Pritschenwagen (Automobil)

Der Daimler Motor-Lastwagen (1896), nach verbreiteter Ansicht der erste Lastkraftwagen der Welt, war ein Pritschenwagen

Der Pritschenwagen ist eine Karosseriebauform beziehungsweise Lkw-Aufbauart bei Nutzfahrzeugen mit einer festen, je nach Einsatzzweck auch nach einer, zwei oder drei Seiten kippbaren, nach oben offenen Ladefläche. Durch eine Trennwand sind der Fahrzeugführer und eventuelle Passagiere vor dem Transportgut auf der Ladefläche geschützt.

Als Synonym für Pritschenwagen wird häufig auch der Begriff Pritschenaufbau verwendet. In einem engeren Sinn bezieht sich Pritschenaufbau eher auf Fahrzeuge mit separatem Fahrgestell beziehungsweise den Fahrzeug-Aufbau an sich, Pritschenwagen eher auf das Fahrzeug als Ganzes.

Pritschenwagen sind eine der ältesten und ursprünglich einfachsten Bauformen im Kraft fahrzeugbau; ihre Ursprünge lassen sich durchgängig bis zum Kutschen- und Fuhrwerksbau sowie letztlich weiter bis zur Eisenzeit mit den ersten von Tieren gezogenen Wagen zurückverfolgen. Basis für heutige Pritschenwagen mit eigenem Motor können sowohl Personenkraftwagen (Pkw) als auch Kleintransporter und die Fahrgestelle von Lastkraftwagen (Lkw) aller Größenklassen sein.

Die offene Ladefläche erleichtert das Be- und Entladen; andererseits bietet sie dem Transportgut und dessen eventueller Verpackung ohne geeignetes Zubehör keinen Schutz vor der Witterung, ebenso wenig einen Diebstahlschutz.

Abgrenzung zu anderen Nutzfahrzeugkarosserien und -aufbauten

Der Kleintransporter Ape von Piaggio als Pritschenwagen
Ein Mercedes-Benz 170 S von 1953, ein Pritschenwagen auf Pkw-Basis mit hoher Plane und Spriegeln
Ein Tempo Hanseat, ein dreirädriger Kleintransporter mit typischem Pritschenaufbau und heruntergeklappten Seitenwänden

Der Pritschenwagen ist primär zum Transport des Fahrers sowie seiner eigenen oder der ihm anvertrauten Güter bestimmt. Insoweit unterscheidet sich diese Karosserie- und Aufbauvariante von den Nutzfahrzeugen zum Personentransport, insbesondere jeglicher Form von Bussen. Sie unterscheidet sich ferner von den speziellen Nutzfahrzeugen für Einsatzkräfte, namentlich Gerätekraftwagen sowie Krankentransport- und Rettungswagen, darüber hinaus auch von solchen Nutzfahrzeugen, bei denen spezielle Fähigkeiten im Vordergrund stehen, wie Zugmaschinen, Gabelstaplern und Traktoren.

Mit seiner grundsätzlich nach oben offenen Ladefläche unterscheidet sich der Pritschenwagen von Transportfahrzeugen mit fest überdachter Ladefläche wie dem Kastenwagen und dem Kofferaufbau. Auch fehlen dem Pritschenwagen besondere Vorrichtungen zum Transport spezieller Güter, wie sie Tankwagen, Fahrzeuge mit Isolier- oder Kühlaufbau oder zum Containertransport aufweisen.

Fahrzeuge, deren Pritsche zu einer, zwei oder drei Seiten geneigt werden kann, heißen als Sonderform des Pritschenwagens auch Kipper; ist die Ladefläche auf zwei oder drei Seiten fest umrandet und sind die Seitenwände relativ hoch, wird statt von Ladepritsche und Pritschenwagen eher von einer Lademulde und einem Muldenkipper gesprochen.

Eine vergleichsweise weit verbreitete Unterform des Pritschenwagens ist der aus dem anglo-amerikanischen Raum stammende „ Pick-up“ mit rückwärtiger Ladefläche auf Basis eines Personenwagens (auch als Geländewagen oder SUV) oder eines leichten Lastkraftwagens. Im pazifischen Raum ist für solche Pritschenwagen auch der Begriff „ Ute“ (kurz für Utility) gebräuchlich, im südlichen Afrika, vor allem in Namibia auch die Bezeichnung „ Bakkie“.

Als spezielle Pkw-Aufbauform mit Pritsche, aber ergänzender Eignung zum Personentransport werden mitunter auch der „Jeep“ [1] (hier nicht als Fahrzeugmarke gemeint) oder „ Jeepney“ genannt ( geländegängig, mit Allradantrieb, einfachem Aufbau mit offenem oder geschlossenem Führerhaus und „4–6 Sitzen hinten an beiden Seiten in Längsrichtung“ [1]), ferner das „Russische Taxi“ [1] (ähnlich dem Pick-up, geschlossenes Führerhaus mit offener Pritsche hinten und „aufklappbaren Seitensitzen für 4–6 Personen an Pritschenlängswänden“ [1]). Ähnliche Aufbauten werden auf den Kapverden als „ Aluguer“, in Thailand und Laos als „ Songthaeo“ bezeichnet. Ferner gab es vor allem in den Anfängen des Automobils und vereinzelt noch später als spezielle Karosseriebauform das „ Convertible Car“, im Deutschen teils als „Wechselaufbau“ bezeichnet und nicht zu verwechseln mit dem „Convertible (Top)“ im Sinne von „ Cabriolet“: Bei ihm ließ sich vielfach die Ladepritsche durch klappbare, schwenkbare oder aufsetzbare Teile zu einem offenen oder geschlossenen Aufbau mit zusätzlichen Sitzgelegenheiten wandeln.

Pritschenwagen sind von jeher weit verbreitet, weil sie einfach, preiswert und vielseitig verwendbar sind. [2]

In anderen Sprachen
čeština: Valník
dansk: Fladvogn
English: Flatbed truck
español: Camioneta
Nederlands: Semi-dieplader
norsk nynorsk: Plattbil
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Simple English: Flatbed truck
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