Friedrich Engels

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Friedrich Engels, Fotograf George Lester ca. 1868 [1]
Unterschrift Friedrich Engels

Friedrich Engels (* 28. November 1820 in Barmen in der preußischen Provinz Jülich-Kleve-Berg; † 5. August 1895 in London) war ein deutscher Philosoph, Gesellschaftstheoretiker, Historiker, Journalist und kommunistischer Revolutionär. Darüber hinaus war er ein erfolgreicher Unternehmer in der Textilindustrie. Er entwickelte gemeinsam mit Karl Marx die heute als Marxismus bezeichnete Gesellschafts- und Wirtschaftstheorie.

Engels beschäftigte sich schon vor Marx mit der Kritik der politischen Ökonomie. Die 1844 erschienenen Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie wurden für Marx zum Ausgangspunkt seiner eigenen Arbeiten. [2] Bereits 1845 erschien die gemeinsame Schrift Die heilige Familie, mit der Engels und Marx begannen, ihr Theorieverständnis zu formulieren. Im Jahr 1848 verfassten sie im Auftrag des Bundes der Kommunisten das Kommunistische Manifest.

Mit seiner einflussreichen Untersuchung Die Lage der arbeitenden Klasse in England (1845) gehörte Engels zu den Pionieren der empirischen Soziologie. [3] Seine publizistische Tätigkeit trug wesentlich zur Verbreitung des Marxismus bei. Neben dem Anti-Dühring (1877) erfuhr vor allem die Kurzfassung Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft (1880) starke Resonanz. Nach Marx’ Tod 1883 gab Engels den zweiten und den dritten Band von dessen Hauptwerk, Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie, heraus. Darüber hinaus setzte er die Arbeit an der theoretischen Ausformung ihrer gemeinsamen Weltanschauung fort, unter anderem in Der Ursprung der Familie, des Privateigenthums und des Staats (1884) und Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie (1888).

Neben seinen ökonomischen und philosophischen Studien befasste sich Engels auch intensiv mit der Entwicklung der Naturwissenschaften und der Mathematik und schuf damit den Grundstein für den späteren dialektischen Materialismus.

Die Gefahr eines Weltkriegs in Europa sah er deutlich voraus und versuchte noch 1893 mit einer Artikelserie im Vorwärts einen Anstoß zur Reduzierung der stehenden Heere zu geben. [4]

Leben und Werk

Kindheit und Jugend (1820–1841)

Engels war das erste von neun Kindern des erfolgreichen Baumwollfabrikanten Friedrich Engels und dessen Frau Elisabeth Franziska Mauritia Engels (geb. van Haar). Engels’ Vater entstammte einer angesehenen, seit dem 16. Jahrhundert im Bergischen Land ansässigen Familie und stand dem Pietismus nahe. Seine Mutter stammte aus einer Philologenfamilie. In seiner Geburtsstadt Barmen (heute zu Wuppertal) besuchte er die Städtische Schule. Im Herbst 1834 schickte ihn sein Vater auf das liberale Gymnasium zu Elberfeld. Der äußerst sprachbegabte Schüler begeisterte sich für humanistische Ideen und geriet in zunehmende Opposition zu seinem Vater. Auf dessen Drängen musste Engels zum 25. September 1837 das Gymnasium, ein Jahr vor dem Abitur, verlassen, um als Handlungsgehilfe im Handelsgeschäft seines Vaters in Barmen zu arbeiten. Im Juli 1838 reiste er nach Bremen, um dort im Hause des Großhandelskaufmanns und sächsischen Konsuls Heinrich Leupold seine Ausbildung bis April 1841 fortzusetzen. Er wohnte im Haushalt von Georg Gottfried Treviranus, Pastor an der Martini-Kirche.

Im weltoffenen Bremen hatte Engels Gelegenheit, neben seiner kaufmännischen Ausbildung die durch Presse und Buchhandel verbreiteten liberalen Ideen zu verfolgen. Er fühlte sich vor allem von den liberalen Dichtern und Publizisten des „ Jungen Deutschland“ angesprochen und unternahm selbst literarische Versuche.

Noch im Frühjahr 1839 begann Engels, mit dem radikalen Pietismus seiner Geburtsstadt abzurechnen. In seinem Artikel Briefe aus dem Wuppertal, der 1839 im Telegraph für Deutschland erschien, schilderte er, wie der religiöse Mystizismus im Wuppertal alle Bereiche des Lebens durchdrang, und machte auf den Zusammenhang zwischen der pietistischen Lebenseinstellung und dem sozialen Elend aufmerksam. 1840 berichtete er vom Bremer Kirchenstreit.

Engels betätigte sich als Bremer Korrespondent des Stuttgarter Morgenblatts für gebildete Leser, ab 1840 bei der Augsburger Allgemeinen Zeitung. Er schrieb zahlreiche Literaturkritiken, Gedichte, Dramen und verschiedene Prosaarbeiten. Darüber hinaus verfasste er Berichte zur Auswanderungsfrage und über die „Schraubendampfschifffahrt“. Wichtige Förderer seiner literarisch-politischen Interessen waren zu dieser Zeit Ludwig Börne, Ferdinand Freiligrath und insbesondere Karl Gutzkow. In dessen Telegraph für Deutschland erschienen von 1839 bis 1841 unter dem Pseudonym „Friedrich Oswald“ zahlreiche Beiträge von Engels.

