Art (Biologie)

Die Art, auch Spezies oder Species [1] (abgekürzt oft spec., von lateinisch species ‚Art‘) ist die Grundeinheit der biologischen Systematik. Jede biologische Art (Spezies) ist ein Resultat der Artbildung. Bislang gelang keine allgemeine Definition der „Art“, die die theoretischen und praktischen Anforderungen aller biologischen Teildisziplinen gleichermaßen erfüllt. Vielmehr existieren in der Biologie verschiedene Artkonzepte, die zu unterschiedlichen Klassifikationen führen. Historisch wie auch aktuell spielen zwei Ansätze von Artkonzepten eine wichtige Rolle:

  • auf der Grundlage einer angenommenen Fortpflanzungsgemeinschaft (biologischer Artbegriff)
  • auf Grund der Annahme einer Gruppe von Individuen mit charakteristischen gemeinsamen Artmerkmalen, mithilfe derer die Zugehörigkeit zu einer Art klar abgrenzbar sein soll, und die anhand äußerer ( morphologischer Artbegriff) „oder“ erblicher Merkmale bestimmt werden.

Mit dem Aufkommen der Kladistik ist seit den 1950er Jahren der auf dem biologischen Artbegriff beruhende, chronologisch definierte phylogenetische Artbegriff hinzugekommen, nach dem eine Art mit der Artspaltung, also der Bildung zweier Arten aus einer Ursprungsart, beginnt und mit ihrer erneuten Artspaltung oder aber ihrem Aussterben endet.

Das Problem der Artdefinition besteht aus zwei Teilproblemen:

  1. Gruppenbildung: Welche Individuen gehören zusammen?
  2. Rangbildung: Welche der zahlreichen, ineinander geschachtelten Gruppen abgestufter Ähnlichkeiten und Beziehungen wollen wir „Art“ nennen? [2]

Die Hauptunterschiede der verschiedenen Artkonzepte liegen dabei auf der Ebene der Rangbildung. Eine Gruppe von Lebewesen unabhängig von ihrem Rang bezeichnen Taxonomen als Taxon (in der Botanik auch Sippe).

Art als Taxon

Eine Art als Taxon ist eine gemäß den Regeln der Taxonomie und der biologischen Nomenklatur formal beschriebene und benannte Form von Lebewesen. Eine taxonomische Art stellt eine wissenschaftliche Hypothese dar und kann unabhängig von einem Artkonzept sein, sofern man zumindest akzeptiert, dass Arten reale und individuelle Erscheinungen der Natur sind. [3] Die Art ist eine Rangstufe der klassischen, auf Carl von Linné zurückgehenden Taxonomie. Einige rein merkmalsbezogen arbeitende Systematiker sind der Ansicht, Arten wären mehr oder weniger willkürlich zusammengestellte, künstliche Gruppen, nur die Individuen seien letztlich real: Manche gehen dabei so weit, dass der Artbegriff wie alle anderen Rangstufen ihrer Ansicht nach besser abgeschafft werden sollte. [4] Die meisten Biologen sind aber der Ansicht, dass Arten natürliche Einheiten mit realer Existenz darstellen; es gäbe dann Artkriterien, an denen sich reale Arten identifizieren ließen. Dieser Vorstellung liegt letztlich eine Unterscheidung zwischen durch Genfluss oder horizontalem Gentransfer geprägten Einheiten unterhalb des Artniveaus und den Arten, bei denen dies nicht zutrifft (engl.: lineages), zu Grunde. Für viele Biologen, darunter Anhänger eines phylogenetischen Artkonzepts (vgl. unten), sind sie sogar die einzigen in diesem Sinne natürlichen taxonomischen Einheiten [5] [6]

Der wissenschaftliche Name einer Art (oft lateinischen oder griechischen Ursprungs) setzt sich nach der von Carl von Linné 1753 eingeführten binären Nomenklatur aus zwei Teilen zusammen, die beide kursiv geschrieben werden. Der erste Teil dieses Namens ist der groß geschriebene Gattungsname. Der zweite Teil wird immer klein geschrieben und in der Botanik und bei Prokaryoten als Epitheton („specific epithet“ [7] [8]) bezeichnet, in der Zoologie als Artname oder Artzusatz („specific name“ [9]) Um Verwechslungen zwischen dem Artzusatz und dem gesamten Artnamen, also dem Binomen aus Gattungsname und Artzusatz, zu vermeiden, werden in der Zoologie entweder die eindeutigen englischen Begriffe verwendet oder hinzugefügt oder gelegentlich und informell auch Begriffe wie „epithetum specificum“ oder „epitheton specificum“ verwendet. [10]

Beispiele

  • Bei der Rotbuche (Fagus sylvatica) bezeichnet der Namensteil Fagus die Gattung, sylvatica ist das Artepitheton.
  • Beim Löwen (Panthera leo) bezeichnet der Namensteil Panthera die Gattung, leo ist der Artname („specific name“).

