Manchester

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Manchester (Begriffsklärung) aufgeführt.
City of Manchester
Sehenswürdigkeiten Manchesters
Sehenswürdigkeiten Manchesters
Koordinaten 53° 29′ N, 2° 14′ WKoordinaten: 53° 29′ N, 2° 14′ W
OS National Grid SJ838980
City of Manchester (England)
City of Manchester
City of Manchester
Einwohner 520.215 (Stand: 30. Juni 2014)
Fläche 115,65 km² (44,65  mi²)
Bevölkerungs­dichte 4498 Vorlage:Infobox Ort im Vereinigten Königreich/Pop-Den
Verwaltung
Postleitzahlen­abschnitt M
Vorwahl 0161
Landesteil England
Region North West England
Shire county Greater Manchester
ONS-Code 00BN
Website: manchester.gov.uk
Politik
Status Metropolitan Borough
City (1853)
Oberbürgermeister: Carl Austin-Behan (Lord Mayor), 2016
Rat der Stadt:
(96 Sitze)
94
1
1
94 
Von 96 Sitzen entfallen auf:

Manchester [ ˈmantʃɪstə] [1] ist eine Stadt im Nordwesten von England im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland mit dem Status eines Metropolitan Borough sowie einer City. Sie hat mehr als 520.000 Einwohner und liegt im Zentrum des Metropolitan County Greater Manchester, einer der größten Agglomerationen in England mit 2,7 Mio. Einwohnern (2012). Die Einwohner Manchesters werden „Mancunians“ oder verkürzt „Mancs“ genannt.

Geschichte

Bronze und Eisenzeit

Vor der Invasion Britanniens durch die Römer lag das heutige Stadtgebiet im Territorium des keltischen Stammes der Briganten. Gnaeus Iulius Agricola ließ 79 n. Chr. am Zusammenfluss von Irwell und Medlock ein Kastell errichten mit Namen Mamucium, lateinisch für „brustförmiger Hügel“. Der Wortteil chester bedeutet Lager (castrum). Nachdem die Römer im Jahr 407 Großbritannien verlassen hatten, war die Gegend unbewohnt, bis sich im 7. Jahrhundert die Angelsachsen niederließen. Sie gründeten ein Dorf mit dem Namen Mameceaster, woraus sich Manchester entwickelte.

Die Ruinen der römischen Befestigung waren bis zum 18. Jahrhundert sichtbar und wurden beim Bau einer Haupteisenbahnlinie endgültig beseitigt. Ein Nachbau des römischen Kastells wurde im Stadtteil Castlefield errichtet.

Mittelalter und Neuzeit

Das kleine Dorf Manchester stieg im 13. Jahrhundert zu einer Marktsiedlung auf und erhielt im Jahre 1222 das Recht, Jahrmärkte durchzuführen. Im Jahr 1301 folgte das Recht auf Selbstverwaltung. Im 14. Jahrhundert ließen sich Einwanderer aus Flandern nieder und begründeten die Tradition der Wollverarbeitung und Leinenherstellung. Dank dieser Gewerbezweige war Manchester im 16. Jahrhundert ein florierender Marktort geworden. Die Stadtkirche, seit 1847 die Kathedrale der Diözese Manchester, wurde zwischen 1421 und 1506 erbaut. Das Wachstum erhielt um 1620 einen weiteren Schub durch die Einführung der Baumwollweberei.

Als 1642 der Englische Bürgerkrieg ausbrach, stand Manchester auf der Seite des Parlaments. Die Stadt wehrte sich erfolgreich gegen eine Belagerung der königlichen Truppen, obwohl sie keine Stadtmauern besaß. Als die Royalisten nach 1660 wieder an die Macht gelangten, verlor Manchester sämtliche Sitze im Parlament und war fast zweihundert Jahre lang nicht mehr vertreten. Trotz des verlorenen politischen Einflusses nahm die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt weiter zu.

Industrielle Revolution

Manchester spielte eine Schlüsselrolle während der Zeit der Industriellen Revolution. Die zahlreichen Bäche, die in den Pennines nördlich und östlich der Stadt entsprangen, waren ideal für die Errichtung von Baumwollspinnereien, die durch Wasserkraft angetrieben wurden. Die Stadt profitierte außerdem von der Nähe zum Hafen in Liverpool.

