Schiermonnikoog

Gemeinde Schiermonnikoog
Flagge der Gemeinde Schiermonnikoog
Flagge
Wappen der Gemeinde Schiermonnikoog
Wappen
Provinz Friesland
Bürgermeister Sjon Stellinga ( PvdA)
Sitz der Gemeinde Schiermonnikoog
Fläche
 – Land
 – Wasser
199,07  km2
40,79 km2
158,28 km2
CBS-Code 0088
Einwohner 947 (31. Aug. 2017 [1])
Bevölkerungsdichte 5 Einwohner/km2
Koordinaten 53° 29′ N, 6° 12′ OKoordinaten: 53° 29′ N, 6° 12′ O
Vorwahl 0519
Postleitzahlen 9166
Website www.schiermonnikoog.nl
LocatieSchiermonnikoog.png
Vorlage:Infobox Ort in den Niederlanden/Wartung/Karte

Schiermonnikoog [ Audio-Datei / Hörbeispiel anhören ?/ i] („Insel der grauen Mönche“; westfriesisch Skiermûntseach, im lokalen westfriesischen Dialekt Schiermonnikeich) ist eine der Westfriesischen Inseln. Mit 16 mal 4 Kilometern ist sie die kleinste der fünf bewohnten niederländischen Waddeneilanden („ Wattinseln“). Sie zählt 947 Einwohner (Stand 31. August 2017) und wurde 2006 von der Nederlandse Christelijke Radio-Vereniging zum „schönsten Ort der Niederlande“ [2] ernannt.

Geschichte

Satellitenaufnahme der Insel

Insel der grauen Mönche

Die Insel entstand vor weit über 1.000 Jahren, hat sich als Wattinsel im Lauf der Zeit indes in Form und Umfang stark verändert. Daher sind die ältesten Teile der heutigen Insel nur ungefähr 800 Jahre alt. Wann und von wem Schiermonnikoog zum ersten Mal besiedelt wurde, ist nicht bekannt. [3] Der Name Schiermonnikoog taucht zum ersten Mal in einer Urkunde des holländischen Grafen Philipp der Gute auf. Dieses Dokument aus dem Jahr 1440 beweist, dass die Insel dem Abt des friesischen Klosters Klaarkamp in Rinsumageest bei Dokkum gehörte. Die Zisterziensermönche trugen graue Kutten. Diesem Umstand verdankt die Insel ihren Namen: Im Westfriesischen bedeutet schier „grau“, monnik „Mönch“ und oog „Insel“ – „Insel der grauen Mönche“. Ein solcher Mönch ziert das Wappen der Insel und seit 1961 erinnert im Dorf eine Bronzestatue des niederländischen Künstlers Martin van Waning an die Mönche.

Der graue Mönch von Martin van Waning

Beschlagnahmung und Privatbesitz

Die Besitztümer des Klosters wurden 1580, als sich in Friesland die Reformation durchsetzte, von der Verwaltung der Provinz beschlagnahmt. Die Provinz verpachtete die Grundstücke weiter. Im Jahr 1638 war Friesland jedoch mit den Zahlungen für den Krieg der niederländischen Republik so in Rückstand geraten, dass etliche Klostergüter verkauft werden mussten. Zu diesen gehörte auch Schiermonnikoog. Im Jahr 1640 erwarb der Kaufmann Johan Stachouwer, der aus Amsterdam stammte, nach zwei Vorbesitzern die Insel. Sie blieb auch in der Folgezeit, wie Ameland, eine Erbherrschaft. Für Johan Stachouwer war der Kauf von Schiermonnikoog eine Geldanlage. Die Verwaltung wurde in seinem Namen von einem Drost und vier Bürgermeistern ausgeübt. Im 18. Jahrhundert ergaben sich zwischen der Familie Stachouwer und dem Groninger Regentengeschlecht Tjarda van Starkenborgh Eheverbindungen; daraus entstand der Name Tjarda van Starkenborgh Stachouwer. Etwa ab 1720 wurde das heutige Dorf Schiermonnikoog quasi am Reißbrett geplant und errichtet, da das erste Dorf ( Westerburen, etwa zwei Kilometer weiter westlich) durch die stetige Erosion an der Westkante der Insel schließlich zerstört wurde. Das älteste auf der Insel erhaltene Haus datiert von 1721. Erste Deiche wurden 1767 errichtet. Die Leuchttürme Noordertoren und Zuidertoren wurden 1853 erbaut. In der französischen Zeit verlor die Familie Stachouwer den größten Teil ihrer herrschaftlichen Rechte. Sie blieb jedoch Besitzer des Grund und Bodens.