Sowohl in der Botanik (Code Article 46) als auch in der Zoologie (Code Article 51) wird empfohlen, dem wissenschaftlichen Artnamen die Namen der Autoren beizufügen, die die Art beschrieben haben, zumindest, wenn es um taxonomische oder nomenklatorische Fragen geht. Dies ist zum Beispiel wichtig, um Homonyme zu erkennen, das sind Fälle, in denen zwei Autoren versehentlich zwei verschiedene Arten mit demselben Namen benannt haben. Im Geltungsbereich des International Code of Botanical Nomenclature wird es empfohlen, die Autorennamen abzukürzen, wobei in der Regel das Namensverzeichnis von Brummit und Powell als Grundlage dient (vergleiche Artikel Autorenkürzel der Botaniker und Mykologen), „L.“ steht beispielsweise für Linné.

  • Beispiel: Shiitake Lentinula edodes (Berk.) Pegler
    Miles Josef Berkeley hat die Art zuerst beschrieben, David Norman Pegler hat sie in das heute gültige System eingeordnet.

Nach den Regeln des International Code of Zoological Nomenclature sollen zumindest einmal in jedem wissenschaftlichen Text dem Artnamen die Autor(en) und das Jahr der Publikation hinzugefügt werden (Code Recommendation 51a). Wenn im entsprechenden Fachgebiet zwei Autoren mit demselben Nachnamen tätig waren, soll der abgekürzte Vorname hinzugefügt werden, um Eindeutigkeit herzustellen. Wenn die Art heute in eine andere Gattung gestellt wird als in die, in der sie ursprünglich beschrieben wurde, müssen Autor(en) und Jahr in Klammern gesetzt werden (Code Article 51.3). Zwischen Autor und Jahr wird in der Regel ein Komma gesetzt.

  • Beispiel: Löwe Panthera leo (Linnaeus, 1758)
    Carl Nilsson Linnæus hat die Großkatze zuerst und als Felis leo beschrieben. Wer sie zuerst in die heute meist für den Löwen verwendete Gattung Panthera Oken, 1816 gestellt hat, ist in der Zoologie nicht relevant. Statt Linnæus wird Linnaeus geschrieben, da der Autor in lateinischen Buchstaben angegeben werden soll (Code Recommendation 51 b).
In anderen Sprachen
Afrikaans: Spesie
Alemannisch: Art (Biologie)
aragonés: Especie
العربية: نوع (تصنيف)
asturianu: Especie
azərbaycanca: Bioloji növ
башҡортса: Төр (биология)
Boarisch: Oart (Biologie)
беларуская: Біялагічны від
беларуская (тарашкевіца)‎: Від (біялёгія)
български: Вид (биология)
भोजपुरी: प्रजाति
বাংলা: প্রজাতি
brezhoneg: Spesad
català: Espècie
کوردی: جۆرە
čeština: Druh
Чӑвашла: Тĕс (биологи)
Cymraeg: Rhywogaeth
dansk: Art
English: Species
Esperanto: Specio
español: Especie
euskara: Espezie
suomi: Laji
français: Espèce
Frysk: Soarte
Gaeilge: Speiceas
galego: Especie
Avañe'ẽ: Juehegua
Fiji Hindi: Species
hrvatski: Vrsta
hornjoserbsce: Družina (biologija)
Kreyòl ayisyen: Espès
magyar: Faj
interlingua: Specie
Bahasa Indonesia: Spesies
Ilokano: Sebbangan
italiano: Specie
日本語: 種 (分類学)
Patois: Spiishi
Basa Jawa: Spésies
ქართული: სახეობა
қазақша: Түр
ಕನ್ನಡ: ಜಾತಿ
한국어: 종 (생물학)
къарачай-малкъар: Биология тюрлю
Kurdî: Cure
Кыргызча: Түр
Lëtzebuergesch: Aart
lumbaart: Spéce
lietuvių: Rūšis
latviešu: Suga
македонски: Вид (биологија)
മലയാളം: സ്പീഷീസ്
монгол: Зүйл
Bahasa Melayu: Spesies
Malti: Speċi
မြန်မာဘာသာ: မျိုးစိတ်
Napulitano: Specia
Plattdüütsch: Oort (Biologie)
नेपाल भाषा: प्रजाति
Nederlands: Soort
norsk nynorsk: Art
norsk: Art
ਪੰਜਾਬੀ: ਪ੍ਰਜਾਤੀ
Kapampangan: Species
Piemontèis: Spece
پنجابی: سپیشیز
português: Espécie
Runa Simi: Rikch'aq
русиньскый: Вид (біолоґія)
Scots: Species
srpskohrvatski / српскохрватски: Vrsta
Simple English: Species
slovenčina: Druh (taxonómia)
slovenščina: Vrsta (biologija)
shqip: Lloji
српски / srpski: Врста (биологија)
Basa Sunda: Spésiés
svenska: Art
Kiswahili: Spishi
తెలుగు: జాతి
Türkmençe: Biologik görnüş
Tagalog: Espesye
Türkçe: Tür
татарча/tatarça: Төр (биология)
українська: Вид (біологія)
اردو: نوع
oʻzbekcha/ўзбекча: Tur (biologiya)
vèneto: Spece
Tiếng Việt: Loài
West-Vlams: Sôorte
Winaray: Espesyis
მარგალური: გვარობა
ייִדיש: זגאל
中文: 物种
粵語: 物種