Sexueller Fetischismus

Lückenhaft In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen noch folgende wichtige Informationen:
Sozialwissenschaftliche Betrachtung fehlt.
Hilf der Wikipedia, indem du sie einfügst.

Als sexueller Fetischismus wird in der Regel eine sexuelle Devianz verstanden, bei der ein meist unbelebter Gegenstand (vgl. Objektsexualität), der sogenannte Fetisch, als Stimulus der sexuellen Erregung und Befriedigung dient. [1] [2] Das fetischistische Verhalten unterscheidet sich individuell stark und kann sich auf einen einzigen Gegenstand, auf mehrere Objekte, Materialien oder auch auf Körperteile (auch solche des Partners) beziehen. Darüber hinaus gibt es sowohl therapeutisch als auch umgangssprachlich verschiedene Verwendungen des Begriffs, die zum Teil stark voneinander abweichen und sich vor allem durch die Frage unterscheiden, ob der sexuelle Fetischismus eine mit anderen Vorlieben gleichberechtigte sexuelle Präferenz ist oder es sich grundsätzlich um eine behandlungsbedürftige Störung des Sexualverhaltens, eine Paraphilie, handelt. Im Rahmen der sexualmedizinischen Diagnostik oder der Psychoanalyse wird der sexuelle Fetischismus dann als behandlungsbedürftig verstanden, wenn der Fetisch als vollständiger Ersatz für die partnerschaftliche Sexualität dient, die sexuelle Befriedigung ohne Verwendung des Fetisch erschwert ist oder unmöglich erscheint und bei dem Betroffenen dadurch ein entsprechender Leidensdruck entsteht. [1] Sexueller Fetischismus ist als Teil des Formenkreises der Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen als Störung der Sexualpräferenz in der „ Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (ICD) unter der Schlüsselnummer F65.0 gelistet. [3]

Zu den Ursachen fetischistischen Verhaltens gibt es verschiedene Theorien, wobei keine vollumfänglich anerkannt ist. [4] Ebenso ist wegen der mangelnden Behandlungsbedürftigkeit des Fetischismus und der zunehmenden gesellschaftlichen Akzeptanz sexueller Abweichungen unbekannt, wie weit sexueller Fetischismus in der Bevölkerung verbreitet ist. Betroffene suchen nur in seltensten Fällen therapeutische Hilfe. Durch Überschneidungen sowohl in der sexuellen Devianz selbst als auch durch die gemeinsame diagnostische Einordnung des erotischen Sadomasochismus, Fetischismus und fetischistischen Transvestitismus wird die Szene häufig der sadomasochistischen Subkultur zugeordnet. Dieser Subkultur schließen sich Ausübende fetischistischer Praktiken bei Aktionen und in politischen Organisationen mitunter an.

Etymologie

Der Ursprung des Begriffs liegt im lateinischen factīcius, was so viel bedeutet wie „nachgemacht“ oder „unecht“. [5] „Fetisch“ ist später aus dem Französischen (fétiche) entlehnt und wurzelt im Portugiesischen (feitiço), wo es die Bedeutung „Zauber“ oder „Zaubermittel“ hat. Der Begriff wird unabhängig von der erotischen Konnotation meist im Sinne eines „verehrungswürdigen Gegenstandes“ oder dem der Idolatrie verwendet. Es verstehen sich auch die in der Umgangssprache verwendeten Wortschöpfungen wie „Ordnungsfetisch“(-ismus), „Paragrafenfetisch“ oder „Sauberkeitsfetisch“. Diese spielen sowohl mit der ursprünglichen Bedeutung des Fetischismus als auch mit der sexuellen Note.

Der Begriff Fetischismus wird in verschiedenen Kontexten in unterschiedlichen Bedeutungen gebraucht: Dabei gibt es zum Teil erhebliche Unterschiede zwischen dem umgangssprachlichen Gebrauch des Wortes und dem wissenschaftlichen Term. Mitunter werden allgemein sexuelle Neigungen als sexueller Fetisch bezeichnet, worin manche Praktizierende eine Diskriminierung sehen.

Eine klare begriffliche Unterscheidung wird auf der einen Seite angestrebt, um ein im Verständnis der Medizin, der Rechtsprechung und der entsprechenden Subkultur erweitertes normales Sexualverhalten von behandlungsbedürftigen Problemfällen abzugrenzen, ist jedoch auf der anderen praktisch nicht konsensual zu treffen.