Ab September 1841 leistete Engels seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger bei der Garde-Artillerie-Brigade in Berlin ab und besuchte dort Vorlesungen zur Philosophie an der Universität. Er näherte sich dem Kreis der Junghegelianer und schloss sich der Gruppe um Bruno und Edgar Bauer, den sogenannten „Freien“, an. Zur Jahreswende 1841/42 veröffentlichte Engels – unter dem Eindruck von Schellings Berliner Hegel-Vorlesungen – einen Artikel und zwei Broschüren, die sich gegen die Philosophie Schellings richteten. [5]

Seit seinen Streitschriften gegen Schelling widmete Engels der Philosophie immer größere Aufmerksamkeit. Er studierte die Werke Hegels, beschäftigte sich ausführlich mit dem Stand der religionskritischen Forschungen und wandte sich zum ersten Mal der Philosophie der französischen Materialisten zu. Ab Mitte 1842 begann er, sich mit Ludwig Feuerbach ( Das Wesen des Christentums) auseinanderzusetzen, der in seinen Werken die Religion sowie den Hegelschen Idealismus verwarf. Unter dem Eindruck dieser Studien entfernte sich Engels zunehmend vom Junghegelianismus und fing an, Positionen des Materialismus einzunehmen. Damit bekamen für ihn politische Tagesfragen ein immer stärkeres Gewicht. Seit April 1842 veröffentlichte er gegen den reaktionären Kurs des preußischen Staates gerichtete Artikel in der Rheinischen Zeitung, dem damals führenden Organ der oppositionellen bürgerlichen Bewegung in Deutschland.

Briefe aus dem Wuppertal und Beschäftigung mit den Junghegelianern

Engels interessierte sich schon sehr früh für die prekäre Lage der Arbeiterschaft. Im bereits 1839 im Telegraph für Deutschland veröffentlichten Aufsatz Briefe aus dem Wuppertal [6] beschreibt er unter anderem die Degenerationserscheinungen deutscher Industriearbeiter  – wie die Verbreitung des Mystizismus und der Trunkenheit – und die Kinderarbeit in den Fabriken.

Daneben beschäftigte sich Engels in der Folgezeit stark mit den Junghegelianern, insbesondere mit David Friedrich Strauß. In den Jahren 1842/43 erschienen – unter dem Eindruck von Schellings Hegel-Vorlesungen in Berlin – Artikel und Broschüren zu Schelling und dessen Hegel-Kritik. [7] Engels kritisiert darin den Versuch Schellings, die christliche Religion zu rechtfertigen, und verteidigt die Hegelsche Dialektik. Schellings Philosophie stelle einen Rückfall in die Scholastik und Mystik dar und sei der Versuch, die Philosophie wieder zur „Magd der Theologie“ [8] zu erniedrigen.

Erste revolutionäre Schritte (1842–1844)

Rheinische Zeitung
Friedrich Engels zwischen 1857 und 1859

Im November 1842 reiste Engels über Köln – wo er bei einem Redaktionsbesuch der Rheinischen Zeitung erstmals Karl Marx persönlich begegnete – nach Manchester, wo er im Stadtteil Chorlton-on-Medlock wohnte, um seine kaufmännische Ausbildung in der seinem Vater und dessen Partner Ermen gehörenden Baumwollspinnerei Ermen & Engels zu vollenden.

Im industriell viel weiter entwickelten England lernte Engels die Realität der dortigen Arbeiterklasse kennen, was seine politische Haltung veränderte und auf Lebenszeit prägte. Der Feudalismus war dort bereits überwunden, und die Widersprüche zwischen Bourgeoisie und Arbeiterklasse traten für Engels offen zutage. Er suchte den Kontakt mit der sich formierenden englischen Arbeiterbewegung und lernte deren Kampfformen wie Streiks, Meetings und Gesetzesinitiativen kennen. [9] Die irische Arbeiterin Mary Burns, Engels’ Lebensgefährtin, spielte dabei eine wichtige Rolle. [10]

1843 nahm Engels in London Kontakt mit der ersten revolutionären deutschen Arbeiterorganisation, dem „ Bund der Gerechten“, auf und begegnete dort führenden Mitgliedern wie Heinrich Bauer, Joseph Moll und Karl Schapper. Gleichzeitig trat er mit den englischen Chartisten in Leeds in Verbindung und schrieb erste Artikel, die in den Zeitungen der Owenisten (The New Moral World) und Chartisten (The Northern Star) erschienen. In den Herbst 1843 geht seine Freundschaft mit dem Chartistenführer Julian Harney und dem Handelsgehilfen und Dichter Georg Weerth zurück, der später das Feuilleton der Neuen Rheinischen Zeitung in den Revolutionsjahren 1848/49 leiten sollte.

Bewegt von den zähen Kämpfen des englischen Proletariats, vertiefte sich Engels in das Studium der bestehenden Theorien der kapitalistischen Gesellschaft. Er griff zu den Werken der englischen und französischen Utopisten ( Robert Owen, Charles Fourier, Claude-Henri de Saint-Simon) und der klassischen bürgerlichen politischen Ökonomie ( Adam Smith, David Ricardo). Die Resultate seiner Studien veröffentlichte er in der Rheinischen Zeitung, in englischen Arbeitsblättern und in einer Schweizer Zeitschrift. Im Februar 1844 entstanden dann die Schriften Die Lage Englands und Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie in den Deutsch-Französischen Jahrbüchern, die von Karl Marx und Arnold Ruge in Paris herausgegeben wurden. Er versuchte darin eine erste Antwort auf die Frage zu geben, welche Rolle die ökonomischen Bedingungen und Interessen für die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft spielen.

Kurz nach seiner Ankunft in Manchester hatte Engels die irischen Arbeiterinnen Mary und Lizzie Burns kennengelernt, mit denen er zeitlebens in Liebe verbunden war; einen Tag vor Lizzies Tod (11. September 1878) ging er noch offiziell die Ehe mit ihr ein.

Mit Marx stand Engels seit seiner Mitarbeit an den Deutsch-Französischen Jahrbüchern im regelmäßigen Briefwechsel. Bei seiner Rückreise nach Deutschland, Ende August 1844, besuchte er ihn in Paris für zehn Tage. Die beiden stellten fest, dass ihre Ansichten übereinstimmten, und beschlossen, weiterhin eng zusammenzuarbeiten.

Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie

Mit seiner Ankunft in England (1842), der Konfrontation mit dem Chartismus und den ersten historischen Auseinandersetzungen der Arbeiterbewegung verlagerte sich Engels’ Interesse auf die Analyse der sozialen und politischen Situation der Arbeiterschaft. Er kam zu der Überzeugung, dass der Kampf der materiellen Interessen der Hauptantrieb der gesellschaftlichen Entwicklung ist, welcher seinen politischen Ausdruck im Klassenkampf findet. Seine theoretischen Ansichten zu dieser Zeit kommen am besten in der Schrift Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie [11] zum Ausdruck. Engels formuliert darin seine Kritik an der idealistischen und materialistischen Philosophie. Als zentrale Kategorie des Kapitalismus stellt er das Privateigentum heraus, das den Grund für die Entfremdung der Arbeit, für die Bildung von Monopolen und für die wiederkehrenden Krisen darstelle. Die Lösung der Probleme des Kapitalismus sieht Engels in einer rationellen Organisation der Produktion. [12]

Erste Zusammenarbeit mit Karl Marx (1844–1847)

Die Lage der arbeitenden Klasse in England
Das Kommunistische Manifest

Nach seiner Rückkehr nach Barmen fand Engels veränderte Verhältnisse vor. Der Aufstand der schlesischen Weber im Juni 1844 hatte auch in anderen Teilen Deutschlands Arbeiterstreiks ausgelöst. Diese beeinflussten auch die bürgerlichen Kräfte in Rheinpreußen zur Opposition gegen die preußische Regierung. Um die oppositionellen Kräfte zu unterstützen, bemühte sich Engels, Verbindung zu den im Rheinland wirkenden Sozialisten aufzunehmen, deren führender Theoretiker Moses Hess war. Mit ihm und dem Maler und Dichter Gustav Adolf Koettgen entfaltete er ab dem Herbst 1844 in Elberfeld eine rege agitatorische Tätigkeit. In den Elberfelder Reden [13] vom Februar 1845 propagierte Engels eine kommunistische Gesellschaft, worauf ihm von der Provinzialregierung alle öffentlichen Versammlungen verboten wurden. Er konzentrierte sich nun darauf, die Verbindungen zwischen den illegal arbeitenden sozialistischen Gruppen zu festigen, und pflegte seine internationalen Beziehungen – vor allem zu den englischen Sozialisten und Chartisten. Für die sozialistische Zeitschrift The New Moral World, an der er bereits in England mitgearbeitet hatte, schrieb er mehrere Artikel, in denen er über die Entwicklung sozialistischer Strömungen in Deutschland berichtete. Darüber hinaus bemühte er sich, die verschiedenen Gruppen für die von Marx und ihm vertretenen Ideen zu gewinnen und die vorherrschenden idealistischen und utopisch-sozialistischen Vorstellungen zu überwinden. Ein wichtiges Ereignis war dabei das Erscheinen der Heiligen Familie, ein Gemeinschaftswerk mit Marx, im Februar 1845. Die wissenschaftliche Öffentlichkeit in Deutschland reagierte darauf mit zumeist heftigen Angriffen auf das darin enthaltene materialistisch-sozialistische Ideengut. Um die Theorie vom Klassenkampf weiter voranzutreiben, arbeitete Engels seit seiner Ankunft in Barmen intensiv an seinem Werk Die Lage der arbeitenden Klasse in England, das im März 1845 im Verlag von Otto Wigand erschien. Es wurde von den wichtigsten deutschen Zeitungen und Zeitschriften besprochen und fand bei den demokratischen Kräften des Bürgertums großes Interesse.

Im April 1845 übersiedelte Engels nach Brüssel, um Marx zu unterstützen, der unter dem Druck der preußischen Reaktion von der französischen Regierung aus Frankreich ausgewiesen worden und in das junge Königreich Belgien gezogen war. Noch im gleichen Jahr folgte ihm Mary Burns aus England. Marx und Engels bauten in Brüssel einen gemeinsamen Freundes- und Bekanntenkreis auf, zu dem unter anderem Moses Heß, Ferdinand Freiligrath, Joseph Weydemeyer und Joachim Lelewel gehörten. Marx und Engels stellten fest, dass sich in der kommunistischen Bewegung Ideen ausbreiteten, die die Aufnahme ihrer neuen Erkenntnisse hemmten. Sie begannen daher mit der Arbeit an der Schrift Die deutsche Ideologie, die eine Kritik an Feuerbach und den „seitherigen deutschen Sozialismus“ umfasste. [14] Nach sechs Monaten beendeten sie im Mai 1846 ihr Werk. Engels bemühte sich bis 1847 vergeblich um einen Verleger und verfasste als Ergänzung Anfang 1847 noch die Arbeit Die wahren Sozialisten. [15] Nachdem sie aus ihrer Sicht die theoretischen Grundlagen für die künftige Umgestaltung der Gesellschaft gelegt hatten, sahen Marx und Engels ihre wichtigste Aufgabe darin, „das europäische und zunächst das deutsche Proletariat“ für ihre Überzeugungen zu gewinnen. [16] Sie widmeten sich nach 1846 immer stärker der praktischen Tätigkeit für die Bildung einer proletarischen Partei. Im Februar 1846 gründeten sie zusammen mit Philippe Gigot in Brüssel das Kommunistische Korrespondenz-Komitee, das die Verbindung zwischen den Kommunisten in den verschiedenen Ländern herstellen sollte. Im Laufe des Jahres 1846 kam es zur Gründung weiterer Komitees in zahlreichen europäischen Städten. Marx und Engels hielten diese zumeist kleinen Gruppen für die Basis, um ihre Ideen in die Arbeiterbewegung hineinzutragen und sich mit jenen weltanschaulichen Konzepten auseinanderzusetzen, die bis dahin die Vorstellungswelt der Arbeiter bestimmten. Dazu gehörten vor allem der utopische Kommunismus Wilhelm Weitlings, die Lehren des französischen Sozialisten Proudhon und die Auffassungen des „wahren“ Sozialismus ( Karl Grün).

