Peripatos

Dieser Artikel behandelt die Philosophenschule des Aristoteles. Zum Weg unterhalb der Akropolis von Athen siehe Peripatos (Akropolis).
Ein Peripatos an der Akropolis in Athen

Peripatos ist der Name der philosophischen Schule des Aristoteles. Wie die anderen philosophischen Schulen Athens ( Akademie, Stoa, Kepos) erhielt sie ihren Namen von dem Ort, an dem der Unterricht stattfand, in diesem Fall vom Peripatos (περίπατος) für „Wandelhalle“. Entsprechend hießen die Angehörigen der Schule Peripatetiker. Heute werden die Begriffe „Peripatetiker“ bzw. das Adjektiv „peripatetisch“ praktisch ausschließlich im Sinne von „Vertreter / Anhänger der Lehre des Aristoteles“ bzw. „auf die Lehre des Aristoteles bezogen“ verwendet. Die populäre Etymologie, die diesen Namen direkt von peripatein (περιπατεῖν „umherwandeln“) ableitet, ist unzutreffend [1].

Geschichte des Peripatos

Aristoteles hatte im Jahr 335 vor Chr. seine Aufgabe als Erzieher des makedonischen Prinzen Alexander aufgegeben und war wieder nach Athen gekommen. Dort kehrte er nicht in die Platonische Akademie zurück, deren Angehöriger er siebzehn Jahre lang gewesen war, sondern lehrte zusammen mit seinem engen Freund und Mitarbeiter Theophrast am Lykeion, einem Park mit einem Gymnasion im Süden Athens außerhalb der Stadtmauern. Ob die Gründung einer eigenen philosophischen Schule noch in die Lebenszeit des Aristoteles fällt, ist in der Forschung umstritten. Wahrscheinlich lag die namengebende „Wandelhalle“ innerhalb des Lykeions, möglicherweise aber auch auf dem Grundstück, das Theophrast nach dem Tod des Aristoteles kaufte und in seinem erhalten gebliebenen Testament erwähnte. Die Bezeichnung „Peripatos“ selbst als Name der Schule ist erst nach Theophrast belegt.

Scholarchen nach Theophrast waren Straton von Lampsakos (Scholarch seit 288/287 oder 287/286 v. Chr.) und Lykon aus der Troas (seit 270/267 v. Chr.), Ariston von Keos (seit ca. 224 v. Chr.), Kritolaos aus Phaselis (Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr.) und Diodoros von Tyra (bis nach 110 v. Chr.). Nach Lykon bricht die doxographische Überlieferung ab, und es ist wahrscheinlich, dass die Schule im ersten Jahrhundert v. Chr. aufhörte zu existieren; wahrscheinlich wurden die Anlagen im mithridatischen Krieg im Jahr 86 v. Chr. zerstört. In der Forschungsliteratur vor 1972 werden oft noch zahlreiche weitere angebliche Schulleiter genannt, die aber nicht im strengen Sinn als Vorsteher der von Aristoteles oder Theophrast gegründeten Schule gelten können.

Der Peripatos befasste sich mit den Gegenständen, die auch Aristoteles behandelt hatte, doch hatte nur Theophrast einen gleichermaßen weiten Gesichtskreis. Die übrigen Angehörigen der Schule konzentrierten sich auf Einzelwissenschaften, die Philosophie im engen Sinne wurde eher vernachlässigt. Aus der ersten Schülergeneration sind die Titel zahlreicher historischer Arbeiten überliefert, doch sind keine vollständigen Werke erhalten. Weitgehend erhalten sind nur zwei Schriften über Harmonik und Rhythmik von Aristoxenos, die ihn als bahnbrechenden Musik-Mathematiker ausweisen. Straton war der letzte Peripatetiker, der als Wissenschaftler Bedeutendes leistete. Neben und nach ihm verfiel die Schule in populärwissenschaftliche und vielfach auch unwissenschaftliche rhetorische Vielschreiberei.

Seit der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr. erweiterte sich die Bedeutung der Ausdrücke „Peripatetiker“ und „peripatetisch“, die jetzt nicht mehr nur die Angehörigen der Athener Schule des Peripatos bezeichneten, sondern jeden Autor, dessen Schriften sich der von den Peripatetikern begründeten literarischen Formen der Biographie und der Literaturgeschichte zuordnen ließen.

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