Hochdeutsche Dialekte

Die hochdeutschen Dialekte befinden sich südlich der Benrather Linie (vereinzelt wird auch die Uerdinger Linie zur Trennung genommen) und zerfallen wiederum in mittel- und oberdeutsche Subdialekte. Sie umfassen regionale Sprachvarietäten der höher gelegenen Gebiete des deutschen Sprachraumes und weisen als gemeinsames Charakteristikum die vollständig oder teilweise durchgeführte zweite oder (alt)hochdeutsche Lautverschiebung auf. Die Zugehörigkeit des (untergegangenen) Langobardischen zu den hochdeutschen Dialekten gilt heute allgemein als umstritten, da sein Lautstand eher den mittelfränkischen Dialekten ähnelte. Auch sei die Langobardische Lautverschiebung laut Otto Höfler vielmehr parallel zur hochdeutschen verlaufen. [1]

Die allgemein gebräuchliche Kurzbezeichnung Hochdeutsch kann leicht missverstanden werden, da sie von den meisten Sprechern gleichbedeutend mit Standarddeutsch bzw. Schriftdeutsch gebraucht wird. In diesem Artikel geht es beim Hochdeutschen im Sinne einer regionalen Sprachvarietät in den höher gelegenen Gebieten des deutschen Sprachraums, das sich in einem engen Dialektkontinuum mit den nördlich von ihm befindlichen niederdeutschen und den niederländischen Dialekten befindet.

Begriff

Zu den Sprachen, die aus hochdeutschen Mundarten entstanden sind, gehören das Standarddeutsche (meist einfach „Deutsch“ oder „Schriftdeutsch“ genannt), das Jiddische und das Luxemburgische. Die heutige hochdeutsche Schriftsprache ist in den vergangenen 500 Jahren seit der Erfindung des Buchdrucks entstanden und verdrängt allmählich in mehreren zeitlichen Schüben die deutschen „Sprechsprachen“.

Hochdeutsche Dialekte (Mundarten) werden in den mittleren und südlichen Gebieten des deutschen Sprachraums ( Deutschlands), in Österreich und Südtirol ( Italien), der Schweiz, in Liechtenstein, Luxemburg, im Elsass und in Lothringen ( Frankreich), in Ostbelgien und punktuell noch in Oberschlesien ( Polen) gesprochen. Darüber hinaus gibt es hochdeutsche Sprachinseln, beispielsweise in den USA, in Russland oder in Rumänien.

Das hoch in der Bezeichnung hochdeutsche Dialekte bezieht sich auf die Mundarten in den höhergelegenen (bergigen) Regionen des mittleren und südlichen deutschen Sprachraums, im Gegensatz zum nieder in der Bezeichnung niederdeutsche Dialekte, das sich auf die tiefer gelegenen, flachen Regionen im Norden des deutschen Dialektraums bezieht. Die Begriffe tauchen bei Übertragungen vom Hochdeutschen ins Niederländische im 15. Jahrhundert auf – hochdeutsch erstmals 1440: „Uut hoghen duutsche ghetransfereert / Ende in onser talen ghekeert“ [2] und niederdeutsch erstmals 1457: „vanden hooghen duutsche int neder duutsche“. [2]

Deutsch bedeutet etymologisch „zum Volk gehörig“, „volkstümlich“ und bezeichnete im Gegensatz zu anderen Nationalitätsadjektiven zuerst eine Sprache, hiervon leiteten sich später die Bezeichnungen für deren Sprecher und das von ihnen bewohnte Gebiet ab: Der lateinische Begriff theodiscus dafür tritt zuerst 786 auf, als der päpstliche Nuntius Georg von Ostia dem Papst Hadrian I. über zwei Synoden in England berichtete. Dabei wurden die Beschlüsse sowohl lateinisch als auch in der Volkssprache (latine und theodisce) verlesen, damit alle sie verstehen konnten; hierbei bezeichnet das Wort aber eine Variante des Altenglischen bzw. Angelsächsischen. 813 empfiehlt Karl der Große den Geistlichen, nicht nur lateinisch zu predigen, sondern auch in rusticam Romanam linguam aut Theodiscam. Diesem theodiscus der Gelehrtensprache entspräche ein westfränkisches Adjektiv *theodisk (zu got. þiuda, ahd. diot „Volk“).

Für die germanische Sprache gab es im Altfranzösischen bis zum 15. Jh. den Begriff tiedeis, tieis, tiois, im Flämischen dietsch (daher das englische Dutch für die niederländische Sprache). Ende des 9. Jhs. taucht im Lateinischen der Begriff teutonicus auf, der theodiscus – zuletzt belegt um 1050 – allmählich verdrängt. Erhalten blieb es bis heute im italienischen tedesco.

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