Efim Bogoljubow

Efim Bogoljubov.jpg
Efim Bogoljubow, um 1925
Verband Russisches Kaiserreich 1883 Russisches Kaiserreich  Russland (bis 1917)
Sowjetunion Sowjetunion  Sowjetunion (1922 bis 1927)
Deutsches Reich Deutsches Reich  Deutsches Reich (1927 bis 1945)
Deutschland Bundesrepublik Bundesrepublik Deutschland  BR Deutschland (ab 1949)
Geboren 1. April 1889
Stanislawtschik, Russisches Kaiserreich
Gestorben 18. Juni 1952
Triberg im Schwarzwald
Titel Großmeister (1951)
Beste  Elo‑Zahl 2768 (Januar 1927) ( Historische Elo-Zahl)

Efim Bogoljubow ( russisch Ефим Дмитриевич Боголюбов/ Jefim Dmitrijewitsch Bogoljubow, wiss. Transliteration Efim Dmitrievič Bogoljubov; * 1. April [1] [2] [3] [4] oder 14. April [5] [6] 1889 in Stanislawtschik, Gouvernement Kiew, Russisches Kaiserreich; † 18. Juni 1952 in Triberg im Schwarzwald) war ein russisch-deutscher Schachgroßmeister.

Leben

Jugend im Zarenreich

Bogoljubow studierte zunächst Theologie, wechselte dann aber auf die Polytechnische Universität in Kiew. Schach, das nach großen Erfolgen schließlich sein Hauptberuf wurde, erlernte er als 15-Jähriger. [7]

Seine ersten Erfolge in Turnieren datieren auf das Jahr 1909: in Kiew gewann er das Klubturnier und in Odessa wurde er Zweiter bei der Südrussischen Meisterschaft. 1911 wurde er Meister von Kiew und nahm an Turnieren in Sankt Petersburg und Warschau teil (Vierter hinter u. a. Akiba Rubinstein). In Vilnius 1912 wurde er Zweiter im Hauptturnier und siegte im selben Jahr in Łódź. 1913 besiegte er an gleicher Stelle Georg Salwe in einem Wettkampf mit 6:4 (+5 =2 −3) und erhielt den Titel Russischer Meister.

Erster Weltkrieg und neuer Wohnsitz in Deutschland

Bei Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 hielt er sich bei seinem ersten Turnier im Ausland in Mannheim auf und wurde in Triberg wie auch Alexander Aljechin, Alexei Selesnjow und Ilja Rabinowitsch interniert. Bogoljubow heiratete eine Deutsche und blieb während und auch nach dem Krieg in Triberg. Aus der Zeit von 1914 bis 1919 sind zahlreiche Partien von lokalen Turnieren und Wettkämpfen Bogoljubows mit anderen Internierten erhalten.

Im Jahr 1919 gewann Bogoljubow in Berlin und wurde Dritter in Stockholm. 1920 unterlag er in einem Wettkampf in Stockholm und Göteborg Akiba Rubinstein mit 5,5:6,5 (+4 =3 −5), gewann jedoch ein Match gegen Aaron Nimzowitsch in Göteborg mit 3:1. 1921 gewann er in Kiel, 1922 in Piešťany vor Alexander Aljechin, im selben Jahr in Hastings. In Karlsbad 1923 gewann er gemeinsam mit Alexander Aljechin und Géza Maróczy.

Von Oktober 1920 bis August 1921 siegte er in einem Fernschachwettkampf gegen Spieler und Schachklubs aus Schweden (+19 =5 −1).

Auf dem Weg zur Weltklasse und die Weltmeisterschaftskämpfe

Die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt er 1927. [8] Vorher war er Bürger der Sowjetunion und nahm auch an UdSSR-Meisterschaften teil: 1924 und 1925 wurde er UdSSR-Meister. Seinen größten Erfolg feierte er 1925 in Moskau, als er das internationale Turnier vor José Raúl Capablanca und Emanuel Lasker gewann. 1928 gewann er vor Capablanca in Bad Kissingen.

Im April/Mai 1928 und zur Jahreswende 1928/1929 besiegte Bogoljubow in zwei von der FIDE organisierten Wettkämpfen den späteren Weltmeister und Niederländer Max Euwe (Spielorte waren verschiedene Städte der Niederlande) mit jeweils 5,5:4,5 (+3 =5 −2 und +2 =7 −1). Dies brachte ihm den Titel Champion des Weltschachbundes ein. [9] Seine Erfolge ermunterten Mäzene in Deutschland und den Niederlanden, einen Weltmeisterschaftskampf gegen Alexander Aljechin zu finanzieren, der 1929 zustande kam. Bogoljubow unterlag deutlich mit 9,5:15,5 (+5 =9 −11).