Ende Januar 1847 traten Marx und Engels dem „Bund der Gerechten“ bei, der sich ihren Ideen inzwischen angenähert hatte. Sie arbeiteten nun energisch darauf hin, den „Bund“ in eine Partei der Arbeiterklasse umzuwandeln. Währenddessen schrieb Marx in Brüssel an seiner theoretischen Streitschrift Misère de la philosophie (Das Elend der Philosophie), die im Juli 1847 in Frankreich herauskam und eine Kritik an den Reformplänen Proudhons enthielt. Engels propagierte in Paris die in dem Buch behandelten theoretischen Fragen unter den deutschen Kommunisten und den Führern der französischen Sozialisten. Im Juni 1847 fand der erste der beiden Bundeskongresse des „Bundes der Gerechten“ statt, der sich nun in den „ Bund der Kommunisten“ umbenannte, da für deren Mitglieder nicht mehr die „Gerechtigkeit“, sondern der Angriff auf „die bestehende Gesellschaftsordnung und das Privateigentum“ [17] im Vordergrund stand. An die Stelle der alten Bundesdevise „Alle Menschen sind Brüder“ trat nun die revolutionäre Klassenlosung „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“. In Form von 22 Fragen und Antworten beschloss der Kongress den „ Entwurf eines Kommunistischen Glaubensbekenntnis“.

Im August 1847 gründete Engels gemeinsam mit Marx den Brüsseler Deutschen Arbeiterverein, im September – nach dem Muster der Londoner Fraternel Democrats [18] – die Association démocratique. [19] Anfang November 1847 verfasste Engels – beauftragt von den Pariser Mitgliedern des „Bundes der Kommunisten“ – die Grundsätze des Kommunismus. Noch im selben Monat nahmen Marx und Engels am zweiten Kongress des „Bundes der Kommunisten“ in London teil, wo sie beauftragt wurden, das Programm des Bundes weiter auszuarbeiten, woraus Das Kommunistische Manifest entstand, das im Februar 1848 in London erschien. Im Hintergrund ihrer Arbeit stand die Erwartung, dass die bürgerliche Revolution von 1848 den proletarischen Umsturz der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland nach sich ziehen werde. Aktiv wurde Engels auch in der Auseinandersetzung mit dem ‚wahren Sozialismus‘ in der Deutsche-Brüsseler-Zeitung.

Die Lage der arbeitenden Klasse in England

Nach seiner Rückkehr von England nach Deutschland verfasste Engels in der Zeit von November 1844 bis März 1845 Die Lage der arbeitenden Klasse in England. Das 1845 erschienene Werk stellt Engels’ erste größere eigenständige Veröffentlichung dar. Es fiel in eine Zeit besonderer sozialer Spannungen in Deutschland ( Weberaufstand). Engels wendet sich hier der sozialen Frage zu – ausgehend von den Verhältnissen in England, die er aus eigener Anschauung kannte. Er beschreibt die elenden Wohnquartiere der Arbeiter in den englischen Industriestädten und schildert die Arbeitssituation des Proletariats, weist auf Kinderarbeit, Berufskrankheiten und Sterblichkeitsraten hin. Schließlich informiert er über die zusätzliche Knebelung der Arbeiterfamilien durch den Zwang, bei den Unternehmern Lebensmittel einzukaufen und in den von ihnen bereitgestellten Wohnungen zu wohnen ( Truck- und Cottagesystem).

Gemeinsame Aufarbeitung der philosophischen Vergangenheit

Die im September 1844 geschlossene Freundschaft mit Marx führte zunächst zu einer gemeinsamen Aufarbeitung ihrer philosophischen Vergangenheit. Ihre erste gemeinsame Schrift Die heilige Familie oder Kritik der kritischen Kritik (1845) markiert ihren Übergang vom Idealismus zum Materialismus. Marx und Engels rechnen darin mit ihren früheren junghegelianischen Gesinnungsgenossen, insbesondere mit Bruno Bauer, ab. Bauers „kritischer Kritik“ werfen sie vor, dass in ihrem Zentrum nicht Menschen, sondern „Kategorien“ – Geist und Selbstbewusstsein – stehen und sie hinter das von Feuerbach erreichte Niveau zurückfalle, die den spekulativen Idealismus der Hegelschen Philosophie längst überwunden habe.

Als Antwort auf polemische Beiträge Bruno Bauers und Max Stirners in Wiegands Vierteljahresschrift entstand bis Mai 1846 die wohl wichtigste Schrift dieser Periode, Die deutsche Ideologie. Kritik der neuesten deutschen Philosophie in ihren Repräsentanten, Feuerbach, B. Bauer u. Stirner, u. des deutschen Sozialismus in seinen verschiedenen Propheten. In der Schrift fassen Marx und Engels ihre Kritik an der junghegelianischen Philosophie zusammen, deren Forderung nach Bewusstseinsveränderung darauf hinauslaufe, das Bestehende nur anders zu interpretieren, es aber ansonsten anzuerkennen. Feuerbachs Materialismus, Bauers Philosophie des Selbstbewusstseins und Stirners individualistischer Anarchismus ließen trotz aller theoretischen Radikalität die praktischen Verhältnisse unangetastet bestehen. Daneben kritisieren sie den deutschen Sozialismus, der sich zwar kosmopolitisch gebe, aber „nationale Borniertheit“ [20] zeige. Er sei von einer sozialen zu einer nur noch literarischen Bewegung verkommen und befriedige so einzig die Bedürfnisse des deutschen Kleinbürgertums. [21]

