das später nach der Region um die Stadt Ilion („Troja“) als „ Trojanisches Pferd“ bekannt wurde. Athene erschien ihm dann, Quintus zufolge, im Traum und gab die nötigen Anweisungen für den dreitägigen Bau.

„Wohlan denn, setzt den Hinterhalt, ihr welche unsere Mächtigsten seid, und der Rest wird sich zur geheiligten Burg Tenedos' begeben und dort bleiben bis unsere Feinde in ihren Mauern uns mit dem Pferd angeeignet haben, wie erachtend, dass sie ein Geschenk zu Athena bringen.“

(Odysseus an die versammelten Achaier) Quintus Smyrnaeus, Posthomerica 12, 233

Im Pferd sollten die stärksten Achaier in die Stadt Troja gelangen, um den restlichen Achaiern, die all ihre Lager niederbrennen und ein Verlassen des Kampffeldes vortäuschen sollten, ein Leuchtsignal zum dann günstigen Stürmen der Festung zu geben. So fuhr die Mehrzahl der Achaier zur Insel Tenedos außerhalb der Sichtweite der Trojaner, ein einziger Mann sollte zurückbleiben, um den Trojanern das Pferd als Ersatz für das gestohlene Athenebildnis ( Palladion) zu übergeben. Nur Sinon war mutig genug, diesen Plan auszuführen.

„Diese Aufgabe, nach der ihr sehnt werde ich ausführen – ja, auch wenn sie mich foltern, auch wenn sie mich lebend ins Feuer stießen, denn mein Herz ist standhaft nicht zu flüchten, aber zu sterben durch die Hände der Feinde, ausgenommen ich kröne mit Ruhm eurem Wunsch.“

(Sinon zu den Achaiern, sich freiwillig für seine gefährliche Aufgabe anbietend) Quintus Smyrnaeus, Posthomerica 12, 243

Er überzeugte die Trojaner, das „hölzerne Pferd der Griechen“ anzunehmen, indem er listig erzählte, dass dieses als Opfer für die Meeresgötter ( Poseidon) und als Weihegeschenk für Athene zur Gewährung einer sicheren Rückkehr gedacht sei und dass er für eine gute Rückfahrt geopfert werden sollte, aber geflohen sei, sich an die Füße des Pferdes geklammert und damit in den Schutz Athenes begeben habe. [2] [3] Zur weiteren Vortäuschung des Rückzuges hinterließen die Achaier auf dem Pferd eingekerbt eine tückische Inschrift:

„Für ihre Rückkehr in die Heimat widmen die Achaier dieses Dankesopfer an Athena.“

Bibliotheke des Apollodor Epitome 5,15
Der Zug des Trojanischen Pferdes von Tiepolo

Die Trojaner waren zunächst unschlüssig, ob sie das hölzerne Pferd verbrennen, aufschlitzen, die Klippe herunterwerfen oder als Weihgeschenk zur Besänftigung und Freude der Götter nach Troja ziehen sollten. Nach mancher Darstellung hatten sich die Trojaner unabhängig von Laokoons Auftreten für letzteres entschieden. Nach anderen Fassungen folgte auf Sinons Rede die Geschichte Laokoons, die mit dessen Bestrafung in Form der Tötung eines oder mehrerer seiner Kinder bzw. auch seines eigenen Todes endet. Kassandra weissagt je nach Mythos entweder vor oder nach diesen Toden, dass nun Ilios’ Ende bevorstehe; die Trojaner aber ignorierten diese Warnung. Kassandra ergriff daraufhin laut Quintus eine Fackel und eine Doppelaxt, um den Trug im Pferd aufzudecken, doch sie wurde von den Landsleuten daran gehindert und floh – zur stillen Freude der Achaier im Pferd.

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