Präformationslehre

Spermien als präformierte Menschen, Zeichnung von Nicolas Hartsoeker, 1695

Die Präformationslehre oder Präformationstheorie (lat. prae ‚vor‘ und formatio ‚Gestaltung‘, ‚Bildung‘) ist eine entwicklungsbiologische Theorie, die in der Antike von dem griechischen Philosophen Anaxagoras vertreten wurde und in der Neuzeit im 17. Jahrhundert wieder auftrat und dann bis in das 19. Jahrhundert hinein vorherrschend war. Eine weitere, im 19. Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung war Evolutionslehre, wobei „Evolution“ (im Sinne von Entwicklung als reiner Wachstumsprozess) aber eine ganz andere Bedeutung hatte als heute.[1][2] Die Präformisten nahmen an, dass der gesamte Organismus im Spermium (Animalkulisten) bzw. im Ei (Ovisten oder Ovulisten) vorgebildet („präformiert“) sei und sich nur noch entfalten und wachsen müsse. Dem stand die Theorie der Epigenese gegenüber, wonach sich die Strukturen und Organe eines Organismus erst im Verlauf der Individualentwicklung ausbilden. Die Epigenese war seit der Antike und bis in das 17. Jahrhundert hinein die herrschende Meinung gewesen, wurde dann aber im Zuge der Aufklärung als nicht mehr plausibel durch präformistische Vorstellungen abgelöst. Erst im frühen 19. Jahrhundert konnte sie sich erneut als bis heute gültige Anschauung etablieren.

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