Mit der Trennung von den Junghegelianern und Sozialisten radikalisierten sich die Positionen von Marx und Engels. 1847 wurden sie vom zweiten Kongress des Bundes der Kommunisten mit der Ausarbeitung des Manifests der Kommunistischen Partei beauftragt. Das Werk formuliert den Klassenkampf als Prinzip der bisherigen Geschichte und begreift den Aufstieg der modernen Bourgeoisie als Sieg einer revolutionären Klasse. Mit ihrem Sieg verliere aber die Bourgeoisie ihre revolutionäre Rolle und hemme die weitere Entwicklung der Produktivkräfte. Die Bourgeoisie habe in ihrem Kampf gegen den Feudalismus sämtliche überkommenden Verhältnisse der Menschen untereinander zerstört und an deren Stelle das „reine Geldverhältnis“ [22] gesetzt. Bedingung der von ihr geschaffenen kapitalistischen Gesellschaft sei die Lohnarbeit, ihre Konsequenz das Proletariat, das durch seine Arbeit das Kapital vermehre, ohne sich selbst Eigentum beschaffen zu können. Die Bourgeoisie produziere so „vor allem ihre eignen Totengräber“. [23] Das Manifest schließt mit dem Kampfaufruf „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ [24] Es erlangte zwar keine unmittelbare politische Wirksamkeit, wurde jedoch später zur Grundlage sozialistischer und kommunistischer Parteiprogramme.

Von der Märzrevolution bis zur Übersiedelung nach London (1848–1870)

Neue Rheinische Zeitung
Engels, Fotograf Egidius Franz Carl Billotte (geb.1828) [25]

Nach dem Ausbruch der Märzrevolution in Wien und Barrikadenkämpfen in Berlin (März 1848) trafen sich Marx und Engels in Paris und arbeiteten dort die Forderungen der Kommunistischen Partei in Deutschland [26] aus, die als Flugblatt gedruckt wurden. Danach verließen beide Paris und trafen im April in Köln ein, um mit den Vorbereitungen zur Gründung der Neuen Rheinischen Zeitung zu beginnen; unter den Bedingungen der eben erkämpften Pressefreiheit erschien eine große Tageszeitung als das wirksamste Mittel, die politischen Ziele in aller Öffentlichkeit zu vertreten. Marx wurde Chefredakteur der neuen Zeitung, Engels sein Stellvertreter. Wegen drohender Verhaftung musste Engels im September 1848 Köln verlassen und fuhr in die Schweiz, um dort an der Organisation der Arbeitervereine mitzuwirken. Im Januar 1849 kehrte er nach Köln zurück, wo er in dem Presseprozess gegen die Neue Rheinische Zeitung vom Kölner Geschworenengericht freigesprochen wurde.

Im Mai 1849 unterstützte Engels zeitweise aktiv den Elberfelder Aufstand. Einen Monat später trat er in die badisch-pfälzische Armee ein und nahm als Adjutant Willichs an den revolutionären Kämpfen gegen Preußen in Baden im Gefecht in Gernsbach und der Pfalz teil. Hier begegnete er erstmals Johann Philipp Becker, dem Kommandeur der badischen Volkswehr, mit dem ihn später eine enge Freundschaft verband. Seine Kritik an der halbherzigen Politik der badischen Revolutionsregierung und dem letztlich unglücklichen Feldzug legte er später in seinem Werk Die deutsche Reichsverfassungskampagne [27] nieder. Nach der Niederlage der Märzrevolution flüchtete Engels wie viele revolutionäre Emigranten über die Schweiz nach England.

Im September 1850 spaltete sich der Bund der Kommunisten. Zwei Monate später arbeitete Engels wieder bei Ermen & Engels in Manchester und übernahm später den Anteil seines Vaters, den er schließlich (1870) an Ermen verkaufte. Engels begann, Militärwesen zu studieren; aufgrund seiner praktischen militärischen Erfahrungen im Wehrdienst sowie den Kämpfen in Baden entwickelte er sich zum Militärexperten, was ihm den Spitznamen „General“ einbrachte. Ende 1850 begann er zudem, die russische und andere slawische Sprachen zu erlernen, und beschäftigte sich mit der Geschichte und Literatur der slawischen Völker. Seine Sprachstudien setzte er im Jahre 1853 mit dem Erlernen des Persischen fort. Engels beherrschte zwölf Sprachen aktiv und zwanzig passiv, darunter Altgriechisch, Altnordisch, Arabisch, Bulgarisch, Dänisch, Englisch, Französisch, Friesisch, Gotisch, Irisch, Italienisch, Latein, Niederländisch, Norwegisch, Persisch, [28] Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Schottisch, Schwedisch, Serbokroatisch, [29] Spanisch, Tschechisch. [30] [31]

Auf das Jahr 1850 geht auch der Beginn des ständigen brieflichen Gedankenaustauschs mit Marx zurück. Unter dem Namen seines Freundes schrieb er ab 1851 bis 1862 regelmäßig für die Zeitschrift New York Daily Tribune. Von 1853 bis 1856 veröffentlichte er diverse Artikel über den Krimkrieg und andere internationale Ereignisse in der New York Daily Tribune und in der Neuen Oder-Zeitung.

Von 1857 bis 1860 arbeitete Engels an der von Charles Anderson Dana in New York herausgegebenen New American Cyclopaedia mit und erstellte eine Reihe von Militärartikeln sowie biographische und geographische Artikel. Zudem verfasste er zahlreiche Zeitungsartikel, unter anderem zu dem Krieg in Italien von 1859 auch für die Arbeiterzeitung Das Volk.