Nach der Erfindung der Dampfmaschine waren die Baumwollspinnereien nicht mehr länger auf die Wasserkraft angewiesen und in der Folge entstanden noch größere Betriebe in der Stadt selbst sowie in den umliegenden Dörfern und Städten. Viele Bewohner ländlicher Gegenden zogen auf der Suche nach Arbeit nach Manchester. Innerhalb weniger Jahrzehnte stieg die Bevölkerungszahl um ein Vielfaches an und Manchester wurde zum wichtigsten industriellen Zentrum der Welt.

Die Eröffnung des Bridgewater-Kanals, eines Narrowboat- Kanals, der von den Kohlegruben des Duke of Bridgewater in Worsley bis nach Manchester führte, stellte einen Verkehrsweg zur Verfügung, der für den sicheren und preiswerten Transport von Kohle für die Dampfmaschinen und die Haushaltungen in Manchester einerseits und andererseits für den Abtransport von Fabrikgütern aus Manchester sorgen konnte.

Das ungebremste Bevölkerungswachstum brachte die Stadt an die Grenzen der Belastbarkeit. Die meisten Arbeiter wurden zu Hungerlöhnen angestellt und mussten in erbärmlichen Zuständen leben. So kam es 1797 als Folge einer Rezession in der Textilindustrie zu Aufständen und Plünderungen.

19. Jahrhundert

Alt und Neu. Der Innenstadtbezirk Castlefield; im Hintergrund der Beetham Tower

Die fehlende Vertretung im Parlament hatte zur Folge, dass die Bevölkerung radikalen politischen Ideen gegenüber sehr aufgeschlossen war. 1819 kam es zum Peterloo-Massaker. Nach der Parlamentsreform von 1832 durfte die Stadt wieder Abgeordnete ins Unterhaus entsenden. Manchester blieb ein bedeutendes Zentrum für radikale politische Ideen. Von 1842 bis 1844 und erneut von 1850 bis 1870 lebte hier der deutsche Journalist und Schriftsteller Friedrich Engels und schrieb sein einflussreiches Buch „ Die Lage der arbeitenden Klasse in England“. 1839 gründete Richard Cobden die Anti-Corn Law League für Freihandel und zur Abschaffung von Zöllen (besonders Zölle auf importiertes Getreide). 1846 gelang die Abschaffung der Corn Laws. Cobden wurde damit zur Symbolfigur des Manchesterliberalismus.

Zahlreiche Kultur- und Bildungsinstitutionen wurden gegründet, so z. B. die Manchester Literary and Philosophical Society (1781), die Portico Library (1803), die Royal Manchester Institution (1823), die heutige University of Manchester Institute of Science and Technology (1824) und die Victoria University of Manchester (1851). 1847 entstand die Diözese Manchester der Church of England. 1853 wurde Manchester offiziell eine Stadt.

Die blühende Textilindustrie führte zu einer Expansion der Stadt und zur Bildung eines breiten Vorortgürtels. Vor allem der Bau von Eisenbahnen und Kanälen trug zum Wachstum bei. 1829 baute George Stephenson die erste Eisenbahn von Liverpool nach Manchester ( Liverpool and Manchester Railway). Der Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkriegs im Jahr 1861 hatte eine sofortige Verknappung der Baumwolle zur Folge, was die Textilindustrie in eine tiefe Krise stürzte. Um die Abhängigkeit vom Hafen von Liverpool zu verringern, wurden zahlreiche Kanäle gebaut, allen voran der 1894 eröffnete Manchester Ship Canal. Dadurch wurde Manchester zur drittgrößten Hafenstadt Großbritanniens, trotz der Entfernung von 64 Kilometern zum Meer. Offiziell nahm Queen Victoria die Freigabe des Bauwerks für den Schiffsverkehr am 21. Mai 1894 vor, doch war die künstliche Wasserstraße schon ab dem 1. Januar in Betrieb. [2]

20. und 21. Jahrhundert

The Printworks

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts veränderte sich die Wirtschaftsstruktur der Stadt. 1910 wurde Trafford Park eröffnet, die erste eigens zu diesem Zweck geschaffene Industriezone der Welt. Hier siedelten sich u. a. Ford und Westinghouse an. 1931 wurde die höchste Bevölkerungszahl von 766.311 Einwohnern erreicht. Die Weltwirtschaftskrise traf die Stadt hart, die Textilindustrie sank fast zur Bedeutungslosigkeit herab. Während des Zweiten Weltkriegs wurden in Manchester die Avro-Flugzeuge gebaut, weshalb die Stadt immer wieder Ziel von Luftangriffen war. Aufgrund dessen ist in der Stadt nur noch wenig alte Bausubstanz anzutreffen und die Stadt ist größtenteils modern im Stil der Nachkriegsjahre geprägt

