Mit brennender Sorge

Umschlag des Rundschreibens Pius XI. über die Lage der katholischen Kirche im Deutschen Reich
Erste Seite der Enzyklika Mit brennender Sorge, Ausgabe aus dem Bistum Speyer, mit einem Vorsatz von Bischof Ludwig Sebastian, gedruckt in der Jägerschen Druckerei Speyer, die deshalb enteignet wurde.

Mit brennender Sorge ist eine Enzyklika von Papst Pius XI. Sie ist in deutscher Sprache verfasst. Die Enzyklika wurde am 14. März 1937 unterzeichnet und am 21. März veröffentlicht. Das päpstliche Rundschreiben behandelt die bedrängte Lage der römisch-katholischen Kirche im damaligen Deutschen Reich und verurteilt Politik und Ideologie des Nationalsozialismus.

Vorgeschichte

Ausgangspunkt für das Schreiben war die Lage der katholischen Kirche im nationalsozialistisch beherrschten Staat nach dem Abschluss des Reichskonkordats aus dem Jahre 1933. Es war aufgrund der Politik Hitlers und seiner Reichsregierung immer wieder zu Protestnoten des Heiligen Stuhls über die in Artikel 31 des Konkordats garantierte Betätigungsfreiheit der katholischen Organisationen gekommen, die durch Maßnahmen der Gleichschaltung bedroht waren. Weiter gab die päpstliche Diplomatie wiederholt ihrer Sorge über Schwierigkeiten bei den Konfessionsschulen und der Priesterausbildung sowie der Gottesleugnung z. B. durch die Schriften des führenden NSDAP-Ideologen Alfred Rosenberg Ausdruck. Als auch zahlreiche Beschwerdeschreiben der deutschen Bischöfe und eine persönliche Vorsprache des Erzbischofs von München und Freising Michael von Faulhaber bei Adolf Hitler ohne Ergebnis blieben, beriet die Vollversammlung der Bischofskonferenz im Januar 1937 über das weitere Vorgehen. Dabei konnten die Bischöfe keine Einigung erzielen, ob die bisherige Politik der Beschwerdeschreiben fortgesetzt werden oder ob man an die Öffentlichkeit gehen sollte. Letztere Position vertraten insbesondere der Bischof von Münster Clemens August Graf von Galen und der Bischof von Berlin Konrad Graf von Preysing.

Die Stellung, Situation und Haltung der katholischen Kirche veränderte sich mit der Machtübergabe an die NSDAP und dem Abschluss des Reichskonkordats 1933 erheblich. Bis zu diesem Jahr war eine völlig ablehnende Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus zu erkennen. Mitglieder der NSDAP wurden in manchen Diözesen weder zu den Sakramenten zugelassen noch kirchlich beerdigt.

Als am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt und die NSDAP somit zur herrschenden Partei wurde, fürchtete ein großer Teil des Klerus, die Gunst der Regierenden zu verlieren. In einem Pastoralaufruf der Fuldaer Bischofskonferenz vom 28./29. März 1933 wurden die Gläubigen „zur Treue gegenüber der rechtmäßigen Obrigkeit und zur gewissenhaften Erfüllung staatsbürgerlicher Pflichten“ ermahnt.

Hitler und die katholische Kirche schlossen am 20. Juli 1933 das Reichskonkordat ab. Dieser Vertrag garantierte der Kirche freie Religionsausübung, Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach an Schulen und Schutz ihrer Geistlichen, Orden sowie katholischen Organisationen. Es verpflichtete sie gleichzeitig jedoch, nur auf kultureller, geistlicher und karitativer Ebene tätig zu werden. Eine aktive Einbindung in die Politik war dadurch ausgeschlossen. Hitlers Ziel war es, die Bedenken von Kritikern und kirchlicher Kreise zu überwinden, sich Zustimmung und Loyalität zu sichern und einen außenpolitischen Erfolg verzeichnen zu können. Er hatte durch diese geschickte Diplomatie den Heiligen Stuhl vorerst nicht gegen sich.

Die katholischen Verbände erhielten durch das Konkordat eine Atempause, da die Repressionen ihnen gegenüber tatsächlich kurzfristig abflauten. Auch wenn die Nationalsozialisten schon wenige Wochen nach dem Konkordatsabschluss den Kampf gegen den Verbandskatholizismus wieder aufnahmen, schützen die Vereinbarungen des Artikels 31 die Verbände insofern, als sie bis zum Ende des Regimes einer vollkommenen Gleichschaltung entgingen und organisatorisch Reste von Eigenständigkeit bewahren konnten, obwohl ihre Mitgliederzahl durch Druck des Regimes beständig abnahm. Voraussetzung für die Weiterexistenz war freilich die politische Enthaltsamkeit der Verbände. Tatsächlich zogen sich etwa die großen sozialen Organisationen verstärkt in den Binnenraum der Kirche zurück.

Andererseits begannen 1936 Sittlichkeitsprozesse gegen Ordensangehörige und Priester wegen verschiedener Sexualdelikte ( homosexuelle Betätigung, sexueller Mißbrauch von Kindern oder Schutzbefohlenen usw.), mit denen die Kirche insgesamt diskreditiert und Geistliche allgemein als Sittenlose und Verderber der Jugend hingestellt werden sollten. [1] Kirchliche Beschwerdeschreiben wurden ignoriert, Religion für Propaganda missbraucht ( Nationalsozialistischer Weihnachtskult, Hitlergebete, Umfunktionierung von kirchlichen in parteiliche Organisationen) und die Handlungsfreiheit der Kirche stark eingeschränkt.