Ende der 1850er und Anfang der 1860er Jahre befasste sich Engels in zwei Schriften mit dem aufkommenden europäischen Nationalismus. Im April 1859 erschien in Berlin als anonyme Broschüre die Arbeit Po und Rhein, in der er sich gegen die österreichische Vorherrschaft in Italien wandte und die Überzeugung vertrat, dass nur ein unabhängiges Italien im Interesse Deutschlands liege. Für die Deutschen forderte er die „Einheit, die […] allein uns nach innen und außen stark machen kann“. [32] Anfang 1860 veröffentlichte er ebenfalls anonym die Schrift Savoyen, Nizza und der Rhein, in der er sich gegen die Annexion Savoyens und Nizzas durch Napoleon III. aussprach und vor einer „russisch-französischen Allianz“ [33] warnte.

Während Engels zu Beginn der 1860er Jahre von einer Reihe von privaten Vorkommnissen erschüttert wurde – dem Tod seines Vaters (1860), dem seiner Ehefrau [34] Mary Burns (1863) und seines langjährigen Kampfgenossen Wilhelm Wolff (1864) –, zogen zwei politische Ereignisse die Aufmerksamkeit von Engels und Marx auf sich. Den Amerikanischen Bürgerkrieg (1861–1865) betrachteten beide als ein „Schauspiel ohne Parallele in den Annalen der Kriegsgeschichte“. [35] Engels forderte von den Nordstaaten, den Krieg auf revolutionäre Weise zu führen und die Volksmassen stärker einzubeziehen. Er betonte, dass der Kampf für die Befreiung der Schwarzen die ureigenste Sache der Arbeiterklasse sei und auch die weißen Arbeiter so lange nicht frei sein könnten, wie die Sklaverei existiere. Im polnischen Aufstand gegen das zaristische Russland (1863) sah Engels eine wichtige Voraussetzung, den reaktionären Einfluss des Zarismus in Europa zu schwächen und die demokratische Bewegung in Preußen, Österreich und Russland selbst zu entfalten. [36]

Nach dem Tod Ferdinand Lassalles (September 1864) arbeitete Engels nach Vorschlag Marx’ an der Zeitung des ADAVs, Social-Demokrat, mit, um deren Mitglieder für eine revolutionäre Politik zu gewinnen. Im Februar 1865 stellten beide ihre Mitarbeit ein, da das Blatt immer deutlicher Bismarcks Nähe suchte. [37] 1865 erschien in Hamburg die Broschüre Die preußische Militärfrage und die deutsche Arbeiterpartei, in der es Engels primär darum ging, gegen die Lassalleaner und den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein eine revolutionäre Position in Erinnerung zu rufen.

Nachdem Marx seit den 1850er Jahren an der Erstellung des Kapitals gearbeitet hatte, erschien der erste Band im September 1867. Engels hatte die langjährigen ökonomischen Studien von Marx überhaupt erst ermöglicht, indem er den „hündischen Commerce“ [38] auf sich nahm und den Lebensunterhalt der Familie Marx zu einem großen Teil bestritt. Engels vermochte Marx auf allen Gebieten der ökonomischen Theorie zu beraten. Von größtem Wert war auch sein Rat in praktischen Fragen. [39] Da für die Verbreitung der im Kapital enthaltenen Ideen zunächst noch keine Arbeiter-Zeitungen zur Verfügung standen, veröffentlichte Engels unter dem Deckmantel der Kritik in der bürgerlichen Presse mehrere Rezensionen zu Marx’ Werk. Im Jahr 1868 konnte er dann im von Wilhelm Liebknecht neu herausgegebenen Demokratischen Wochenblatt ohne die vorherigen Beschränkungen das Werk als das wichtigste Buch für die Arbeiterschaft würdigen. [40]

In London bis zum Tode von Marx (1870–1883)

Hier wohnte Engels von 1870 bis 1894: 122, Regent’s Park Road, London N. W.
Engels, Foto von William Elliott Debenham 1888

Im Oktober 1870 zog Engels mit Lizzie Burns nach London in die Nähe der Marxschen Wohnung. Unterdessen war in Mitteleuropa der Deutsch-Französische Krieg ausgebrochen. Marx und Engels fiel es schwer, „sich mit dem Gedanken zu versöhnen, dass, anstatt für die Zerstörung des Kaiserreichs zu kämpfen, das französische Volk sich für seine Vergrößerung opfert“. [41] Sie vertraten die Ansicht, dass der Krieg von Seiten Frankreichs ein dynastischer Krieg war, der die persönliche Macht Bonapartes sichern sollte. Die deutschen Arbeiter müssten daher den Krieg unterstützen, solange er ein Verteidigungskrieg gegen Napoleon III., den Hauptfeind der nationalstaatlichen Einigung Deutschlands, bliebe. [42] Von Ende Juli 1870 bis Februar 1871 verfasste Engels über den Verlauf des Krieges anonym 59 Artikel für die Londoner Tageszeitung Pall Mall Gazette, [43] die aufgrund ihres militärischen Sachverstands in London großes Aufsehen erregten. Hatte Engels bis zur Niederlage Napoleons III. (2. September 1870) in seinen Artikeln noch die Ansicht vertreten, dass Deutschland sich gegen den französischen Chauvinismus verteidigte, so verwandelte sich danach der Krieg für ihn „langsam aber sicher in einen Krieg für die Interessen eines neuen deutschen Chauvinismus“. [44]

Im Oktober 1870 wurde Engels auf Vorschlag von Marx zum Mitglied des Generalrats der Internationalen Arbeiterassoziation gewählt. In der Folgezeit war er als korrespondierender Sekretär für Belgien, Spanien, Portugal, Italien und Dänemark tätig. Nach der Niederlage der Kommunarden der Pariser Kommune bildete der Generalrat ein Flüchtlingskomitee für die Pariser Flüchtlinge, die meist nach London strömten. Auf Engels’ Anstoß verfasste Marx die Schrift Der Bürgerkrieg in Frankreich, die für alle Mitglieder der „Internationale“ die Bedeutung des Pariser Kampfes herausstellen sollte; Engels übersetzte diese Schrift Mitte 1871 aus dem Englischen ins Deutsche.