Deich mit Schafen

Erster Aufschwung und Niedergang des Tourismus

1858 [4] oder 1859 [5] wurde die Insel an einen Dr. jur. John Eric Banck aus Den Haag verkauft, der 1860 durch Eindeichung dem Wattenmeer einen 260 Hektar großen Polder abgewann. Banck begründete den Tourismus auf der Insel, indem er Schiffsverbindungen nach Groningen und Zimmervermietungen organisierte sowie einen Strandpavillon bauen ließ. Denn für die Inselbewohner war es immer schwieriger geworden von Fischerei und Seefahrt zu leben, die Einwohnerzahl war folglich stark gesunken. [6] Im Jahr 1866 wurde Schiermonnikoog zum Seebad erklärt; bis Banck 1881 einen größeren Pavillon und neue Wege bauen ließ, die von so genannten Badekutschen befahren werden konnten, verirrten sich jedoch nur wenige Gäste auf die Insel. Banck eröffnete 1887 mit Hilfe von Investoren ein neues Badhotel am Strand nördlich des Dorfes, verkaufte dann die Insel aber 1892 oder 1893 an den deutschen Grafen Berthold Hartwig Arthur von Bernstorff-Wehningen. Seine Familie förderte den Tourismus trotz der Bemühungen des 1899 gegründeten Fremdenverkehrsvereins und des traditionsreichen Hotels Van der Werff im Dorf kaum und wenig bereitwillig weiter. [7] Drei Generationen lang blieb die Insel im Besitz der Familie; in ihre Zeit fallen zwar die Anlage eines Friedhofs für Schiffbrüchige und Soldaten um 1920 und der Bau des ersten Schiffsanlegers 1927 (heute ein Jachthafen). Mit dem Verlust des Badhotels an das Meer und mit den Weltkriegen – trotz einer deutlichen Erholung zwischen den Kriegen – kam der Fremdenverkehr aber praktisch zum Erliegen.

Im Zweiten Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs errichteten die deutschen Besatzer in den Dünen unter anderem mehrere Bunker als Teil des Atlantikwalls. Einer davon, der seitdem Wasserman genannte Bunker, war als Fundament für das gleichnamige Radargerät angelegt worden. [8] Unter dem Codenamen Schlei bauten die Besatzer nordöstlich des Ortes, am Ende des heutigen Prins-Bernhardweg, eine Art Bunkerdorf mit Radarposten, Flakgeschütz und getarnten Baracken; außerdem legten sie eine Schmalspurbahn an. [9] Die Wehrmachtsbesatzung unter dem (letzten) Inselkommandanten Kapitänleutnant Wittko umfasste 600 Mann.
Als im April 1945 der Norden der Niederlande von kanadischen Truppen befreit wurde, flüchtete eine Gruppe von etwa 130 SS-Leuten nach Schiermonnikoog. Es handelte sich um das SD-Personal eines berüchtigten Foltergefängnisses in Groningen. Erst am 11. Juni wurden die letzten 730 Deutschen auf Schiermonnikoog abgeführt. Die 130 SD-Leute wurden vor Gericht gestellt und bestraft. Nach dem Krieg wurde die Insel 1945 von dem Königreich der Niederlande als Vijandelijk Vermogen (feindliches Vermögen) beschlagnahmt; die Familie von Bernstorff wurde enteignet und floh, die Insel fiel an das Königreich.

Schiermonnikoog heute

Seit den 1960er Jahren ist Schiermonnikoog wieder eine beliebte Urlaubsinsel (heute ca. 300.000 Besucher pro Jahr [10]) mit einem Badestrand, der bis zu einen Kilometer breit ist und damit zu den breitesten Badestränden Europas zählt. Die Hauptstraße – Lange Streek – ist gesäumt von Backsteinhäusern aus dem 18. Jahrhundert. Ebenfalls erhalten sind das Gutshaus Rijsbergen am Dorfrand und das alte Rathaus im Ortskern, die heute beide als Hotels genutzt werden. Schiermonnikoog verfügt über die übliche touristische Infrastruktur mit Unterkünften, Camping, Restaurants, Läden, Museen, Veranstaltungen, Aktivitäten und einer Fähranbindung nach Lauwersoog. Besucher können zwar keine Autos mit auf die Insel nehmen, es existieren jedoch Fahrradverleihe, Taxen, Busdienste einiger Hotels und fünf von Arriva betriebene Buslinien.

Haus an der Lange Streek

Im Jahre 2005 schlossen die Provinzen Groningen und Friesland ein Übereinkommen, in dem festgelegt wurde, dass die gesamte Fläche der Insel Schiermonnikoog weiterhin zu Friesland gehört. Dies wurde nötig, da die Insel durch Sandanspülungen weiter nach Osten gewachsen ist und ihre Ostspitze sonst im Bereich der Provinz Groningen läge. Durch den Vertrag wurde die Seegrenze zwischen Friesland und Groningen nach Osten verlegt. Schiermonnikoog hat sich in den letzten Jahren so weit nach Osten vorgeschoben, dass der östliche Teil an der Stelle der 1717 während der Weihnachtsflut versunkenen Insel Bosch liegt.

In anderen Sprachen
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Bân-lâm-gú: Schiermonnikoog