Morganatische Ehe

Als morganatische Ehe (lateinisch matrimonium ad morganaticam, mittellateinische Neubildung zu althochdeutsch *morgangebaMorgengabe“) oder Trauung zur linken Hand wird eine Form der Eheschließung im europäischen Adel bezeichnet, bei der ein Ehepartner – meistens die Frau – von niedererem gesellschaftlichen Stand war als der andere („Nichtebenbürtigkeit“, siehe auch Hypergamie: „Hinaufheiraten“).

Eine morganatische Heirat erfolgte oft mit der Absicht des Mannes, die bestehende Liebesbeziehung zu einer Mätresse als öffentlich anerkanntes Verhältnis zu legitimieren. Von einigen regierenden Königen und Fürsten wurde eine morganatische Ehe als neue Liebesheirat nach dem Tod ihrer ersten, „standesgemäßen“ Ehefrau eingegangen, wenn sie bereits Kinder hatten, um die vorgesehene Thronfolge sicherzustellen. In anderen Fällen wurde eine morganatische Ehe geschlossen, um mögliche dynastische Verwicklungen durch eine (erneute) standesgemäße Heirat zu vermeiden. Diese Möglichkeit stand besonders jüngeren Söhnen von Herrscherhäusern zur Verfügung, wenn sie und ihre Nachkommen aufgrund des bestehenden Erstgeburtsrechts des ältesten Sohnes nicht für die Thronfolge vorgesehen waren.

Da nach dem Tod des Ehemannes seine Witwe und Nachkommen zumeist nicht erbberechtigt waren, musste ihre finanzielle Versorgung bereits zu Lebzeiten durch einen entsprechenden Ehevertrag abgesichert werden, daher auch die Bezeichnung matrimonium ad morganaticam oder „Ehe auf bloßer Morgengabe“. Die Rechtsform der morganatischen Ehe wurde 1919 in Deutschland abgeschafft.

In anderen Sprachen