1925 in Breslau vor Aaron Nimzowitsch und Akiba Rubinstein, [10] 1931 in Swinemünde nach Stichkampf mit Ludwig Rödl [11] und 1933 in Bad Pyrmont vor Rödl und Georg Kieninger [12] gewann Bogoljubow die Einzelmeisterschaften von Deutschland. 1927 wurde er Zweiter bei der deutschen Meisterschaft in Magdeburg (Spielmann Erster). [13] In Bled 1931 wurde er Zweiter hinter Aljechin. [14] 1932 unterlag er Rudolf Spielmann mit 4,5:5,5 (+3 =3 −4) am Semmering. 1934 fanden sich in Deutschland wieder schachbegeisterte Mäzene, die einen Wettkampf gegen Weltmeister Aljechin organisierten: diesmal unterlag Bogoljubow mit 10,5:15,5 (+3 =15 −8).

Mit der deutschen Nationalmannschaft nahm Bogoljubow an der Schacholympiade 1931 in Prag teil, wo er das zweitbeste Ergebnis am Spitzenbrett erreichte. [15]

Bester Schachspieler in Deutschland

Bogoljubows beste Zeit war vorbei, obwohl er weiterhin als stärkster Spieler in Deutschland galt. Die Teilnahme an der „Meisterschaft von Deutschland“ wurde ihm aber nach 1933 verwehrt, da er nach damals geltenden Gesetzen zwar deutscher Staatsangehöriger, aber nicht „ deutschen Blutes“ war. In der Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg gewann er 1935 in Bad Nauheim [16] und Bad Saarow, 1936, 1937 und 1938 in Bad Elster, 1938 in Karlsruhe, 1939 in Stuttgart. [17] Im selben Jahr unterlag er in einem Wettkampf dem vielversprechenden Jungtalent Erich Eliskases mit 8,5:11,5 (+3 =11 −6). 1941 unterlag er in Karlsbad Max Euwe mit 3,5:6,5 (+2 =3 −5). Während des Krieges ging Bogoljubow einer Einladung des schachbegeisterten "Generalgouverneurs" des besetzten Polen, Hans Frank (der auch Weltmeister Aljechin für längere Zeit in Krakau beherbergte), nach und übersiedelte in das Generalgouvernement, wo er neben verschiedenen Turnieren und Schachveranstaltungen, an denen er teilnahm, auch eine Tätigkeit als Übersetzer in der Krakauer Verwaltung ausübte. Nach Beendigung des Krieges war sein Ansehen bei der FIDE deswegen beschädigt. Bei der Verleihung des Großmeistertitels im Jahr 1950 an verdiente Meister wurde er übergangen. Erst 1951 erhielt er den Titel. [18]

Schwere Nachkriegszeit

Grabmal von Efim Bogoljubow auf dem Friedhof (Feld F) in Triberg (Schwarzwald)

Im Nachkriegsdeutschland war Bogoljubow als Berufsspieler auf ständige Teilnahme an Turnieren angewiesen, musste er doch seine Ehefrau und zwei Töchter ernähren: Er gewann 1947 in Lüneburg, Kassel und Flensburg. 1949 gewann er zum dritten und letzten Mal (nach 1931 und 1933) das Turnier um die Meisterschaft von Deutschland in Bad Pyrmont. [19] Noch im gleichen Jahr siegte er beim gut besetzten Turnier in Oldenburg punktgleich mit Elmars Zemgalis. 1950 und 1951 besiegte er die damaligen deutschen Spitzenspieler Georg Kieninger und Walter Niephaus in Zweikämpfen in Schwelm mit 5:3 (+3 =4 −1) und Baden-Baden mit 5:1 (+5 =0 −1). In Zürich 1951 gelang ihm ein 3:3 (+2 =2 −2) gegen den argentinischen Großmeister Herman Pilnik. Er starb unmittelbar nach seiner Rückkehr von einem internationalen Schachturnier in Belgrad am 18. Juni 1952.

Von 1948 bis zu seinem frühen Tod war Bogoljubow Mitglied im Freiburger Schachklub von 1887, dessen damaliger Vorsitzende Friedrich A. Stock unter anderem sein Grabmal in Triberg stiftete. [20]

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