Königreich Italien (1861–1946)

Königreich Italien
Regno d’Italia
1861–1946
Flagge des Königreiches Italien Großes Wappen Italiens 1890–1929/44-46
Kleines Wappen Italiens 1890–1929/44–46
Flagge Wappen
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State Flag of Greece (1863-1924 and 1935-1970).svg
Wahlspruch FERT FERT FERT [1]
Verfassung Staatsgrundgesetz des Königreichs Italien
(Statuto Albertino)
Amtssprache Italienisch
Hauptstadt Turin (1861–1864)
Florenz (1864–1871)
Rom (1871–1946)
Staatsform Königreich
Regierungssystem Parlamentarische Monarchie (1861–1925 und 1943–1946)
monarchisch- faschistische Einparteiendiktatur (1925–1943)
Staatsoberhaupt König:
Viktor Emanuel II. (1861–1878)
Umberto I. (1878–1900)
Viktor Emanuel III. (1900–1946)
Umberto II. (1946)
Regierungschef Ministerpräsident
siehe Präsident des Ministerrats
Fläche 310.196 km² (1936)
Einwohner 42.994.000 (1936)
Bevölkerungsdichte 138,6 EW/km² (1936)
Währung Italienische Lira
Gründung 17. März 1861
(Ausrufung Viktor Emanuels II. als König von Italien)
Auflösung 3. Juni 1946
(Volksabstimmung zur Staatsform)
Nationalhymne Marcia Reale
Zeitzone MEZ
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Gebiete und Kolonien des Königreiches Italien 1941:

Das Königreich Italien ( italienisch Regno d’Italia) war ein Staat in Südeuropa, welcher von 1861 bis 1946 auf dem Gebiet der heutigen italienischen Republik und Teilen derer Nachbarstaaten bestand. Während dieses Zeitraums war Italien (formal auch während der Zeit des Italienischen Faschismus von 1922 bis 1943) eine zentralistisch organisierte, am monarchischen Prinzip ausgerichtete konstitutionell- parlamentarische Monarchie.

Die Gründung des Königreichs 1861 erfolgte im Zuge der Risorgimentobewegungen, in deren Endphase mit der Proklamation des sardinischen Königs Viktor Emanuel II. zum König von Italien am 17. März 1861 in Turin der erste moderne italienische Nationalstaat unter der Herrschaft des Hauses Savoyen entstanden war. 1866 erklärte er dem Kaisertum Österreich den Krieg und erwarb Venetien mit Friaul. 1871 folgte der Kirchenstaat mit Rom, womit die italienischen Unabhängigkeitskriege endeten.

Nach einer liberaleren politischen Phase stieg das Königreich Italien unter König Umberto I. 1878 zur Großmacht auf und beteiligte sich ab den 1880er Jahren am kolonialen Wettlauf um Afrika, wo es mehrere Kolonialkriege in Ostafrika und von 1911 bis 1912 um das spätere Italienisch-Libyen einen Krieg gegen das Osmanisches Reich führte. 1882 wurde mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn die Allianz des Dreibundes geschlossen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte sich Italien von einem Agrarstaat zum, zusammen mit Frankreich und Österreich-Ungarn, bedeutendsten Industrieland des Mittelmeerraums gewandelt. Es kam unter Umbertos Nachfolger Viktor Emanuel III. (ab 1900) in den großen industriellen Ballungszentren Oberitaliens zum Aufstieg der organisierten Arbeiterschaft und des Bürgertums sowie von Massenverbänden und -parteien. Im Süden hielt der wirtschaftliche Aufschwung dagegen nur langsam Einzug.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 erklärte Italien seine Neutralität. Nach dem Londoner Vertrag von 1915, in dem umfassende territoriale Zugeständnisse vereinbart wurden, folgte im gleichen Jahr der Kriegseintritt an der Seite der Entente. Nach der Schlacht von Vittorio Veneto 1918, die maßgeblich zur Auflösung des Habsburgerreiches beitrug, gehörte das Königreich zu den Hauptsiegermächten und hatte im Völkerbundsrat einen ständigen Sitz inne.

