Motiv (Literatur)

Das Motiv (französisch motif „Beweggrund, Antrieb“; mittellateinisch motivum aus lateinisch movere „bewegen“, motus „Bewegung“) in der Literatur ist, der Malerei und der Musik entlehnt, ein erzählerischer Baustein, „eine kleinere stoffliche Einheit, die zwar noch nicht einen ganzen Plot, eine Fabel, umfasst, aber doch bereits ein inhaltliches, situationsmäßiges Element darstellt“[1].

Das Motiv ist von innerer (struktureller) Einheit, ohne jedoch eine Handlung oder einen Inhalt zu konkretisieren. „Es ist […] der elementare, keim- und kombinationsfähige Bestandteil eines Stoffes“[2], ist ein „Akkord“, ein „Handlungsansatz“, ohne an „feststehende Namen und Ereignisse gebunden […] zu sein“[3]. So findet sich beispielsweise das Motiv der Feindesliebe von der Figur des biblischen Jesus bis in Werfels Roman Verdi, das des Verbrechens, das ans Licht kommt, von SophoklesOedipus tyrannos über Hartmanns von Aue Gregorius bis zu Dostojewskijs Schuld und Sühne, das des Mannes zwischen zwei Frauen von der Figur des Abraham bis zu Martin Walsers Figur des Gottlieb Zürn in Der Augenblick der Liebe oder das Motiv der feindlichen Brüder von den biblischen Figuren Kain und Abel über Romulus und Remus bis zu Schillers Die Räuber.

Die inhaltliche Grundform des Motivs kann dabei in der Regel schematisiert beschrieben werden, beispielsweise als Motiv der Dreiecksbeziehung, des unbekannten Heimkehrers oder des Doppelgängers bzw. der feindlichen Brüder. Gleiches gilt für das Typusmotiv, beispielsweise das des Einzelgängers, des Bohémiens usw., wie auch für das Raum- und Zeitmotiv, beispielsweise das der Ruine, des Wettlaufs mit der Zeit, des Unterweltbesuchs oder des Wiedererkennens (Anagnorisis) usw.[4]

In anderen Sprachen
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