Potemkinsches Dorf

Als Potemkinsches Dorf (russisch потёмкинская деревня) – meist im Plural als Potemkinsche Dörfer, seltener auch Potemkin’sche Dörfer oder Potjomkinsche Dörfer (erlaubt ist laut Duden auch die Kleinschreibung: potemkinsche Dörfer usw.[1]) – wird Vorgetäuschtes bzw. die "Vorspiegelung falscher Tatsachen" bezeichnet:[1] Durch materiellen und/oder organisatorischen Aufwand („Attrappen“, Schauspieler usw.) wird die Illusion von vorweisbaren Erfolgen, Wohlstand usw. geschaffen. Die Bezeichnung geht zurück auf die unwahre Geschichte, dass Feldmarschall Potemkin (moderne Transkription: Potjomkin) Kulissen von Dörfern aufgestellt und angebliche Dorfbewohner von einem zum nächsten transportieren lassen habe, um Katharina die Große auf einer Reise über die Entwicklung bzw. den Wohlstand der eigentlich armen Gegend zu täuschen.

Ehemalige Schlossbrauerei in Kolín: nur die in der Regel sichtbare Seite (zum Elbeufer) wurde renoviert, der Rest blieb unberührt

Allgemeiner wird die Bezeichnung heute auch für gut „aussehende“ Objekte benutzt, die einen tatsächlich schlechten Zustand verbergen: Sie wirken ausgearbeitet und beeindruckend, doch fehlt es ihnen an Substanz. Insbesondere wird der Ausdruck zuweilen für Bauwerke oder Siedlungen eingesetzt, die an ihren Schauseiten attraktiv herausgeputzt werden, jenseits davon aber schäbig oder unbewohnt sind, also den Charakter einer Kulissenstadt haben. Anders als in der ursprünglichen Wortbedeutung wird dann also nicht die Existenz einer Sache vorgetäuscht, durchaus aber deren angeblich guter Zustand oder Wohlstand.

In anderen Sprachen
azərbaycanca: Potyomkin kəndi
беларуская (тарашкевіца)‎: Пацёмкінскія вёскі
español: Pueblo Potemkin
Bahasa Indonesia: Desa Potemkin
íslenska: Potemkin-þorp
norsk nynorsk: Potemkins kulisser
norsk: Potemkinby
română: Potemkiniadă
srpskohrvatski / српскохрватски: Potemkinova sela
slovenščina: Potemkinove vasi
српски / srpski: Потемкинова села
Türkçe: Potemkin köyü