Seit 1873 beschäftigte sich Engels intensiv mit philosophischen Problemen der Naturwissenschaften. Seine Absicht war, nach gründlichen Vorarbeiten ein Buch zu schreiben, in dem er eine dialektisch-materialistische Verallgemeinerung der theoretischen Erkenntnisse der Naturwissenschaften geben wollte. Inmitten dieser Studien erging von Liebknecht und Marx an ihn die Bitte, der „Dühringsseuche“ [45] in Deutschland entgegenzuwirken. Dieser Aufgabe kam er 1876 bis 1878 mit der Schrift Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft (Anti-Dühring) nach. Sie erschien zuerst im Vorwärts, dem Zentralorgan der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands, 1878 in Buchform. 1878 verstarb seine Ehefrau Lydia Burns.

Dialektik der Natur und Anti-Dühring

Nach dem Rückzug aus der Firma (1869) zielten Engels’ Veröffentlichungen auf die „begriffliche Präzisierung, historische Vertiefung und methodische Abgrenzung des wissenschaftlichen Sozialismus“. [46] Von 1873 bis 1882 entstand das Fragment Dialektik der Natur. Engels wurde zu dem Werk motiviert durch die Kritik der aufkommenden Naturwissenschaften an der Philosophie Hegels und die Übertragung naturwissenschaftlicher Theorien auf die Gesellschaft. Engels will nachweisen, dass sich in der Natur dieselben Bewegungsgesetze entdecken lassen, die auch in der Geschichte gelten. Neben den Thesen von der Ewigkeit der Materie und der Bewegung formuliert er die drei Grundgesetze der Dialektik. Der Dialektik stellt Engels das „metaphysische“ Denken gegenüber, das sich an starren Kategorien statt an widersprüchlichen Prozessen orientiere. Anhand vieler Beispiele will Engels zeigen, dass die Natur nicht „metaphysisch“, sondern dialektisch strukturiert ist. In großer Detailtreue verarbeitet er dabei fast alle naturwissenschaftlichen Einsichten und Entdeckungen seiner Zeit. [47]

In dem 1877/78 als Artikelserie im Vorwärts unter Mitarbeit von Karl Marx erschienenen Werk Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft („Anti-Dühring“) setzt sich Engels kritisch mit einigen Werken von Eugen Dühring auseinander. [48] Seine Kritik richtet sich dabei gegen den dogmatisch-metaphysischen Charakter von Dührings „Wirklichkeitsphilosophie“ und dessen Unfähigkeit, den „dialektischen“ Entwicklungsprozess der Welt zu verstehen. Gleichzeitig ist das Werk ein erster Versuch einer enzyklopädischen Zusammenfassung sowohl der Geschichte des Sozialismus als auch der Lehrmeinungen des Marxschen Kommunismus.

Der auf den Anti-Dühring aufbauende und 1880 zuerst erschienene Aufsatz Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft entwickelt die Grundsätze des Historischen Materialismus. Für Engels war der Frühsozialismus ( Saint-Simon, Fourier, Owen) „ utopisch“, weil er undialektisch an zeitlose Vernunftwahrheiten appellierte. Diesen Mangel habe Hegel behoben, indem er die gesamte Wirklichkeit als einen dialektischen Entwicklungsprozess ansah – allerdings in verkehrter Weise als die Entfaltung der „Idee“. Erst Marx machte durch seine Auffassung der Geschichte als Geschichte von Klassenkämpfen und der Entdeckung des „ Mehrwerts“ als des „Geheimnisses der kapitalistischen Produktion“ [49] den Sozialismus zur Wissenschaft. Er wies nach, dass die bürgerliche Gesellschaft an der Logik ihres Grundwiderspruchs von gesellschaftlicher Produktion und privater Aneignung notwendig scheitern müsse. Während es die historische Aufgabe der Bourgeoisie war, die Produktivkräfte zu entwickeln, sei es jetzt die Aufgabe des Proletariats, deren gesellschaftliche Aneignung durchzusetzen.

Nach Marx’ Tod (1883–1895)

Friedrich Engels im Jahr 1891, Fotograf William Elliott Debenham (1839–1924)
Engels (Vierter von links) im Gasthof zum Löwen in Bendlikon bei Zürich 1893 zusammen mit der Familie Bebel und einigen anderen prominenten Vertretern der sozialdemokratischen Bewegung in Deutschland (von links nach rechts: Dr. Simon – Schwiegersohn August Bebels –, Frieda Simon-Bebel, Clara Zetkin, Friedrich Engels, Julie Bebel, August Bebel, Ernst Schattner, [50] Regine Bernstein, Eduard Bernstein (teilweise abgeschnitten))

Nach dem Tode von Marx (1883) wurde Engels zum Hauptberater des „marxistisch“ beeinflussten Teils der internationalen, besonders der deutschen Arbeiterbewegung. Er nahm Einfluss auf die Entwicklung der deutschen Sozialdemokratie und deren Erfurter Programm (1891).

Außerdem übernahm er die Bearbeitung und Herausgabe von Marx’ Werken sowie die Aufsicht neuer Übersetzungen. Unter den Bedingungen des Sozialistengesetzes in Deutschland (1878–1890) brachte Engels noch im Jahre 1883 eine neue Auflage des ersten Bandes des Kapitals heraus. Bei deren Vorbereitung berücksichtigte er einige der wichtigsten Änderungen aus der französischen Ausgabe.

