Der Archipel Gulag

Ein Wachturm des Projekts 503 im Plan Stalins für eine Eisenbahnstrecke durch die Taiga, die den Norden Sibiriens erschließen sollte.
Lage: 65° 51′ N, 88° 4′ O (nahe dem nördlichen Polarkreis, etwa eine Flugstunde östlich von Turuchansk)

Der Archipel Gulag (Original: russisch Архипелаг ГУЛАГ Archipelag GULAG) ist ein historisch-literarisches Werk des russischen Schriftstellers und Trägers des Nobelpreises für Literatur Alexander Issajewitsch Solschenizyn. Der im Dezember 1973 veröffentlichte Archipel Gulag gilt als sein Hauptwerk und als eines der einflussreichsten Bücher des 20. Jahrhunderts. Es ist das bekannteste Werk der oft im Untergrund entstandenen und verbreiteten Samisdat-Literatur aus der Stalin- und Chruschtschow-Ära in der Sowjetunion und die bedeutsamste Darstellung und Kritik des Stalinismus innerhalb der Literatur.

GULag oder Gulag ist ein Kofferwort für die russische Bezeichnung Glawnoje Uprawlenije isprawitelno-trudowych Lagerei (Главное Управление Исправительно-трудовых Лагерей), – „Hauptverwaltung der Umerziehungs- und Arbeitslager“. Der Titel des Buches bezeichnet das Lagersystem als einen über die ganze Sowjetunion verteilten Archipel, eine abgeschlossene Inselwelt der Unterdrückung und Entmenschlichung. Damit wird auch der Titel des Buches Die Insel Sachalin von Tschechow aufgenommen, in dem er Zwangsarbeit und Verbannung im Zarismus beschrieb.

Publikationsgeschichte

Solschenizyn arbeitete ab April 1958 über zehn Jahre lang am Archipel Gulag, hielt aber seine Veröffentlichung zurück und versteckte das Manuskript. Er schrieb damals am historischen Romanzyklus Das rote Rad, den er als sein wichtigstes Werk ansah. Eine Publikation des Archipel Gulag und die danach mögliche Verhaftung hätten die Arbeit daran unmöglich gemacht, die er erst 1975 abzuschließen gedachte.

Seit September 1965 befand er sich unter ständiger Beobachtung des KGB, nachdem seine geheim gehaltenen Manuskripte zum Roman Der erste Kreis der Hölle und das Theaterstück Republik der Arbeit in dessen Hände gelangt waren.

1970 wurde Solschenizyn der Nobelpreis für Literatur verliehen. Zur Preisverleihung reiste er allerdings nicht nach Stockholm, da er befürchtete, die Staatsführung würde ihm die Wiedereinreise in die Sowjetunion verweigern.

Im August 1973 entdeckte der KGB das Manuskript zum Archipel Gulag. Dadurch hatte es für Solschenizyn keinen Sinn mehr, das Werk weiterhin geheim zu halten. Der russische Emigrantenverlag YMCA-Press, der über eine Kopie des Manuskriptes verfügte, wurde von ihm angewiesen, das Buch sofort zu drucken. Am 28. Dezember 1973 erschien es in russischer Sprache in Paris [1] und kurz darauf in Übersetzungen in vielen westlichen Ländern.

Das ursprüngliche Buch enthält die Teile I und II (Die Gefängnisindustrie und Ewige Bewegung). Später wurde daraus eine dreibändige Ausgabe, die in sieben Teile gegliedert ist. Band 2 und Band 3 wurden 1975 beziehungsweise 1978 veröffentlicht. 1985 erschien außerdem eine gekürzte, einbändige Gesamtausgabe, die vielen als leichter lesbar gilt.

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