Aristide Maillol

Aristide Maillol 1925, Fotografie von Alfred Kuhn

Aristide Joseph Bonaventure Jean Maillol (* 8. Dezember 1861 in Banyuls-sur-Mer, Pyrénées-Orientales; † 27. September 1944 ebenda) war ein französischer Bildhauer, Maler und Grafiker. Er galt in Frankreich als der wichtigste Antipode Auguste Rodins und beeinflusste die europäische Plastik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nachhaltig.

Leben

Banyuls-sur-mer, Geburtsort und zweiter Wohnsitz

Aristide Maillol war das vierte von fünf Kindern des Tuchhändlers und Weinbergbesitzers Raphaȅl Maillol und seiner Gattin Cathérine, geb. Rougé. Er stammte aus einer Familie von Weinbauern, Seeleuten und Schmugglern. Der Geburtsort, das Fischerstädtchen Banyuls-sur-mer, liegt am Mittelmeer nahe der spanischen Grenze. Die Muttersprache Maillols war Katalanisch; Französisch sprach er mit starkem Akzent.

Nach der Volksschule besuchte er das Collège Saint Louis in Perpignan, wo sich im Kunstunterricht sein Wunsch, Künstler zu werden, herausbildete. Seine Familie hatte dafür anfangs kein Verständnis. Als 20-Jähriger zog Maillol 1881 nach Paris, um Kunst zu studieren. Zuerst nahm er als freier Schüler an einem Zeichenkurs der École des Beaux-Arts teil, der dem Maler und Bildhauer Jean-Léon Gérôme unterstand. Als er diesem nach einigen Monaten seine Zeichnungen zeigte, meinte Gérome, er gehöre in die Kunstgewerbeschule, wohin Maillol dann überwechselte. Dort belegte er Bildhauerkurse. [1] Nach einigen Monaten kehrte Maillol an die École des Beaux-Arts zurück und wurde in die Klasse des Salonmalers Alexandre Cabanel aufgenommen. Die offizielle Zulassung erhielt er nach mehreren Versuchen erst am 17. März 1885. [2] 80 von 223 Bewerbern wurden aufgenommen; Maillol belegte Platz 64. Bis 1893 blieb er Student der Akademie.

Aristide Maillol 1899 (Porträt von József Rippl-Rónai)
Grabstein Maillols mit seinem Werk La Méditerranée in Banyuls-sur-Mer im heutigen Musée Maillol Banyuls

Fast zwanzig Jahre lebte Maillol in Paris und Umgebung in extremer Armut. 1894 [3] nahm Maillol Clotilde Narcis, eine seiner Mitarbeiterinnen im Tapisserie-Atelier in Banyuls mit nach Paris und bezog mit ihr eine Wohnung in der Rue Saint-Jacques. Im Juli 1896 heirateten sie, und im Oktober desselben Jahres kam ihr einziges Kind Lucien zur Welt. Clotilde wurde für mehr als ein Jahrzehnt zu Maillols Idealmodell sowohl in der Malerei und Textilkunst als auch in der Plastik. 1899 zog das junge Paar nach Villeneuve-Saint-Georges, eine Gemeinde im Département Val-de-Marne. 1903 folgte der Umzug nach Marly-le-Roi bei Paris. Doch den Wohnsitz in seinem Heimatort Banyuls behielt der Künstler zusätzlich lebenslang bei. Gewöhnlich lebte er im Sommerhalbjahr bei Paris und im Winterhalbjahr am Mittelmeer. Den Lebensunterhalt verdiente er sich zunächst mit der Restaurierung von Stuckarbeiten.

Allmählich wuchs Maillols Anerkennung. Julius Meier-Graefe nahm ihn 1904 in seine bedeutende Publikation „Entwicklungsgeschichte der modernen Kunst“ auf. [4] Im selben Jahr lernte der Künstler seinen wichtigsten Mäzen, Harry Graf Kessler kennen, für den er einige seiner Hauptwerke ausführte. Zusammen reisten beide 1904 nach London, 1908 nach Griechenland [5], und 1930 nach Deutschland, vor allem nach Weimar und Berlin. [6]

Maillols Ruhm wuchs vor allem im Ausland, neben Graf Kessler erwarben andere deutsche Sammler, wie beispielsweise Karl Ernst Osthaus, Werke von ihm, [7] Wichtige Sammler waren außerdem das Ehepaar Hahnloser, Oskar Reinhart in Winterthur, Johannes Rump in Kopenhagen sowie das Ehepaar Kröller-Müller in Den Haag. Wichtige Sammler in Frankreich waren Octave Mirbeau, Gustave Fayet oder Jacques Zoubaloff. [8]

1913 fand im Kunstkring Rotterdam die erste Einzelausstellung außerhalb Frankreichs statt, gezeigt wurden zwei Bronzen, sechs Gipsfiguren und Fotografien. Im selben Jahr waren Werke Maillols in der berühmten Armory Show in New York vertreten. Der Künstler kam dem wachsenden Interesse an seinen Werken nur zögernd nach. In den Pariser Salons waren seine Werke selten zu sehen. Bei der ersten ausländischen Wanderausstellung 1925 bis 1927 in den USA wurden überwiegend Gipsreproduktionen gezeigt. [9]

Die bedeutendsten Ausstellungen fanden 1928 in Berlin in der Galerie von Alfred Flechtheim, 1933 in der Kunsthalle Basel und 1937 im Rahmen einer Begleitausstellung französischer Kunst zur Pariser Weltausstellung im Petit Palais statt. Wegen Maillols enger Verbindungen zu Graf Kessler wurde er im Ersten Weltkrieg verdächtigt, Spion für Deutschland zu sein. Im Zweiten Weltkrieg wurde er wegen seiner Bekanntschaft mit Arno Breker als Kollaborateur eingeschätzt.

1944 erlitt Maillol einen Autounfall auf einer Dorfstraße; wenige Tage später starb er in seinem Haus in Banyuls-sur-Mer.

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