1884 veröffentlichte er die unter anderem auf Marxschen Manuskripten basierende Schrift Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats, in der er die Gesellschaftsformation der Urgesellschaft und den Übergang zur Klassengesellschaft analysierte.

Dann begann Engels, die Marxschen Manuskripte zu ordnen und zu entziffern. 1885 veröffentlichte er Marx’ Das Elend der Philosophie und den zweiten Band des Kapitals. [51] Es folgte die englische Übersetzung des ersten Bandes (1887), die er gemeinsam mit seinem Freund Samuel Moore und Marx’ Schwiegersohn Edward Aveling vorbereitete. [52] 1890 erschien die vierte, von Engels nochmals redigierte Fassung des ersten Bandes des Kapitals, worin er einige Fußnoten ergänzte, die den veränderten „geschichtlichen Umständen“ [53] Rechnung tragen sollten. Sehr schwierig gestaltete sich die Edition des dritten Bandes, für die Engels neun Jahre benötigte (1895). Er nahm das Marxsche Manuskript von 1864/65 zur Grundlage, das er stark redigierte.

Neben der Edition des Kapitals publizierte Engels 1886 die Schrift Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie, 1891 die 1875 von Marx verfasste Kritik des Gothaer Programms. Daneben führte er regen Schriftverkehr mit Sozialisten und Kommunisten in ganz Europa.

Engels starb am 5. August 1895 in London im Alter von 74 Jahren an Kehlkopfkrebs. Da seine Vorliebe für das Seebad Eastbourne bekannt war, wurde die Urne mit seiner Asche am 27. September 1895 [54] fünf Seemeilen vor der dortigen Küste bei Beachy Head ins Meer versenkt.

Spätwerk

Nach dem Tod von Marx (1883) verfolgte Engels vor allem das Ziel, das gemeinsam mit Marx geschaffene wissenschaftliche und politische Werk zu verbreiten, zu verteidigen und fortzusetzen. [55] Dafür stellte er eigene Arbeiten zurück wie die an der Dialektik der Natur.

Engels’ primäres Anliegen war zunächst die Arbeit am Kapital und die Herausgabe der von Marx hinterlassenen Manuskripte. In seinen eigenen Schriften versuchte er, der sich entfaltenden Arbeiterbewegung die revolutionären Traditionen zu vermitteln. Entsprechend nahm die Aufarbeitung der Geschichte der frühen sozialistischen Bewegung und der Revolution von 1848/49 breiten Raum ein. Es entstanden Arbeiten wie Marx und die Neue Rheinische Zeitung, Zur Geschichte des Bundes der Kommunisten und das Vorwort zu Karl Marx vor den Kölner Geschworenen. Als Mittel der Darstellung wählte Engels immer wieder die Biographie – zum Beispiel über die Arbeiterführer Georg Weerth, [56] Johann Philipp Becker und Sigismund Ludwig Borkheim. [57]

Engels geschichtliches Interesse bezog sich auch auf das Thema „ Urgeschichte“. So analysierte er in Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates die Gesellschaftsformation der Urgesellschaft und den Übergang zur Klassengesellschaft.

Daneben beschäftigte er sich eingehend mit der deutschen Geschichte. Im Rahmen seiner geplanten Überarbeitung des Deutschen Bauernkriegs setzte er sich mit der Geschichte des Deutschen Bauernkriegs auseinander, den er als den „Angelpunkt der ganzen deutschen Geschichte“ [58] ansah. Die Entstehung des deutschen Nationalstaats und die Politik Bismarcks waren Gegenstand des Ende 1887 bis April 1888 entstandenen Manuskripts Die Rolle der Gewalt in der Geschichte, das unvollendet blieb. [59] Um die amerikanische Ausgabe der Lage der arbeitenden Klasse in England entstanden seit Anfang 1885 eine Reihe von Aufsätzen zur Geschichte der englischen Arbeiterbewegung (England in 1845 and in 1885 [60]).

Weiterhin arbeitete Engels über die Geschichte Russlands und Frankreichs. 1889/90 erschien Die auswärtige Politik des russischen Zarentums, [61] 1891 die französische Übersetzung von Karl Marx’ Achtzehntem Brumaire im Feuilleton des Socialiste. Es folgte die Neuausgabe von Karl Marx’ Bürgerkrieg in Frankreich, zu der Engels eine Einleitung schrieb.

Die Geschichte des Urchristentums interessierte ihn wegen seiner „merkwürdigen Berührungspunkte mit der modernen Arbeiterbewegung“. [62] Wie diese sei auch das Urchristentum „im Ursprung eine Bewegung Unterdrückter: es trat zuerst auf als eine Religion der Sklaven und Freigelassenen, der Armen und Rechtlosen […]. Beide werden verfolgt und gehetzt, ihre Anhänger geächtet, unter Ausnahmegesetze gestellt“. [63] Sein Vorgehen war dabei durchaus auf der Höhe der historisch-kritischen Bibelforschung seiner Zeit. [64] In dem 1883 erschienenen Aufsatz The book of revelation untersuchte Engels die Offenbarung des Johannes, die ihm als wichtigste neutestamentliche Quelle für die Erforschung der Geschichte des Urchristentums galt. Im Sommer 1894 behandelte er das Thema „Urchristentum“ noch einmal eingehend in dem in der Neuen Zeit erschienenen Werk Zur Geschichte des Urchristentums, wobei Gedanken aus dem Aufsatz von 1883 einflossen.

Ein weiteres wichtiges Thema für den späten Engels war die wiederholte Auseinandersetzung mit den philosophischen Quellen des Marxismus. Im Jahre 1886 legte er in der Arbeit Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie das Verhältnis des Marxismus zur Philosophie Hegels und Feuerbachs dar. Engels verstand diese Schrift selbst als „die ausführlichste Darlegung des historischen Materialismus“, die seines Wissens existiere. [65]

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