Entfremdung

Entfremdung bezeichnet einen individuellen oder gesellschaftlichen Zustand, in dem eine ursprünglich natürliche Beziehung (zwischen Menschen, Menschen und Arbeit, Menschen und dem Produkt ihrer Arbeit sowie von Menschen zu sich selbst) aufgehoben, verkehrt, ge- oder zerstört wird.

Der Begriff geht auf die lateinischen Wörter alienatio (Entfremdung, Entäußerung, das Weggeben einer Sache in fremden Besitz, Abfall) und alienare (veräußern, entfremden, entzweien, in fremde Gewalt bringen, in fremde Hände geben) zurück, womit die klassische bürgerliche englische politische Ökonomie die "Veräußerung" eines Gegenstandes, der dadurch seinem Produzenten "entfremdet" wird, und die naturrechtlichen Theorien vom Gesellschaftsvertrag des 18. Jahrhunderts die "Übertragung" (Die Veräußerung, den "Verlust") der ursprünglichen Freiheit an eine dem Individuum fremd gegenüberstehende Macht (Gesellschaft, Herrscher) bezeichnen. [1] [2]

Begriff

  1. „Entfremdung“ ist der gesellschaftlich vorangetriebene und unumkehrbare Prozess der Aneignung der Natur und ihrer materiellen und geistigen Umgestaltung zu Kultur samt den Institutionen, die fremdbestimmt wirken, sobald sie die Menschen beherrschen und sich ihren individuellen und kollektiven Wünschen entgegenstellen.
  2. Als „Entfremdung“ wird auch das individuelle und der Steigerung fähige Gefühl der Vereinzelung und Abgegrenztheit von allen anderen Lebewesen und Dingen bezeichnet, zu dem Menschen kraft ihrer Selbstreflexion in der Lage sind, und das durch psychische Konstrukte zu überbrücken versucht wird. Verbindungen zwischen diesen Aspekten bestehen insbesondere in der notwendig eingenommenen Gegenposition des Menschen zur Natur und den resultierenden Gefühlen von Vereinzelung und Abgegrenztheit des einzelnen Menschen von allem anderen.
  3. „Entfremdung“ „kennzeichnet ein Fremdwerden (auch ein Fremdmachen), wobei dieses Fremdwerden ein selbstverursachtes ist, die eigene Tätigkeit dessen – ob Individuum, Gruppe oder Menschheit überhaupt –, der sich entfremdet sieht oder gesehen wird, ist Ursache für die Entfremdung, wie es das Eigene (oder Angeeignete) ist, das fremd erscheint oder wirkt.“ (Achim Trebeß)
  4. Entfremdung ist ein zentraler Kritikpunkt am Kapitalismus, vor allem bei Karl Marx (ausgehend von Hegel). In diesem Kontext wird argumentiert, dass der Mensch – durch die nur an Profit (bzw. Mehrwert) orientierte Produktion – von seinem Produkt wie auch von sich selbst entfremdet wird, siehe Entfremdete Arbeit.
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