Nach dem Krieg übernahm Manchester erneut eine Führungsrolle, diesmal in der Informatik. Der „Vater“ der modernen Computer, Alan Turing, lehrte an der Universität Manchester. 1948 entstand aus seinen Ideen die Small-Scale Experimental Machine, der erste auf der Von-Neumann-Architektur basierende Computer. 1949 folgte der Manchester Mark I, woraus sich der Ferranti Star entwickelte, einer der ersten kommerziellen Computer. Das Filmstudio Mancunian Films nahm 1947 den Betrieb auf und wurde 1954 von der BBC übernommen. Im gleichen Jahr wurde auch Granada TV gegründet, eine der Hauptstützen von ITV, die u. a. die seit Jahrzehnten laufende Seifenoper Coronation Street produziert.

Diese Diversifikation konnte den Niedergang der Industrie zwar nicht verhindern, aber zumindest abfedern. Die Bevölkerungszahl ging zurück: Zählte man 1971 noch 543.868 Einwohner, so waren es 2001 nur noch 422.302. In den 1950ern und 1960ern waren alte, überbevölkerte Viertel großflächig abgerissen und durch Hochhaussiedlungen ersetzt worden. Diese wiederum werden seit den späten 1980er Jahren zu einem Großteil wieder abgerissen.

Mittlerweile steigt die Einwohnerzahl von Manchester wieder an. Alleine im Stadtzentrum hat sich die Einwohnerzahl von 2.000 auf mehr als 12.000 erhöht. Dies wird als großer Erfolg im Zuge der Regenerierung der Innenstadt gewertet. Im Jahr 2015 rechnet man in der Innenstadt wieder mit einer Einwohnerzahl von mehr als 20.000.

Vor 1974 gehörte das Ballungsgebiet um Manchester zu den Grafschaften Cheshire and Lancashire, daneben existierten zahlreiche eigenständige County Boroughs. Das Gebiet wurde informell SELNEC genannt („South East Lancashire North East Cheshire“). 1974 wurde das Metropolitan County Greater Manchester eingerichtet. 1986 wurde der Rat und die Verwaltung von Greater Manchester wieder abgeschafft.

Am 15. Juni 1996 um 11:20 Uhr explodierten 1500 kg Sprengstoff im Zentrum Manchesters. Die IRA hatte diese Bombe in einem Lieferwagen in der Corporation Street nahe der Einkaufsstraße Market Street platziert. Dies war die größte IRA-Bombe, die jemals in England detoniert war. 90 Minuten vor der Explosion informierte die IRA die Behörden über den bevorstehenden Anschlag, so dass 80.000 Menschen evakuiert werden konnten. Es gab zwar keine Toten, jedoch 206 Verletzte, vor allem durch Glassplitter. Der Anschlag zerstörte 50.000 m² Einkaufsfläche und 25.000 m² Bürofläche. [3] Seit dem Anschlag wurde die gesamte Umgebung komplett renoviert. Ein Briefkasten außerhalb Marks & Spencer in der Corporation Street überstand den Anschlag beinahe unversehrt und wurde mit einer kleinen Gedenktafel versehen.

Als Folge der Wiederaufbaumaßnahmen und einer günstigen Wirtschaftsentwicklung hat die gesamte Innenstadt Manchesters in den Jahren um 2000 einen bedeutenden Aufschwung erfahren. Das Stadtbild wird seitdem durch Kaufhäuser der gehobenen Klasse sowie Luxuswohnungen und futuristische Architektur mitgeprägt. Manchester erhielt 2003 von der Europäischen Union den Preis für den besten Strukturwandel einer europäischen Großstadt.

Manchester bewarb sich erfolglos für die Durchführung der Olympischen Sommerspiele 1996 sowie der Olympischen Sommerspiele 2000. Stattdessen fanden in der Stadt die Commonwealth Games 2002 statt.

Am 22. Mai 2017 gab es ein Sprengstoff-Attentat bei einer Musikveranstaltung in der Manchester Arena. Bei diesem Konzert der amerikanischen Sängerin Ariana Grande tötete der mutmaßliche Attentäter, ein in Manchester geborener Sohn einer libyschen Familie, sich selbst und 22 Konzertbesucher, darunter viele Kinder und Jugendliche, und verletzte viele weitere.

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