Das Ende des Weltkriegs löste 1919 eine schwere Staatskrise aus. In dieser übernahm die Nationale Faschistische Partei unter Benito Mussolini mit dem Marsch auf Rom 1922 die Macht und höhlte die Demokratie bis 1926 schrittweise aus. Das faschistische Regime begann nach einer Zeit der Anlehnung an die westlichen Demokratien und der inneren Konsolidierung, die durch einen enormen Wirtschaftsaufschwung und die seit 1923 laufende Wiedereroberung Libyens geprägt war, eine aggressive Außenpolitik. Nach der Überwindung der Weltwirtschaftskrise von 1929 begann 1935 die italienische Eroberung Äthiopiens, die der Westen mit Wirtschaftssanktionen beantwortete. Italien war international isoliert. Ab 1936 wandte sich Italien Nazideutschland zu. Dieses unterstützte wiederum die angestrebte italienische Vormachtstellung im Mittelmeer und auf der Balkanhalbinsel. 1936 wurde das spätere Bündnis der Achsenmächte begründet und bis 1939 intervenierten beide Staaten zusammen im spanischen Bürgerkrieg zugunsten der Putschisten unter Francisco Franco. Bis 1939 hielt Italien in diesem die Balearischen Inseln besetzt. Dieser Prozess ging mit einer zunehmenden Ideologisierung und Radikalisierung des Regimes einher. 1937 wurden die Italienischen Rassengesetze für die Kolonien erlassen, welche hauptsächlich die einheimische Bevölkerung in den Kolonien entrechteten, und die Zwangs italianisierung der ethnischen Minderheiten verschärft. Ab 1938 folgten die antisemitischen Rassengesetze.

Nach dem Anschluss Österreichs und dem Münchner Abkommen 1938 okkupierten italienische Truppen 1939 Albanien. Dank dem deutschen Sieg im Westfeldzug konnten Teile Südfrankreichs besetzt werden. Ende 1940 geriet der italienische Überfall auf Griechenland zum Desaster. Erfolgreicher verlief zunächst die Offensive auf Ägypten, nicht so der Kampf um Britisch-Somaliland. Wiederum dank deutscher Unterstützung konnten 1941 bis 1943 Teile des Balkans und ab 1942 Tunesien und Korsika besetzt werden. Italien beteiligte sich auch am Überfall auf die Sowjetunion. Die ab Sommer 1941 schnell aufeinanderfolgenden Niederlagen in Ostafrika, Nordafrika und der Sowjetunion entzogen dem faschistischen Regime und der Monarchie den Rückhalt in der Bevölkerung. Dazu kamen ab 1942 Luftangriffe der Briten auf norditalienische Städte. In den besetzten Gebieten, insbesondere auf dem Balkan, kam es währenddessen zu zahlreichen Kriegsverbrechen. Am Holocaust beteiligte sich das Königreich Italien dagegen nicht und wurde Zufluchtsort für zahlreiche verfolgte Juden aus den besetzen deutschen Gebieten. Die alliierte Landung auf Sizilien 1943 bewirkte im Juli den Sturz der faschistischen Diktatur und im Waffenstillstand von Cassibile schied Italien aus dem Achsebündnis aus. Am 13. Oktober 1943 erfolgte der erneute Kriegseintritt auf der Seite der Alliierten. Die Wehrmacht besetzte daraufhin den Norden des Landes und errichtete mit der Italienischen Sozialrepublik ein Marionettenregime, welches unter der formalen Führung des alten faschistischen Regimes bis zum Frühjahr 1945 bestand.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs musste die italienische Monarchie den Verlust ihres Kolonialreiches und der Besitzungen in Istrien und Dalmatien durch Jugoslawien hinnehmen und eine Wirtschaftskrise, welche durch einen erheblichen Rückgang der Industrieproduktion, Lebensmittelknappheit und der Zerstörung von weiten Teilen der Infrastruktur in Nord- und Mittelitalien ausgelöst worden war, überwinden. Im Mai 1946 dankte Viktor Emanuel III. zugunsten seines Sohnes Umberto II. ab. Dieser regierte nur 33 Tage. Am 2. Juni 1946 wurde die Monarchie nach einem Referendum abgeschafft und die italienische Republik ausgerufen, welche 1947 alle Ansprüche auf Istrien und die ehemaligen Kolonien aufgab, 1948 den italienischen Adel rechtlich abschaffte und die Savoyer ins Exil schickte.

In anderen Sprachen
Alemannisch: Königreich Italien
aragonés: Reino d'Italia
azərbaycanca: İtaliya Krallığı
български: Кралство Италия
Esperanto: Itala reĝlando
македонски: Кралство Италија
norsk nynorsk: Kongedømet Italia
sicilianu: Regnu d'Italia
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Kiswahili: Ufalme wa Italia
Tiếng Việt: Vương quốc Ý