Entwicklung des Begriffs

Der Begriff bezeichnete ursprünglich das Konzept eines religiösen Fetischismus bei sogenannten „ Naturvölkern“. Ausgangspunkt war die Verehrung lebloser, mit „übernatürlichen Kräften“ geladener Gegenstände – sogenannter Fetische – in einigen westafrikanischen ethnischen Religionen. Die weitreichende Übertragung auf andere Ethnien und Kulturen als Fetischismus wurde jedoch wieder aufgegeben. 1887 wurde diese Bedeutung vom französischen Psychologen Alfred Binet mit seiner Arbeit „Le Fétichisme dans l’amour.“ in der „Revue Philosophique“ auf den Bereich des Sexuallebens ausgedehnt. [6]

Lange Zeit blieb der Begriff von der nicht wissenschaftlich interessierten Bevölkerung unbeachtet, während dessen Bedeutung in Fachkreisen erweitert wurde; bereits 1912 nannte beispielsweise Richard von Krafft-Ebing die sexuelle Hingabe an einen einzelnen Körperteil Fetischismus. [7] Durch die psychoanalytischen Betrachtungen Sigmund Freuds, die auch Nichtmediziner erreichten, wurde der Begriff „Fetischismus“ nach 1927 populär. [8] Hierbei wurde der sexuelle Fetischismus als eine krankhafte Abweichung verstanden. Zur Verbreitung des Begriffs trug auch die von Karl Marx geprägte Idee des „ Warenfetisch“ bei, die zwar auf den religiösen Fetischismus gründete und nicht sexuell konnotiert war, aber das Wort Fetisch in seiner Doppeldeutigkeit weiter publik machte. [9]

Im Zuge der sexuellen Revolution veränderte sich das Verständnis menschlicher Sexualität grundlegend: Es war nicht mehr akzeptabel, alle von der Norm abweichenden sexuellen Haltungen als psychische Krankheiten zu werten. Die Definition des medizinischen-psychologischen Fachbegriffs Fetischismus wurde zusammen mit dem der Paraphilie deutlich stärker abgegrenzt. Nach heutigem Verständnis ist Fetischismus nicht im Rahmen der sexuellen Orientierung an sich eine psychische Störung, sondern nur dann als behandlungsbedürftige Störung zu verstehen, wenn der Betroffene unter ihren Auswirkungen leidet. Innerhalb der wissenschaftlichen Neuorientierung im Verständnis sexueller Abweichungen und der daraus entstandenen Diskussionen zu deren Definitionen ergab sich eine Zweiteilung des Begriffs: Das international gebräuchliche Handbuch ICD, das von der Weltgesundheitsorganisation herausgegeben wird, kehrte zur ursprünglichen enger gefassten Bedeutung zurück und versteht unter Fetischismus nur die sexuelle Fixierung auf Gegenstände. Die einflussreiche American Psychiatric Association, die das zunächst nur national verwendete Handbuch DSM herausgibt, entschied sich für eine erweiterte Definition und versteht unter Fetischismus die Fixierung auf Gegenstände oder Körperteile. Durch Erscheinen einer deutschen Ausgabe des DSM hielt diese Auffassung auch im deutschsprachigen Raum Einzug.

Das allgemeine Verständnis des Begriffs Fetischismus blieb von den wissenschaftlichen Debatten unberührt. Fetischismus hatte sich bereits als gebräuchliche Bezeichnung und Szenebegriff für eine Vielzahl sexueller Spielarten etabliert, umgangssprachlich wird häufig jede sexuelle Fixierung auf ein einzelnes Objekt oder eine spezifische Sexualpraktik Fetischismus genannt. Ferner wird der Begriff oft als Synonym zu Paraphilie verstanden, wodurch die Bezeichnung um zahlreiche sexuelle Neigungen erweitert wird, die nicht unter die psychologische oder psychiatrische Begriffsverwendung fallen. Die Feinheiten der diagnostischen Unterscheidung zwischen pathologischem und nicht behandlungsbedürftigen Fetischismus finden in der Umgangssprache keine Verwendung.

Auch Fachleute verschiedener Professionen legen den Fetischismusbegriff teilweise anders aus als die diagnostischen Handbücher diesen definieren. So werten einige beispielsweise die sexuelle Erregung durch Tiere oder durch Leichen als fetischistisches Verhalten, [10] während diese sexuellen Devianzen nach ICD-10 Zoophilie und Nekrophilie den Paraphilien unter F65.8, den sonstige Störungen der Sexualpräferenz, zugeordnet sind, aber per definitionem nicht zum Fetischismus zählen.

In anderen Sprachen
Esperanto: Fetiĉo (amoro)
suomi: Fetisismi
galego: Fetichismo
íslenska: Blætisdýrkun
português: Fetiche
română: Fetișism
srpskohrvatski / српскохрватски: Seksualni fetišizam
Simple English: Sexual fetishism
slovenčina: Fetišizmus (sex)
српски / srpski: Seksualni fetišizam
Tiếng Việt: Ái vật
中文: 戀物