Mexikanische Literatur

Die mexikanische Literatur ist die spanischsprachige Literatur Mexikos und als solche Teil der hispanoamerikanischen Literatur. Sie ist eine der umfangreichsten, profiliertesten und nicht erst seit der Verleihung des Nobelpreises 1990 an Octavio Paz international bekanntesten Literaturen Lateinamerikas. Vor dem Hintergrund der extremen gesellschaftlichen Diversität Mexikos ist sie durch zahlreiche philosophisch-kulturelle Kontroversen, eine schwierige Suche nach Identität und von der Kolonialzeit bis heute immer wiederkehrende Forderungen nach Gerechtigkeit und Wiedergutmachung geprägt. [1]

In den Vereinigten Staaten gibt es seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine Literatur von mexikanischen Immigranten in spanischer Sprache, die sog. Chicano-Literatur, die nicht Gegenstand dieses Artikels ist.

Vorkolumbianische Literaturen

Die bilderschriftliche Hinterlassenschaft der vorkolumbianischen Kulturen Mexikos in Form von Wandmalereien und einiger weniger Codizes wurde außer von einigen Klerikern, die die Reste vor der Inquisition retteten, lange Zeit ignoriert. Die Maya verfügten offenbar über Chroniken in Hieroglyphenschrift, die über die Geschichte des schon im Niedergang begriffenen Volkes berichteten. Der größte Teil der Maya-Literatur und der Bilderschriften wurde von der spanischen Inquisition unter Diego de Landa zerstört. Heute geben vor allem Popol Vuh (Buch des Rates) und Chilam Balam (Prophet Jaguar), die erst zur Zeit der spanischen Kolonisation seit dem 16. Jahrhundert in den Sprachen der Quiché in Guatemala bzw. der Maya Yucatáns mit lateinischen Buchstaben aufgezeichnet wurde, Aufschluss über die Mythologie und Geschichte der Maya.

Der Chichimekenherrscher Nezahualcóyotl hinterließ in mündlicher Form überlieferte Hymnen, von denen einige von spanischen Mönchen niedergeschrieben wurden. Von den Zapoteken und anderen Hochkulturen sind keine schriftlichen Zeugnisse überliefert.

Bei verschiedenen in der klassischen Sprache der Azteken, dem Nahuatl, überlieferten Texten ist unklar, inwieweit die Bearbeitung durch Missionare den ursprünglichen Charakter verfälscht hat und ob sie ursprünglich den Charakter von in metrischem Stil verfassten (Helden-)Epen oder Sagas trugen. Dazu gehören die Annalen von Tlatelolco (eine als Manuskript von 1558 überlieferte Chronik) sowie die Crónica Mexicayotl. [2] Erst im 20. Jahrhundert ließen sich moderne Autoren wieder vom Erbe der Azteken anregen. [3]